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Konjunktur: Dunkle Wolken einer US-Rezession ziehen an Europa nicht vorüber

von Malte Fischer

Die gestern veröffentlichten US-Konjunkturdaten sehen zwar auf den ersten Blick passabel aus. Doch die Gefahr einer US-Rezession ist längst noch nicht gebannt. Der mögliche Abschwung droht auch Europa mit in den Abwärtsstrudel zu reißen. Europas Politiker üben sich in kollektivem Optimismus - dabei sind einige Länder von einem US-Abschwung besonders gefährdet.

Zwar hellte sich angesichts positiv aufgenommener Konjunkturdaten die Stimmung an den US-Börsen etwas auf. Verantwortlich dafür war auch der höhere Ölpreis. Doch die US-Wirtschaft steht nach wie vor auf tönernen Füßen, wie aktuelle Fundamentaldaten zeigen. So etwa war der Stellenaufbau in den USA so mager wie seit fast fünf Jahren nicht mehr, wie Daten der privaten Arbeitsagentur ADP zeigen.  „Die US-Wirtschaft war im vierten Quartal schwach“, sagte Michael Darda, Chefvolkswirt von MKM Partners LLC gestern zu den Zahlen. „Ich weiß nicht, wie schlecht es noch werden kann. Der Markt hat aber bereits eine Rezession eingepreist.“

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Mittlerweile plädieren selbst Mitglieder der US-Notenbank Fed für rasches Handeln, um die Folgen der Kreditkrise einzudämmen. "Weil Kreditbeschränkungen auftreten und sich ziemlich schnell ausbreiten können, muss die Zentralbank bereit sein, aggressiv und rechtzeitig zu agieren“, sagte die Präsidentin der Fed von Cleveland gestern in New York.

Doch Europas Spitzenpolitiker sonnen sich weiterhin im Glanz der nach wie vor guten Konjunkturdaten auf dem alten Kontinent - und beschwören weiterhin die Widerstandskraft Europas gegen die Krankheitssignale aus Übersee.

Die Wirtschaftskrise der USA Quelle: AP
Die Wirtschaftskrise der USA bremst Europas Export Quelle: AP

So viel gebündelter Optimismus ist verdächtig: „Europa ist immer noch auf dem Wachstumspfad, die Fundamentaldaten sehen gut aus“, sagte Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker Anfang Februar auf dem G8-Treffen der führenden Industrieländer. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos sieht die deutsche Wirtschaft „auf einem positiven Wachstumskurs“, und auch EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Joaquín Almunia ist hoch zufrieden: „Europas Wirtschaft ist widerstandsfähig genug, um dem Gegenwind von der Weltwirtschaft standzuhalten.“

Alles in bester Ordnung auf dem alten Kontinent? Finanzkrise, Aktiencrash, Ölpreis-Explosion, steigende Teuerungsraten, Dollar-Verfall – alles kein Thema für Europas Wirtschaft? Schön wär’s!

Die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Im Jahresschlussquartal 2007 halbierte sich das Wachstum in der Euro-Zone auf magere 0,4 Prozent. Besonders die großen EU-Länder machen schlapp. In Deutschland und Frankreich schaffte die Wirtschaft von Oktober bis Dezember nur noch ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Italien befindet sich längst in der Stagnation.

In der vergangenen Woche hagelte es weitere Hiobsbotschaften. Mit 1,52 Dollar schoss der Wechselkurs des Euro gegenüber dem Greenback auf ein neues Allzeithoch. Am gleichen Tag kündigte der Autobauer BMW an, in den nächsten Monaten mehr als 8000 Arbeitsplätze zu streichen. Grund: Die explodierenden Kosten für Rohstoffe, Material und Entwicklung sowie der Höhenflug des Euro drücken massiv auf die Rendite des Herstellers von Premium-Autos. Und der Abbau von Arbeitsplätzen bei BMW könnte noch weitergehen. „Wenn der Dollar nachhaltig auf diesem Niveau bleibt, werden weitere Personalmaßnahmen folgen“, kündigte Ernst Baumann, Personalvorstand bei BMW, an.

