Konjunktur: Deutschland, Frankreich und Österreich sacken ab

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Konjunktur: Deutschland, Frankreich und Österreich sacken ab

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"Made in Germany" bald nur noch eine Floskel? Die Wirtschaftsmächte Europas verlieren zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit.

von Tim Rahmann und Malte Fischer

Europas Volkswirtschaften verlieren an Wettbewerbsfähigkeit: Während die Euro-Krisenländer weiter im Mittelfeld rumdümpeln, schwächeln nun auch die bisherigen Stützpfeiler. Woran das liegt - und was nun zu tun ist.

Deutschlands Wirtschaft ist robust. Produkte „Made in Germany“ sind weltweit gefragt, der schwache Euro lässt die Gewinne der Unternehmen sprudeln und aus den Krisenländern Südeuropas strömen junge, gut ausgebildete Arbeitskräfte nach Berlin, Stuttgart, Hamburg und Leipzig. Die Bundesregierung freut sich über steigende Steuereinnahmen, verteilt Wahlgeschenke an die eigene Klientel – und setzt so den positiven Trend aufs Spiel.

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Deutschlands Wirtschaft ist robust, ja. Unverwundbar ist sie aber nicht. Der beste Beweis: In dem renommierten internationalen Ranking zur Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften ist die Bundesrepublik abgesackt. Im Vergleich zum Vorjahr ging es gleich vier Plätze nach unten, von Rang sechs auf Platz zehn. Zwei skandinavische Länder sind an Deutschland vorbeizogen, Kanada und Luxemburg ebenfalls.

Das sind die wettbewerbsfähigsten Länder der Welt

  • Platz 10

    Während Deutschland im Vorjahr noch auf Rang sechs lag, schafft es die Bundesrepublik in diesem Jahr nur noch auf den zehnten Platz. Der mitteleuropäische Staat steht 2015 vor vielen Herausforderungen. Dazu gehört der Druck, die Energiewende zu meistern, die digitale Transformation der Industrie voranzutreiben und private und öffentliche Investitionen zu fördern.

    Bauen kann Deutschland auf seine hoch qualifizierten Arbeitskräfte und eine Politik der Stabilität und Vorhersehbarkeit.

  • Platz 9

    Schweden fällt im Vergleich zu 2014 um vier Ränge von Platz fünf auf Platz neun. Das nordeuropäische Königreich kann besonders mit qualifizierten Arbeitskräften, den stabilen politischen Verhältnissen, einem wirksamen Rechtssystem und einem starken Fokus auf Forschung und Entwicklung glänzen. Auch das Bildungsniveau ist sehr hoch und die Infrastruktur sehr verlässlich.

  • Platz 8

    Auch Dänemark konnte sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern, von Platz neun geht es hoch auf Platz acht. Gut schneidet das nordeuropäische Königreich bei Managementpraktiken, Gesundheit und Umwelt sowie Arbeitsstandards ab. Auf dem ersten Rang landet Dänemark in der Kategorie der Regierungseffizienz gleich fünf Mal, denn es zeichnet sich nicht nur durch eine besonders große Rechtstaatlichkeit aus, sondern auch dadurch, dass Bestechung und Korruption kaum eine Chance haben.

  • Platz 7

    Norwegen kann im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von drei Plätzen verzeichnen und landet damit auf dem siebten Platz. Die skandinavische Halbinsel kann vor allem mit gesellschaftlichen Rahmenbedingungen aufwarten, mit denen sie im internationalen Vergleich auf Platz eins landet. Weitere Faktoren, mit denen Norwegen punkten kann, sind im Bereich der Regierungseffizienz zu finden. Chancengleichheit, Transparenz sowie Rechtstaatlichkeit sind nur einige der besonders effektiven Maßnahmen der öffentlichen Hand.

  • Platz 6

    Für Luxemburg ging es von Platz elf im Jahr 2014 hoch auf Platz sechs. Sehr gut schneidet das Großherzogtum im Bereich der politischen Stabilität, der wettbewerbsfähigen Besteuerung, des unternehmerfreundlichen Umfeldes und der qualifizierten Arbeitskräfte ab.

