Konjunktur: Die riskanten Ideen des IWF-Chefökonomen

Konjunktur: Die riskanten Ideen des IWF-Chefökonomen

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Olivier Blanchard (L), International Monetary Fund's Financial Economic Counsellor and Director, Research Department, speaks during a news conference on the IMF's release of the 2009 World Economic Outlook at the Istanbul Congress Center October 1, 2009. REUTERS/Thomas Dooley/International Monetary Fund/Handout (TURKEY BUSINESS POLITICS) FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS

Olivier Blanchard hat mit seinem Vier-Prozent-Inflationsziel die Notenbanker aufgeschreckt. Doch das ist nur eine von mehreren riskanten Ideen des IWF-Chefökonomen.

Es geht ums Ganze – und das erfordert ein neues Denken in der makroökonomischen Politik. So sieht es Olivier Blanchard in seinem jüngsten, viel beachteten Paper*, und seither diskutiert die Ökonomenzunft über die These des Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF), wonach eine hohe Inflationsrate von vier Prozent nicht von Übel sei.

Völlig untergegangen sind dabei die anderen Vorschläge, die Blanchard in seinem Papier präsentiert. Die sind nicht weniger explosiv – und nicht weniger fragwürdig. Blanchard lobt die Zentralbanken, in der Krise schnell mit Liquiditätshilfen reagiert zu haben. Das ist unbestritten. Doch daraus folgert er, dass die Staaten generell Liquiditätsspritzen für den Finanzmarkt bereithalten sollen.

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Es bestehe immer das Risiko, dass sich Großinvestoren aus den Märkten zurückzögen und Schocks auslösten. Nur der Staat mit seinen „tiefen Taschen“ könne gegensteuern, so Keynesianer Blanchard. Weiter fordert der Ökonom, dass Zentralbanken den Wechselkurs ihrer Währung stabil halten und notfalls durch Intervention am Devisenmarkt verteidigen sollten. Dies gelte vor allem für kleine, offene Volkswirtschaften.

Quadratur des Kreises

Tatsächlich wären diese durch Währungsattacken besonders gefährdet, doch sie hätten im Ernstfall kaum Chancen, sich gegen den Markt zu stemmen. Devisenmarktinterventionen, das zeigt die Historie, sind allzu oft sinnlos und teuer.

Schließlich fordert Blanchard, die automatischen Stabilisatoren zu verbessern, also die Mechanismen einer Volkswirtschaft, die Konjunktur und Nachfrage in Krisenzeiten automatisch stützen, ohne dass die Politik ad hoc eingreifen muss. Auch das klingt sinnvoll. Doch Blanchard will dies durch eine höhere Staatsquote und höhere Sozialstandards erreichen. Zudem sollen Niedrigverdiener und Unternehmer Steuernachlässe erhalten. Wie das finanziert werden soll, erwähnt er mit keiner Silbe. Umso überraschender kommt sein nächster Punkt daher: Die Staaten müssten ihre Schulden deutlich reduzieren, um in künftigen Krisen mehr Handlungsspielraum zu haben. Zusammengenommen klingt dies wie eine Quadratur des Kreises. „Die Fehler der Politik zu erkennen ist einfach. Eine neue Politik zu definieren ist viel schwieriger“, schreibt Blanchard. Nach der Lektüre seines Papiers kann man ihm nur zustimmen.

* Olivier Blanchard, Giovanni Dell’Ariccia, Paolo Mauro: Rethinking Macroeconomic Policy. IMF Staff Position Note, Februar 2010.

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