Auch Manager anderer Unternehmen sind skeptisch. Das vom Münchner ifo Institut ermittelte Wirtschaftsklima im Euro-Raum stürzte im ersten Quartal 2008 auf den niedrigsten Wert seit Mitte 2005. Die rund 240 befragten Experten aus Unternehmen und Institutionen geben nicht nur der aktuellen Lage eine schlechtere » Note, sie haben auch kein Vertrauen in die Zukunft.

Längst haben die Analysten der großen Banken und Forschungsinstitute ihre Prognosen für die Währungsunion nach unten korrigiert, und zwar drastisch. Nur noch etwa 1,5 Prozent Wachstum trauen sie der Wirtschaft in diesem Jahr zu — ein böser Absturz verglichen zum Vorjahr, als das Bruttoinlandsprodukt um 2,6 Prozent zulegte.

Höhere Zinsen und die explodierende Inflation bremsen die Binnennachfrage. Die Löhne in der Privatwirtschaft des Euro-Raums legten 2007 durchschnittlich um 2,4 Prozent zu, aber gleichzeitig stiegen die Preise um 2,1 Prozent. Die Hoffnung auf einen Konsumschub, den viele Experten wegen der besseren Lage auf dem Arbeitsmarkt erwartet hatten, wurde bisher bitter enttäuscht.

In Spanien, Irland und Großbritannien leidet die Wirtschaft zusätzlich darunter, dass dem Immobilienmarkt nach Jahren des Booms die Luft ausgeht. In Italien hat die Industrie wegen kräftiger Lohnzuwächse spürbar an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Frankreich und Belgien stecken tief im Reformstau.

Ankopplung statt Abkopplung. Mit jeder neuen Zahl, die für eine Rezession in den USA spricht, steigt daher das Risiko einer Ansteckung für die Wirtschaft Europas. Noch glauben die meisten Experten, dass die USA nur in eine milde und kurze Rezession rutschen werden. Sicher ist das nicht. „Eine regelrechte Wirtschafts- und Finanzkatastrophe“ befürchtet Nouriel Roubini, Ökonom an der New York University. Rasant sinkende Immobilienpreise in den USA, verschärfte Kreditkonditionen der Banken, steigende Arbeitslosigkeit und explodierende Energiepreise könnten den amerikanischen Konsumenten mächtig zu schaffen machen. Eine tiefe und lang anhaltende Rezession wäre unausweichlich, wenn der private Verbrauch zusammenbrechen sollte, auf den knapp 70 Prozent der US-Wirtschaftsleistung entfällt. Roubini sieht dann einen „Teufelskreis“ in Gang kommen, „bei dem eine tiefe Rezession zu weiteren Verlusten im Finanzsektor führt, die ihrerseits wieder die Rezession verschärfen“.

Für die Länder auf dem alten Kontinent würde das richtig ungemütlich. „Eine Rezession in den USA wird in Europa mindestens eine tiefe Delle, wahrscheinlich sogar eine Stagnation zur Folge haben“, prophezeit Holger Schmieding, Europa-Chefvolkswirt der Bank of America. „Wie ein Lauffeuer“ könnte sich eine Rezession in den USA „über den Warenhandel, die Finanzmärkte und die Unternehmen nach Europa ausbreiten“, fürchtet Elga Bartsch, Euroland-Volkswirtin der Investmentbank Morgan Stanley. Je mehr Handel ein Land mit den USA treibt und je mehr Geld seine Bürger in den USA investieren, desto anfälliger ist es für den Rezessionsvirus made in USA.

