Konjunktur: Deutschlands Wirtschaft prescht voran

Konjunktur: Deutschlands Wirtschaft prescht voran

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Export: Der deutsche Außenhandel hat seine Dynamik verloren. Im zweiten Quartal sanken die Lieferungen in die USA um 6,5 Prozent

von Christian Schlesiger, Silke Wettach und Malte Fischer

Jahrelang hinkte Deutschland der Wirtschaft in der Euro-Zone hinterher. Das ist vorbei. Dank Exportboom und niedriger Zinsen wird die Bundesrepublik zur Konjunkturlokomotive für Europa. Droht jetzt die Deutschland-Blase?

Ja, wir sind wieder wer! Erst gewinnt Deutschlands Vorzeige-Teenager Lena Meyer-Landrut zum Entzücken der Nation den europäischen Schlager-Grand-Prix. Dann trumpft Jogi Löws Boy-Group bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika trotz des Ausscheidens im Halbfinale mit Spielwitz und Verve auf, wie man es früher nur von Brasilien kannte. Als wäre das nicht genug, überrascht auch die deutsche Wirtschaft mit immer neuen Positivmeldungen vom Arbeitsmarkt und von der Unternehmensfront. Finanzkrise war gestern, Aufschwung ist jetzt!

Mögen an den Börsen die Kurse aus Angst vor einem erneuten Absturz der Weltwirtschaft wild hin und her zappeln und die Bundesregierung vor sich hinmurksen – die deutsche Wirtschaft marschiert mit Siebenmeilenstiefeln aus dem tiefen Tal, in das sie durch die Finanzkrise vor rund anderthalb Jahren gefallen war.

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Von April bis Juni dürfte die gesamtwirtschaftliche Leistung um bis zu 1,5 Prozent gewachsen sein, schätzen Experten. Rechnet man das auf das Jahr hoch, ergibt sich eine Rate von rund sechs Prozent – doppelt so viel wie Ökonomen den USA zutrauen. Kein Tag, an dem nicht ein Forschungsinstitut oder eine Bank die Wachstumsprognose für Deutschland nach oben revidiert. Anfang des Monats preschte die Commerzbank vor und setzte sich mit einem prognostizierten Wachstum von 2,5 Prozent für dieses Jahr an die Spitze der Optimisten.

Die Nachrichten, die aus den Unternehmen kommen, bestätigen den Optimismus. Der Autohersteller Daimler erreichte mit seinem Pkw-Absatz im zweiten Quartal fast wieder das Vor-Krisen-Niveau. Die Werke Rastatt (A- und B-Klasse) sowie Bremen und Sindelfingen (C-, E- und S-Klasse) sind inzwischen wieder voll ausgelastet. In Bremen müssen Sonderschichten gefahren werden, um die Nachfrage für das GLK-Modell zu befriedigen.

Volle Auftragsbücher

Volle Auftragsbücher meldet auch der Maschinen- und Anlagenbau. Im Mai legten die Bestellungen der Branche um 61 Prozent gegenüber Vorjahr zu. Bei solchen Zahlen bleibt selbst den Experten des Branchenverbands VDMA die Spucke weg. Sogar der längst tot geglaubte Wohnungsbau gibt wieder Lebenszeichen von sich. Die Baugenehmigungen für Mehrfamilienhäuser schießen seit Monaten in die Höhe.

Der Aufschwung hat auch den Arbeitsmarkt erreicht. Im Juni sank die saisonbereinigte Zahl der Arbeitslosen auf 3,23 Millionen. Experten rechnen damit, dass sie schon bald unter die Marke von drei Millionen fällt. Entsprechend ist die Kurzarbeit auf dem Rückzug. Bei Daimler arbeiteten zuletzt nur noch 13.700 Mitarbeiter kurz, im April 2009 waren es noch 68.000 gewesen. Beim Zulieferer Continental sank die Kurzarbeiterzahl von 6000 auf 600. Auch in der arg gebeutelten Stahlindustrie sind die Stechuhren wieder am Anschlag. ThyssenKrupp zählte zuletzt weltweit 3900 Kurzarbeiter, vor einem Jahr waren es noch 48.900.

Steigende Nachfrage nach Waren "made in Germany"

Dass die deutsche Wirtschaft wie Phönix aus der Asche aufsteigt, verdankt sie in erster Linie dem Export. Im Mai schossen die Ausfuhren gegenüber April um 9,2 Prozent in die Höhe. Ihr Vorjahresniveau überschritten sie um 28,8 Prozent. Vor allem in den Schwellenländern boomt die Wirtschaft – das lässt die Nachfrage nach Waren made in Germany kräftig steigen.

Doch mittlerweile mehren sich die Zeichen, dass die Weltwirtschaft in den nächsten Monaten einen Gang zurückschalten wird. Der Lageraufbau der Unternehmen lässt nach, und die Nachfrageimpulse der weltweit aufgelegten Konjunkturprogramme ebben ab. „Wenn sich die Weltkonjunktur abschwächt, geht das auch an der exportabhängigen deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorüber“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

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