Konjunktur: Deutschland in der Wachstumspause

ThemaKonjunktur

Konjunktur: Deutschland in der Wachstumspause

Bild vergrößern

Das deutsche Wirtschaftswachstum macht Pause: Das ifo Institut erwartet bis zum Herbst praktisch kein Wachstum mehr in der Bundesrepublik.

Die Eurokrise versetzt der deutschen Wirtschaft einen Dämpfer: Das ifo Institut erwartet bis zum Herbst praktisch kein Wachstum mehr, die Arbeitslosenzahlen bleiben nahezu gleich und Insolvenzen steigen. Durchwachsene Aussichten für die Bundesrepublik.

Die deutsche Wirtschaft wird nach der neuen Konjunkturprognose des ifo Instituts bis zum Herbst eine Wachstumspause einlegen. Für das gesamte Jahr erwarten die Wirtschaftsforscher nur noch 0,7 Prozent Wachstum, nach 3,0 Prozent im vergangenen Jahr.

Hauptgrund sei die Eurokrise, erklärte ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Eindringlich warnte Sinn vor einer europäischen Bankenunion. Die europäischen Rettungsschirme hätten schon jetzt ein Volumen von 2,1 Billionen Euro. Die Staatsschulden von Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Irland lägen bei 3,3 Billionen Euro, die Bankenschulden aber bei 9,2 Billionen.

Anzeige

„Das sind Summen, die übersteigen unsere Fähigkeit als Steuerzahler total“, sagte Sinn. Die Aktionäre und die Gläubiger der Banken müssten auf einen Teil ihres Geldes verzichten, statt die Steuerzahler zur Kasse zu bitten, die damit gar nichts zu tun hätten, sagte Sinn. Er fordere Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, beim EU-Gipfel hart zu bleiben: Sonst „werden wir in den Strudel reingezogen“.

Steigende Insolvenz-Gefahr

Auch die Experten der Wirtschaftsauskunft Creditreform warnen davor, dass die Euro-Krise und ihre Folgen für die Realwirtschaft der deutschen Wirtschaft gefährlich werden könnten. So sei es möglich, dass die Zahl der Firmen-Insolvenzen in Deutschland wieder in die Höhe getrieben werden: „Es geht ein Gespenst um in Europa - das Gespenst der Pleite“, warnte Creditreform-Experte Michael Bretz am Donnerstag in Düsseldorf. „Eine Umkehr beim Insolvenzgeschehen deutet sich an“, fügte er hinzu: „Wir werden mehr Insolvenzen kriegen.“ Bereits im ersten Halbjahr 2012 legte die Zahl der Firmen-Pleiten leicht um 0,7 Prozent auf 15.200 zu.

Dazu gehören auch einige große Fälle: Die Drogeriemarktkette Schlecker schlitterte in die Zahlungsunfähigkeit und auch Firmen wie Q-Cells aus der einstigen Vorzeigebranche Solarindustrie mussten Insolvenz beantragen. Im Gesamtjahr 2012 könnten laut Creditreform bis zu 32.000 Firmen in den Zusammenbruch schlittern. Neben Schwankungen an den Kreditmärkten könnte zudem eine sich abkühlende Konjunktur die Zahl der Firmenpleiten befeuern.

Das ifo Institut erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im laufenden und im nächsten Quartal bis September mit jeweils nur noch 0,1 Prozent wächst. „Die deutsche Wirtschaft legt eine Wachstumspause ein“, sagte der Leiter der ifo-Konjunkturabteilung, Kai Carstensen.

Ursachen des Dämpfers seien die massive Verunsicherung durch die Eurokrise, die Rezession in Südeuropa und das langsamere Wachstum in den Schwellenländern. Erst zum Jahresende werde die Konjunktur wieder Fahrt aufnehmen. Nach 0,7 Prozent Wachstum 2012 dürfte die deutsche Wirtschaft nächstes Jahr dann um 1,3 Prozent zulegen.

Dafür dürfte die Arbeitslosigkeit weiter sinken auf 2,86 Millionen in diesem und 2,82 Millionen im nächsten Jahr, so das ifo Institut. Diese Prognose passt auch zu den neu-veröffentlichten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA): Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juni weiter gesunken. In elf Bundesländern ging die Arbeitslosenquote um bis zu 0,4 Punkte zurück. In den anderen fünf Ländern blieb sie aber unverändert. Der deutsche Jobaufschwung verliert damit weiter an Tempo.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%