Dabei hatte es bis vor wenigen Monaten noch so ausgesehen, als könne die Krise in den USA der Euro-Wirtschaft wenig anhaben. Der Wirtschaftsboom in den Schwellenländern Osteuropas, Asiens und des Nahen Ostens ließ die Auftragsbücher der europäischen Firmen anschwellen. Ökonomen sahen schon ein neues Zeitalter für die Weltwirtschaft heraufziehen, in dem sich der Rest der Welt von dem Wirtschaftsgeschehen in den USA abkoppelt.

Aus der Traum. Immer deutlicher wird, dass die USA trotz des beeindruckenden Wirtschaftsbooms in China nach wie vor die Lokomotive Nummer eins für die Weltwirtschaft sind. Rund 28 Prozent der globalen Güterproduktion entfallen auf die USA, auf China dagegen nur sechs Prozent.

Etwa 14 Prozent der weltweiten Importe gehen in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Im vergangenen Jahr hat der auf Pump finanzierte Konsum der Amerikaner rund 0,4 Prozentpunkte zum weltweiten Wirtschaftswachstum von etwa fünf Prozent beigetragen. „Globalisierung heißt, dass niemand immun gegen eine amerikanische Rezession ist“, schreiben die Ökonomen der Investmentbank Morgan Stanley in einer Studie. Für sie ist 2008 das „Jahr der Ankopplung“.

Wie sich die Rezession überträgt. Die globale Vernetzung der Volkswirtschaften bietet der Rezession gleich mehrere Wege, von einem zum nächsten Kontinent zu springen. Am meisten sind die Finanzmärkte gefährdet, weil Europas Banken in den vergangenen Jahren massiv in US-Wertpapiere investiert haben, die mit Kreditforderungen an Subprime-Kunden unterlegt sind. So haben sie sich die Krise in die eigene Bilanz geholt.

Durchschnittlich 2,0 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts haben die 17 größten Länder der EU in den vergangenen drei Jahren in amerikanische Wertpapiere investiert; das geht aus einer Studie der französischen Investmentbank Natixis hervor. Allein die Briten haben rund 15 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts auf der anderen Seite des Atlantiks angelegt. Überdurchschnittlich hoch fallen auch die finanziellen Engagement Irlands und Schwedens aus, die 9,8 Prozent beziehungsweise 4,7 Prozent ihres BIPs in amerikanische Wertpapiere gesteckt haben. Entsprechend groß ist das Risiko, dass die US-Krise diese Länder nun mit in den Abwärtsstrudel reißt.

Deutschland hat mit einer Quote von 0,3 Prozent des BIPs zwar deutlich weniger Geld in US-Wertpapiere investiert als andere EU-Länder. Doch das hat immerhin gereicht, um die KfW-Tochter Industriekreditbank und den öffentlich-rechtlichen Bankensektor an den Rand des Kollaps zu bringen.

Weil die Finanzkrise das Vertrauen an den Märkten erschüttert hat, haben es die Unternehmen in Europa schwer, an neue Kredite zu kommen — besonders dann, wenn sie nicht zu den Top-Adressen ihrer Branche gehören. Geradezu rasant sind in den vergangenen Wochen die Risikoprämien in die Höhe geschnellt, die Unternehmen mit geringer Bonität bei der Emission von Anleihen zahlen müssen. Ihre Zinskosten liegen derzeit rund zwei Prozentpunkte über den Zinsen für sichere Staatsanleihen. Binnen eines Jahres hat sich der Spread mehr als verdoppelt.

16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.12.2008, 10:04 UhrAnonymer Benutzer: a friend arrr ;)

    cheaper cokkiessss !!! xD

  • 11.12.2008, 10:01 UhrAnonymer Benutzer: t.b.

    also meinetwegen kanns so weiter gehen: aotuos sind billig und rohstoffpreise gehen tunter ...was will man mehr!

  • 11.12.2008, 09:54 UhrAnonymer Benutzer: a friend =)

    wat up dawgs !! dont worry shit happenzz and live goes on =)

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