Konjunktur: Eurozone droht die Rezession

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Konjunktur: Eurozone droht die Rezession

Das Bild, das der Euro-Zone Economic Outlook entwirft, sieht nicht gut aus: Im Sommerhalbjahr wird die Eurozone in die Rezession abrutschen.

Wirtschaftsforscher sehen die Eurozone mitten in der Rezession. Nachdem das reale Bruttoinlandsprodukt der Eurozone im ersten Quartal 2012 noch stagnierte wird es im zweiten und dritten Quartal voraussichtlich sinken, hieß es im Euro-Zone Economic Outlook, den drei internationale Wirtschaftsforschungsinstitute gemeinsam entworfen haben. Die Industrieproduktion dürfte im zweiten Quartal um 1,0 Prozent gefallen sein und im dritten und vierten Quartal um 0,7 und 0,5 Prozent sinken, erklärten das Münchner ifo-Institut, das französische Insee- und das italienische Istat-Institut am Mittwoch.

Die größten Risiken für die deutsche Wirtschaft

  • Deutschland in der Wirtschaftskrise

    Aus dem Schneider ist Europas größte Volkswirtschaft noch nicht, auch wenn sie mit einem kräftigen Wachstum im ersten Quartal eine Rezession verhindern konnte. Im Gegenteil: Die Risiken ballen sich wie selten zuvor - vor allem von außen droht jede Menge Ungemach.

  • Schuldenkrise

    „Das größte Abwärtsrisiko für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland geht nach wie vor von der Schulden- und Vertrauenskrise im Euroraum aus, die im Kern noch nicht gelöst ist“, warnen führende Institute in ihrem Gutachten für die Bundesregierung. Schon jetzt lastet die Krise auf der exportabhängigen Wirtschaft: Die Ausfuhren in die Euro-Zone schrumpften im März um 3,6 Prozent, weil Krisenländer wie Spanien und Griechenland wegen der Rezession ihre Importe einschränken. Da 40 Prozent der Ausfuhren in die Währungsunion gehen, spürt Deutschland die Schwäche der Nachbarn deutlich.

    Jede Zuspitzung der Schuldenkrise sorgt für Wirbel an den Finanzmärkten. Kann sich ein großes Euro-Land wie Spanien nicht mehr am Kapitalmarkt finanzieren und flüchtet unter die Rettungsschirme EFSF und ESM, würde das einen erneuten Vertrauensverlust auslösen. Unternehmen würden weniger investieren, Verbraucher größere Anschaffungen scheuen. Der Bund ist mit der Beteiligung an den Rettungspaketen enorme Risiken eingegangen. „Im Zuge der Rettungspakete summieren sich die Zusagen auf rund 80 Milliarden Euro“, so die Institute.

    Kann etwa Griechenland das Geld nicht zurückzahlen, belastet das den deutschen Staatshaushalt. Eine Herabstufung durch die Ratingagenturen droht dann, was höhere Zinsen zur Folge hätte. Der Spardruck würde steigen, Hauhaltslöcher müssten mit höheren Steuern und Ausgabenkürzungen gestopft werden. Beides würde die Konjunktur belasten.

  • Inflation

    Seit mehr als einem Jahr hält sich die Teuerungsrate in Deutschland über der Marke von zwei Prozent, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. Manche Experten befürchten, dass die Preise künftig deutlich schneller steigen könnten - um vier bis fünf Prozent. Das würde die Kaufkraft der Verbraucher erheblich einschränken.

    Grund für die Inflationsgefahr: Wegen der guten Konjunktur haben die Arbeitnehmer kräftige Lohnerhöhungen durchgesetzt. Den Unternehmen fällt es angesichts der guten Beschäftigungslage leichter, steigende Lohnkosten an die Verbraucher weiterzureichen - sprich: die Preise für Waren und Dienstleistungen anzuheben. Es droht eine Spirale, bei der sich Löhne und Preise gegenseitig nach oben schaukeln. Bei ersten Anzeichen dafür müsste die EZB ihre Zinsen anheben, um Konsum und Investitionen zu drosseln, was die Nachfrage dämpfen und den Preisauftrieb dämpfen könnte. Aus Rücksicht auf die Wirtschaftskrise in Ländern wie Spanien wird sie ihren Leitzins aber vorerst wohl auf dem Rekordtief von einem Prozent belassen.

