Konjunktur: Die Weltwirtschaft verliert an Schwung

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Konjunktur: Die Weltwirtschaft verliert an Schwung

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40 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Schwellenländer, mehr als in die Euro-Zone.

von Malte Fischer

Hohe Schulden belasten das globale Wachstum. Das setzt die Notenbanken unter Druck. Droht als Nächstes eine Geldkrise?

Deutschland ist ökonomisch so stark, dass das Ausland zuweilen vor Neid erblasst. „Ist es irgendeinem Land jemals so gut gegangen?“, fragte jüngst das US-Wirtschaftsmagazin „Bloomberg Business“ – um sogleich mit der Aufzählung der wirtschaftlichen Erfolge selbst die Antwort zu geben. Tiefststand bei der Arbeitslosigkeit, Höchststand bei der Beschäftigung, Einnahmeüberschüsse im Staatshaushalt, Miniinflation und kräftige Lohnsteigerungen. Es könnte kaum besser laufen.

Verglichen mit anderen Ländern, steht die deutsche Wirtschaft da wie ein Solitär. Denn wohin man auch schaut, in allen großen Ländern hat sich die Konjunktur zuletzt eingetrübt. In den USA, in China und in Großbritannien stockt das Wachstum, in Frankreich ist es noch nicht einmal angesprungen. Hoffnungen, die globale Geldschwemme der Notenbanken werde die Weltwirtschaft wie Phoenix aus der Asche auferstehen lassen, entpuppen sich als Tagträumerei.

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Weltweiter Kreditzyklus

Dass das weltweite Wachstum stockt, ist in erster Linie eine Folge der Schuldenlast, unter der Bürger, Regierungen, Unternehmen und Banken ächzen. Statt zu investieren und zu konsumieren, stecken sie ihr Geld lieber in die Tilgung der Altschulden. Das bremst die Konjunktur. „Der weltweite Kreditzyklus hat die Schulden in den vergangenen Jahrzehnten drastisch anschwellen lassen, jetzt müssen diese in einem jahrelangen Prozess abgebaut werden“, sagt Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute. „Der Weltkonjunktur steht ein jahrelanger Tiefflug mit vielen Luftlöchern bevor.“

Wie hoch die Schulden weltweit sind, haben die Ökonomen des McKinsey Global Institute in einer aktuellen Studie ausgerechnet: knapp 200 Billionen Dollar gleich 286 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Seit Ausbruch der Finanzkrise sind sie um 57 Billionen Dollar gestiegen. „Eigentlich hätte man erwarten können, dass die Schulden nach der Krise sinken, stattdessen haben sie zugenommen“, wundern sich die McKinsey-Ökonomen. In den USA, der größten Volkswirtschaft der Welt, haben Bürger, Banken und Unternehmen ihre Schulden seit 2007 zwar zurückgefahren. Doch im Gegenzug ist der Schuldenberg des Staates kräftig angeschwollen. Die Schuldenlast aller Sektoren liegt bei 269 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Nun dreht die Verschuldung von Bürgern und Unternehmen in Amerika wieder nach oben. Um ihre Gewinne trotz der niedrigen Zinsen zu halten, gehen die Banken im Kreditgeschäft höhere Risiken ein. „Die Banken vergeben Kredite an Kunden mit geringer Bonität und hohen Schulden, zudem lockern sie die Kreditbedingungen“, stellt der Harvard-Ökonom Martin Feldstein fest.

Globaler Schuldenstand nach Sektoren (zum Vergrößern bitte anklicken)

Globaler Schuldenstand nach Sektoren (zum Vergrößern bitte anklicken)

Neuer Subprime-Boom in den USA

Im vergangenen Jahr flossen 41 Prozent aller US-Konsumentenkredite an Kunden mit geringer Bonität (Subprime). Hatten sich vor der Finanzkrise die Bürger für Hauskäufe verschuldet, tun sie es jetzt, um Autos zu erwerben. Seit 2010 hat sich das Volumen der Subprime-Kredite für Autokäufe verdoppelt. Der Pkw-Boom stützt den privaten Konsum, ohne ihn wäre die Wirtschaft im ersten Quartal geschrumpft. „Der Aufschwung in Amerika basiert darauf, dass neue Schulden auf die alten draufgesattelt werden“, kritisiert Frank Hollenbeck, Professor an der Internationalen Universität in Genf.

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