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Konjunktur: Deutschland als Vorreiter in Europa

von Mark Fehr

Beim Blick in die konjunkturelle Zukunft halten die gemischten Gefühle an: Der Höhepunkt der Krise liegt hinter uns, doch aufwärts geht es nur langsam, und der Wachstumspfad bleibt von Risiken gesäumt.

Container-Schiff am Hamburger Quelle: AP
Container-Schiff am Hamburger Hafen. Viele Jobs hängen am Export Quelle: AP
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„Die Weltwirtschaft hat die schwerste Rezession seit dem zweiten Weltkrieg überwunden“, schreibt das Ifo-Institut in seiner Konjunkturprognose für das Jahr 2010. Besonders in Asien habe sich das Wirtschaftsklima deutlich aufgehellt. Auch in Westeuropa und den USA haben sich im vierten Quartal die Erwartungen stark verbessert.

Die aktuelle Lage wird allerdings in allen großen Wirtschaftsregionen noch sehr ungünstig bewertet – die Klimaaufhellung verdanken wir daher den optimistischeren Zukunftsausblicken. Allerdings werde die Wirtschaft nur mit geringer Geschwindigkeit wachsen.

Deutschland holt dabei jedoch schneller auf als viele andere europäische Länder. Das Ifo-Institut prognostiziert für das gesamte kommende Jahr einen Anstieg des realen deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIPs) um saison- und kalenderbereinigt 1,7 Prozent. Der Euroraum werde dagegen durchschnittlich um nur ein Prozent zulegen. Im übernächsten Jahr hält der Erholungstrend voraussichtlich zwar an, verliert aber an Dynamik: Laut Ifo-Schätzung steigt das reale deutsche BIP dann um 1,2 Prozent, während die Wirtschaftsleistung im Euroraum 0,9 Prozent wachsen wird.

Konjunkturampeln auf Gelb

Für das momentan ablaufende Jahresendquartal erwarten die Ifo-Forscher 0,5 Prozent Wachstum. Die Erholungskurve flacht damit etwas ab – im dritten Quartal war das deutsche BIP um 0,7 Prozent gestiegen. „Im Prognosezeitraum bleiben die Konjunkturampeln in Deutschland auf gelb, mit einer Grünphase ist nicht zu rechnen“, so die Experten.

Staatliche Konjunkturhilfen und expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank haben zwar für deutliche Impulse gesorgt, doch laufen diese Maßnahmen langsam aus. Auch die deutsche Paradedisziplin Export könne nur mit moderater Dynamik rechnen, denn in den Hauptabnehmerländern bessere sich die Konjunktur nicht durchgreifend.

Angesichts der durchwachsenen wirtschaftlichen Gesamtlage sind die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzmarktexperten nahezu stabil geblieben. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) monatlich durchgeführte Finanzmarkttest ergab einen nur geringen Rückgang des Stimmungsindexes um 0,7 Punkte.

Finanzexperten zweifeln am Steuerpaket

„Wir sind nach wie vor in einem Rezessionstal. Im nächsten Jahr werden wir eine Erholung, aber keinen Aufschwung bekommen“, sagte Wolfgang Franz, ZEW-Präsident und Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Entscheidend für Wachstum seien Exporte und Investitionen. Wie sehr letztere zur Erholung beitragen, richte sich auch danach, wie viele Kredite die Banken geben könnten. Diese müssten ihre Bilanzen sanieren, was den Finanzierungsspielraum einschränkt.

Nach Ansicht der Mehrzahl der 262 von den ZEW-Forschern befragten Finanzexperten aus Banken, Versicherungen und Industriebetrieben müsse sich die Bundesregierung jetzt in erster Linie um Steuern und Finanzen kümmern. Zwar glaubt fast die Hälfte der Befragten daran, dass die neue Regierung ihre versprochenen Steuersenkungen wahr machen wird.

Allerdings bezweifelt ein fast ebenso großer Teil der Finanzmanager, dass Steuersenkungen angesichts der momentanen konjunkturellen Lage sinnvoll sind. Das umstrittene Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Bundesregierung soll Familien, Unternehmen, Erben und Hotelbesitzer entlasten. Die Zustimmung der Länder im Bundesrat am 18. Dezember steht noch aus.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.12.2009, 23:29 UhrAnonymer Benutzer: DasOmen

    Herr Mark Fehr,

    bitte vergleichen Sie mal die Wirtschaftsentwicklung der Grossen Depression von 1928-1933, ja schauen sie ruhig auch mal auf den DOW, nehmen sie ein ähnliches Zeitfenster, rechnen sie mal die prozentualen Verluste aus und dann ziehen sie mal einen realistischen Vergleich. Nun bedenken sie aber die ganzen feinen Mrd. in Konjunkturprogrammen und die beträge, der durch QE in die Märkte geworfenen Finanzmittel (die gab es 1929 nicht!) Und was stellen Sie fest? Huch nach den grossen Einbruch 1929 gings erstmal wieder stracks Aufwärts, so wie wir das sahen und was kam dann bis 1933? Denken und Regergieren nicht nur Abschreiben oder vorgevertigte Presseberichte umschreiben.
    Danke

  • 15.12.2009, 23:18 UhrAnonymer Benutzer: DasOmen

    Reuters-Schlagzeilen von Heute bis 22:00 Uhr:

    2010 wird nicht den erhofften Aufschwung bringen

    im Osten bis zu einem Viertel der bevölkerung von Armut bedroht

    ifo-Chef plädiert für Verschuldung und warnt vor Sparkurs

    börsenprofis: 2010 noch kein Aufschwung am Horizont

    börsenprofis blicken skeptischer auf Konjunktur im neuen Jahr

    ifo erwartet keinen selbsttragenden Aufschwung in Deutschland



    dpa-Meldungen ebenfalls nur heutige Schlagzeilen:

    institute sehen noch keinen selbsttragenden Aufschwung (HWWi)

    institute: Wirtschaft erholt sich nur langsam (HWWi, ifo, ZEW)

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