Konjunktur: Deutschland in der schwersten Rezession seit der Wiedervereinigung

Konjunktur: Deutschland in der schwersten Rezession seit der Wiedervereinigung

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Der Einbruch in der Exportwirtschaft sorgte mit für die schlechteste Wirtschaftsleistung seit mehr als zwanzig Jahren

Ein schwacher Außenhandel und ein Rückgang bei Investitionen und privaten Konsumausgaben führten im vierten Quartal zu einer Beschleunigung des konjunkturellen Abschwungs. Ende 2009 könnte der Abschwung jedoch beendet sein.

Laut Statistischem Bundesamt sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Oktober bis Dezember um 2,1 Prozent und erreichte damit das größte Minus seit 1987. Außerdem verzeichnet das BIP schon das dritte negative Quartal in Folge. Aufgrund des guten ersten Quartals legte die deutsche Wirtschaft in 2008 trotzdem um 1,3 Prozent zu.

Der Einbruch der Wirtschaftsleistung liegt vor allem am schlechten Exportergebnis. Im Vergleich zum dritten Quartal sanken die Ausfuhren zum Jahresende um 7,3 Prozent, der schwerste Einbruch seit 1991. Auch für 2009 erwartet der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) mit einem weiteren Minus von bis zu acht Prozent keine Besserung.

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Die Unternehmen reagierten mit einem Rückgang ihrer Investitionstätigkeit auf das schwache Auslandsgeschäft. Sie gaben knapp fünf Prozent weniger für Maschinen, Fahrzeuge und andere Ausrüstungen aus. Die Bauinvestitionen gingen um 1,3 Prozent zurück.

Höheres Staatsdefizit als erwartet

Der private Konsum schrumpfte ebenfalls leicht, die Ausgaben des Staates blieben dagegen stabil. Die Bundesregierung erwartet für 2009 nicht, noch ein Positivwachstum zu erreichen. Mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 2,25 Prozent könnte Deutschland das schlechteste Ergebnis seit 1949 einfahren.

Für viele Bankanalysten ist die Schätzung der Bundesregierung noch viel zu optimistisch gerechnet. Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank rechnet sogar mit einem Minus von mindestens fünf Prozent in 2009. Auch für die Exportwirtschaft dürfte das Jahr schlecht beginnen, Citigroup-Chefvolkswirt Jürgen Michels erwartet für das erste Quartal einen Rückgang um 1,5 Prozent. „Eine Stabilisierung der Wirtschaft ist erst am Jahresende in Sicht.“

Wie von Finanzminister Peer Steinbrück angekündigt, wird Deutschland trotz der schlechten konjunkturellen Lage die EU-Defizitgrenze in 2008 einhalten können. Laut Statistischem Bundesamt schloss Deutschland das Jahr mit einer Defizitquote von 0,1 Prozent ab, das Staatsdefizit betrug 3,3 Milliarden Euro. Allerdings liegt das Staatsdefizit damit deutlich über den zunächst errechneten 1,6 Milliarden Euro. Diese Korrektur sei vor allem dem sinkenden Steueraufkommen gegen Ende des vergangenen Jahres zuzurechnen sowie der Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer.

Für 2009 erwartet die Deutsche Bundesbank aufgrund von Rezession und den milliardenschweren Konjunkturpaketen einen weiteren Anstieg der Defizitquote, die aber noch unterhalb der EU-Defizitgrenze von drei Prozent liegen soll. Erst in 2010 werde das Maastrichtkriterium mit einem voraussichtlichen Staatsdefizit von 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verletzt werden. In 2012 soll das Defizit dann wieder auf 2,5 Prozent heruntergefahren werden.

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