  • Platz 5

    Kanada hat es in diesem Jahr auf Platz fünf geschafft. Im Vorjahr landete der nordamerikanische Staat noch auf Platz sieben des IMD World Competitiveness Ranking. Die gute Platzierung hat Kanada vor allem der Stabilität und Vorhersehbarkeit in der Politik, dem hohen Bildungsniveau, qualifizierten Arbeitskräften und einem wirksamen Rechtssystem zu verdanken. Ganz gut schneidet Kanada auch aufgrund einer unternehmerfreundlichen Umgebung und einer offenen und positiven Haltung ab.

  • Platz 4

    Der vierte Platz geht in diesem Jahr an die Schweiz. Unternehmen aus aller Welt wissen vor allem die sehr gute Infrastruktur des kleinen Alpenstaates zu schätzen. Die hohe Bildung und der Umweltschutz landen gar im Vergleich zu 2014 nicht mehr nur auf Platz drei, sondern gleich auf der Eins. Auch die robuste Wirtschaft, Arbeitsstandards, geringe Entlassungs- sowie Kapitalkosten sind im internationalen Vergleich so gut wie unschlagbar.

  • Platz 3

    Unter die ersten drei schafft es in diesem - wie auch schon im vergangenen Jahr - der Insel- und Stadtstaat Singapur. Besonders punkten konnte das asiatische Land bei Unternehmen in diesem Jahr mit seinem institutionellen Rahmen, der im weltweiten Vergleich auf Rang eins landet. Außerdem liegt Singapur bei der technologischen Infrastruktur sowie der Bildung ganz weit vorne.

  • Platz 2

    Platz zwei geht an die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong. Im Vergleich zum Vorjahr hat die chinesische Metropole zwei Plätze gut gemacht. Unternehmen aus aller Welt schätzen Hongkong insbesondere aufgrund der betriebswirtschaftlichen Gesetzgebung, der Managementpraktiken, der unternehmerischen Einstellungen und Werte und der technologischen Infrastruktur. Ganz gut steht Hongkong auch bei internationalen Investitionen, der Fiskalpolitik und bei den Betriebsfinanzen da.

  • Platz 1

    Die wettbewerbsfähigste Volkswirtschaft der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Das hat das IMD World Competitiveness Center in seiner aktuellen Vergleichsstudie bekannt gegeben.

    Besonders attraktiv finden Firmen in den USA - laut Ranking - die dynamische Wirtschaft (66,2 Prozent), den guten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten (55,1 Prozent), den starken Fokus auf Forschung und Entwicklung (49,3 Prozent) sowie das unternehmensfreundliche Umfeld (43,4 Prozent).

    Punkten können die USA zudem als attraktiver Forschungsstandort. Nachholbedarf gibt es im Bereich der Schulbildung.

Es ist eine Entwicklung, die sich abzeichnete. Im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online warnte das IMD („International Institute for Management Development“, eine private Wirtschaftshochschule im Schweizer Lausanne) vor einem Jahr, Deutschland könne schon bald aus den Top 10 herausrutschen. „Der Mindestlohn gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Das gilt auch für die Frühverrentung der Arbeitskräfte und die rasant steigenden Energiekosten. In den nächsten 10 bis 20 Jahren werden die Preise für Energie in Deutschland vier Mal so hoch sein wie in den USA.  Das hält kein Industrieland aus“, sagte Arturo Bris, Direktor des Zentrums für Wettbewerbsfähigkeit, im Mai 2014. Er prognostizierte: „Im nächsten Jahr dürften sich die wirtschaftspolitischen Entscheidungen der Regierung in Berlin negativ auf die Platzierung Deutschlands im Länderranking auswirken.“ Er sollte Recht behalten.

Neben den bereits angedeuteten Problemen – hohe Kosten durch die Energiewende, Frühverrentung, Mindestlohn – bleibt die Steuerpolitik ein echter Wettbewerbskiller. Deutschland kommt im Vergleich der 61 untersuchten Volkswirtschaften auf einen desaströsen 55. Platz.