    Zusätzliche Gefahren gehen von der Politik der EZB aus, den Finanzhäusern billiges Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung zu stellen. „Noch bleibt die zusätzliche Liquidität erst einmal im Finanzsektor“, sagt Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. „Doch wenn die Kreditvergabe an die Unternehmen erst einmal steigt, kann das sehr schnell in Inflation münden.“

  • Immobilienblase

    Die Preise für deutsche Wohnimmobilien steigen immer schneller. 2011 legten sie mit 5,5 Prozent mehr als doppelt so stark zu wie 2010 mit 2,5 Prozent. „Erstmals seit dem Wiedervereinigungsboom Anfang der neunziger Jahre ist hierzulande somit ein konjunktureller Aufschwung wieder mit einer markanten Preisreaktion auf den Häusermärkten verbunden“, stellt die Bundesbank fest. Niedrige Bauzinsen und die Angst vor Inflation verlocken immer mehr Deutsche dazu, in Immobilien zu investieren. „Wenn das jahrelang so weitergeht mit den extrem niedrigen Zinsen, besteht das Risiko einer Immobilienpreisblase in Deutschland“, warnt der Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft, Joachim Scheide. Die hat es in Spanien gegeben, ihr Platzen hat eine schwere Rezession ausgelöst. „So etwas ist für Deutschland auch nicht ausgeschlossen“, sagt Scheide.

  • China

    China wird nach Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in diesem Jahr zum zweitwichtigsten Kunden der deutschen Exportwirtschaft aufsteigen - nach Frankreich, aber noch vor den USA. Für viele Unternehmen ist die Volksrepublik schon jetzt der wichtigste Absatzmarkt, beispielsweise für die Autobauer Volkswagen, Audi und Porsche. Bekommt China einen Husten, wird auch die deutsche Wirtschaft krank. Erste Warnsignale gibt es bereits: Die chinesischen Importe stagnierten im April. „Das ist Besorgnis erregend“, sagte Ökonom Alistair Thornton von IHS Global Insight in Peking. „Das deutet auf eine echte Schwäche der Binnenwirtschaft hin.“ Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wird einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen zufolge in diesem Jahr um 8,2 Prozent wachsen. Das wäre das kleinste Plus seit einem Jahrzehnt. Die hohen Schulden der Kommunen, eine Immobilienblase und eine anziehende Inflation könnten das Wachstum aber noch kleiner ausfallen lassen.

Das reale Bruttoinlandsprodukt der Eurozone dürfte deshalb im zweiten und dritten Quartal um 0,2 und 0,1 Prozent sinken und sich erst zum Jahresende leicht erholen. Die Experten rechnen mit einem Plus von 0,1 Prozent. Rückenwind sei dann von einer leicht steigenden Nachfrage aus den USA und den Schwellenländern zu erwarten. Mit Blick auf sinkende Investitionen warnten die Forscher, die Kreditvergabe in einigen Euroländern sei sehr restriktiv, da die Banken ihr Eigenkapital erhöhen müssten und der Konjunkturausblick negativ sei. Die globale Nachfrage dürfte im Prognosezeitraum moderat zulegen und die Nettoexporte somit ein wesentlicher Grund für die Erholung sein. Die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte werden dagegen durch die angespannte Arbeitsmarktsituation sowie die anhaltenden fiskalischen Konsolidierungsmaßnahmen belastet.

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Auch Deutschlands Wirtschaft spürt die Krise

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Auch das Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) malt keine farbenfrohen Zukunftsvisionen: Die Krise im Euroraum entfaltet nach Einschätzung des DIW eine größere Bremswirkung auf die Konjunktur in Deutschland als zunächst erwartet. Für 2013 rechnet das Institut nun mit 1,9 Prozent Wirtschaftswachstum und damit mit einen halben Prozentpunkt weniger als noch im April. Für 2012 bleibt es bei der Frühjahrsprognose von einem Prozent. Die schwache konjunkturelle Entwicklung werde in diesem Jahr vorübergehend einen leichten Rückgang der Beschäftigung zur Folge haben, sagte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner am Mittwoch in Berlin. Die Arbeitslosenquote werde 2012 und im nächsten Jahr bei knapp sieben Prozent liegen. „Der Euroraum ist derzeit in massiver Rezession“, sagte Fichtner.

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