Konjunktur: Ein Bote namens Stahl

KommentarKonjunktur: Ein Bote namens Stahl

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WirtschaftsWoche-Reporter Andreas Wildhagen

So kann man sich auch ein Liedchen pfeifen im nachtdunklen Wald: Es geht wieder aufwärts mit der Stahlkonjunktur, freuten sich vor einigen Wochen einige Verbandsfunktionäre und lehnten sich damit für alle gut sichtbar aus dem Konjunkturfenster.

Es geht seit drei Monaten tatsächlich wieder bergauf - allerdings aus einem tiefen, tiefen Tal. Und das Hochkraxeln geht so langsam, dass eine Schnecke neidisch werden könnte. Fakt ist: 2009 wird die deutsche Produktion von 41 auf 30 Millionen Tonnen Rohstahl sinken, was noch immer die Hälfte der Stahlproduktion der USA ist – also im Weltmaßstab gar nicht so wenig.

Wenn jetzt überall wieder Hochöfen angeblasen werden, passiert das nicht weil die Konzerne stählerne Morgenluft wittert, sondern weil sich die branchenweite Disziplin, Kapazitäten zurückzufahren, um einen Preisverfall zu verhindern, langsam aufweicht. Jeder Stahlkonzern ist sich nun selbst der nächste und versucht mit dem Anblasen von Hochöfen eigene Marktanteile zu retten. Das kann zu einem weiteren Preisabschwung führen, der für die finanzielle Lage der Stahlkonzerne nichts Gutes verheißt.

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Chinesen könnten Europa überschwemmen

Einen Grund, mehr Stahl zu verbrauchen, hat die übel gelaunte Konjunktur mitnichten. Der Weltstahlverbrauch ist, diese Zahl wurde gerade auf der Welttagung der Stahlproduzenten in Peking genannt, in diesem Jahr um knapp neun Prozent gesunken. Bedrohlich dabei ist, dass die Chinesen aufgrund eines staatlichen Konjunkturprogramms auf Teufel komm raus produzieren: 520 Millionen Tonnen stoßen sie in diesem Jahr aus - die gesamte EU bringt es auf 122 Millionen Tonnen. Es wird erwartet, dass chinesischer Stahl auch die europäischen Märkte überschwemmt.

Die Stahlkunden sind immer noch nicht aus dem Tief heraus. So ist die gescheiterte Fusion zwischen den Druckmaschinenherstellern Manroland und Heidelberger Druck ein Sinnbild für den Maschinenbau. Auch der Schiffbau, siehe Emden und Kiel, macht gerade dicht. Windräder allein, die überall jetzt gebaut werden, können die Stahlkonjunktur nicht retten.

Komisch, mag man denken, der Konsument kauft seine Alltagsprodukte doch weiter fröhlich ein? Der Stahl jedoch, aus dem diese Bestecke, Reißverschlüsse und Espressomaschinen gemacht sind, liegt noch auf Lager.

Wenn der Käufer weiter kauft, Stahlkonjunktur hin oder her, könnte das dünne Liedchen der Stahlkocher im dunklen Wald tatsächlich im nächsten Jahr zu einem zaghaften Chor anschwellen. Bei glücklicher Fügung könnte sich die Stahlkonjunktur 2010 zumindest auf das Niveau von 1992 hieven.

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