Konjunktur: Deutschland erzielt Milliarden-Überschuss

Konjunktur: Deutschland erzielt Milliarden-Überschuss

, aktualisiert 25. August 2015, 10:04 Uhr
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Mit dem Überschuss im ersten Halbjahr könnte der Staat 2015 das zweite Jahr in Folge einen Überschuss schaffen.

Wegen der guten Konjunktur hat der deutsche Staat deutlich mehr eingenommen als ausgegeben: Im ersten Halbjahr erzielte er einen Überschuss in Milliardenhöhe. Doch die Entwicklungen in China könnten belasten.

Der deutsche Staat hat im ersten Halbjahr dank der guten Konjunktur den höchsten Überschuss seit rund 15 Jahren erzielt. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen nahmen zusammen 21,1 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte. Dies entspricht 1,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Damit könnte der Staat 2015 das zweite Jahr in Folge einen Überschuss schaffen, nach plus 0,3 Prozent 2014. "Die Haushalte konnten weiter von einer günstigen Beschäftigungs- und Wirtschaftsentwicklung sowie einer moderaten Ausgabenpolitik profitieren", erklärten die Statistiker. Denn steigende Exporte und die Kauflust der Verbraucher schoben die Wirtschaft an, die von April bis Juni um 0,4 Prozent zum Vorquartal zulegte.

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Mobilfunklizenz-Versteigerung füllt Staatskasse

Durch die Rekordbeschäftigung stiegen die Einnahmen aus der Einkommensteuer und den Sozialbeiträgen. Auch Sondereinnahmen durch die Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen im Juni sowie sinkende Zinsausgaben trugen zum Überschuss bei. Allein der Bund erzielte bis Ende Juni ein Plus von 10,5 Milliarden Euro und strich durch den Verkauf der Mobilfunkfrequenzen 4,4 Milliarden Euro ein. "Der hohe Überschuss dürfte Begehrlichkeiten wecken, dass der Staat wieder mehr investiert", sagte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. "Es gibt auch großen Investitionsbedarf, etwa in der Infrastruktur - auch in der digitalen."

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Die Statistiker betonten allerdings, von den Daten für die ersten sechs Monate ließen sich nur begrenzt Rückschlüsse auf das Jahresergebnis ziehen, da die Einnahmen in der zweiten Jahreshälfte oft niedriger ausfielen. 2012 und 2013 gab es nach revidierten Angaben ein Defizit von jeweils 0,1 Prozent, bisher hatte hier je ein Plus von 0,1 Prozent zu Buche gestanden.

Die Einnahmen des Staates stiegen im ersten Halbjahr um 3,7 Prozent auf 662 Milliarden Euro. Das Steueraufkommen - als wichtigste Quelle - legte spürbar zu. Die Einkünfte aus Zinsen und Ausschüttungen sanken jedoch um 17,5 Prozent, weil sich der Bundesbankgewinn fast halbierte. Die Ausgaben wuchsen um 2,1 Prozent auf 640,9 Milliarden Euro. Hier machten sich das 2014 verabschiedete Rentenpaket und die Rentenerhöhungen bemerkbar.

Insgesamt gewann die größte Volkswirtschaft der Euro-Zone leicht an Schwung: Zum Jahresauftakt hatte es ein Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent gegeben, im zweiten Quartal dann von 0,4 Prozent. Impulse kamen im Frühjahr vom Außenhandel, da die Exporte stärker stiegen als die Importe. Auch der private Konsum kurbelte die Wirtschaft an. Die Bürger steigerten ihre Ausgaben um 0,2 Prozent.

Konjunkturdaten der Weltwirtschaft

  • USA

    Wirtschaftswachstum

    2014: 2,3 %

    2015: 2,7 %

    Inflation

    2014: 1,7 %

    2015 - 1,0 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 6,2 %

    2015: 5,7 %

  • China

    Wirtschaftswachstum

    2014: 7,3 %

    2015: 7,0 %

    Inflation

    2014: 2,0 %

    2015: 1,8 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 4,0 %

    2015: 3,9 %

  • Russland

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,1 %

    2015: –1,7 %

    Inflation

    2014: 7,7 %

    2015: 8,8 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 5,1 %

    2015: 5,0 %

  • Japan

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,2 %

    2015: 1,1 %

    Inflation

    2014: 2,9 %

    2015: 2,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 3,7 %

    2015: 4,3 %

  • Frankreich

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,4 %

    2015: 0,9 %

    Inflation

    2014: 0,5 %

    2015: 0,6 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 10,2 %

    2015: 10,1 %

  • Großbritannien

    Wirtschaftswachstum

    2014: 3,0 %

    2015: 2,6 %

    Inflation

    2014: 1,5 %

    2015: 1,5 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 6,2 %

    2015: 5,5 %

  • Türkei

    Wirtschaftswachstum

    2014: 2,6 %

    2015: 3,1 %

    Inflation

    2014: 9,0 %

    2015: 7,1 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 9,7 %

    2015: 9,7 %

  • Brasilien

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,0 %

    2015: 0,5 %

    Inflation

    2014: 6,3 %

    2015: 5,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 5,0 %

    2015: 5,4 %

  • Portugal

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,8 %

    2015: 1,5 %

    Inflation

    2014: –0,3 %

    2015: 0,4 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 14,2 %

    2015: 13,7 %

  • Spanien

    Wirtschaftswachstum

    2014: 1,3 %

    2015: 2,0 %

    Inflation

    2014: –0,1 %

    2015: –0,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 24,5 %

    2015: 22,9 %

  • Italien

    Wirtschaftswachstum

    2014: –0,3 %

    2015: 0,6 %

    Inflation

    2014: 0,2 %

    2015: –0,2 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 12,6 %

    2015: 12,9 %

  • Griechenland

    Wirtschaftswachstum

    2014: 0,2 %

    2015: 1,9 %

    Inflation

    2014: –1,1 %

    2015: –0,3 %

    Arbeitslosigkeit

    2014: 27,1 %

    2015: 26,4 %

Bei vielen Firmen hingegen herrschte eher Vorsicht: Die Ausgaben für Fahrzeuge, Maschinen und andere Investitionsgüter stiegen im zweiten Quartal nur minimal um 0,1 Prozent. "Die Unternehmen investieren nicht so, wie sie eigentlich sollten", sagte Analystin Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. Der niedrige Zins sei für sie nicht entscheidend, sondern die Entwicklung der Absatzmärkte. "Hier gibt es größere Fragezeichen, wie gerade die Entwicklung in China und anderen großen Schwellenländern zeigt." Sorge um ein Schwächeln der chinesischen Konjunktur hatte die Finanzmärkte am Montag weltweit erschüttert.

Eine höhere Wirtschaftsleistung verhinderte wohl eine Streikwelle mit Arbeitskämpfen bei Firmen wie der Deutschen Bahn, der Deutschen Post und der Lufthansa. Die Bundesregierung erwartet für dieses und nächstes Jahr jeweils einen Anstieg der Wirtschaftskraft von 1,8 Prozent, nach 1,6 Prozent 2014. "Wir haben zwar ein Wachstum, aber kein überschäumendes", sagte Kastens.

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