Die Schwächen Deutschlands

  • Steuern und Sozialabgaben

    Die relativ hohen Beiträge zur Sozialversicherung sind ein Wettbewerbsnachteil für Deutschland. Dafür gibt es Platz 56. Und auch die Besteuerung von Unternehmensgewinnen müsste niedriger sein, um die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern, so das IMD. In diesem Bereich liegt die Bundesrepublik auf Platz 53.

  • Benzinpreise

    Im internationalen Vergleich sind die Preise für Benzin - insbesondere aufgrund der hohen Besteuerung - in Deutschland sehr hoch, was für einen 44. Platz in diesem Bereich sorgt. Gerade wenn sich die Bundesrepublik mit den USA misst, hat sie einen klaren Nachteil auf dem internationalen Markt bei den Energiekosten.

  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit

    Auch Flexibilität und Anpassungsfähigkeit gehören nicht gerade zu Deutschlands Stärken. Deutschland gilt als starr und wenig reformbereit. Deutschland liegt in diesem Teilaspekt nur auf Rang 49.

"Steuern sind schlecht für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen – und in Deutschland zahlen die Unternehmen zu viel Steuern", erklärt Bris auf Nachfrage. "Diese mögen dem Staatshaushalt nutzen, die Wertschöpfung der Unternehmen aber belasten sie. Mit einer effektiven Steuerlast von weit über 30 Prozent zählt Deutschland international zu den Standorten mit der höchsten Steuerbelastung. Auch die Besteuerung des Konsums weist in Deutschland  eine steigende Tendenz auf."

Punkten kann Deutschland mit der hohen Qualität der Mitarbeiter. Vier von fünf Unternehmern sind mit ihren Angestellten hochzufrieden. Auch gilt die Bundesrepublik als verlässlich und äußerst stabil: Investoren müssen sich keine Sorgen um ihr Kapital machen.

Die Stärken Deutschlands

  • Effizienz der Unternehmen

    In Sachen Produktivität und Effizienz liegt die Bundesrepublik im internationalen Vergleich ganz weit vorne. Auch die Anzahl und Qualität der kleinen und mittleren Unternehmen ist spitze, ebenso die Produktivität der Mitarbeiter. Bei Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern landet Deutschland auf dem zweiten Platz im internationalen Vergleich.

  • Einschreibungen für weiterführende Schulen

    Das Bildungssystem ist oftmals Teil der politischen Debatte. Dennoch gibt es in Deutschland so viele Einschreibungen für weiterführende Schulen wie sonst nirgends auf der Welt. In dieser Kategorie landet die Bundesrepublik auf Platz eins.

  • Exporte

    Deutschland ist zwar nicht mehr Exportweltmeister, der Verkauf von Produkten auf den internationalen Märkten ist dennoch eine Stärke der deutschen Wirtschaft. Die Bundesrepublik liegt auf dem dritten Platz, wenn es um den Export von Gütern, Dienstleistungen und Direktinvestitionen im Ausland geht.

  • Diversifikation

    Die deutsche Wirtschaft ist breit aufgestellt. Ob Auto- Technologie- oder Dienstleistungssektor, hierzulande sind viele verschiedenen Industriezweige angesiedelt. Dies erhöht in Kombination mit einer hohen Robustheit der Wirtschaft die Attraktivität des Landes. Auf der anderen Seite senkt es die Gefahr, dass Deutschland aufgrund von Problemen in einer einzelnen Industrie in Schwierigkeiten gerät. Die breit gefächerte Wirtschaft platziert die Bundesrepublik auf Rang zwei.

  • Kreditwürdigkeit

    Besonders hervorzuheben ist außerdem die Kreditwürdigkeit von Deutschland, die von den Ratingagenturen S&P und Fitch mit AAA bewertet wird. Das verschafft der Bundesrepublik im internationalen Vergleich immerhin Platz vier.

Dennoch werden die Pluspunkte nicht ausreichen, um langfristig das „Wirtschaftswunder“ aufrecht zu erhalten. Und auch nicht, um als Vorbild in Europa voranzugehen und die schwächeren Euro-Länder zu Reformen und Wettbewerbsfähigkeit anzutreiben.

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