
Die Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Gunsten der Krisenländer haben dem Euro zu einer künstlichen Stärke verholfen. Doch während die europäischen Anleihe- und Aktienmärkte bereits das Ende der Euro-Krise sehen, bricht in Europa die Industrieproduktion weg. Nach dem dritten monatlichen Rückgang (minus 0,3 Prozent) in Folge erreichte die Industrieproduktion in der Eurozone im November 2012 das tiefste Niveau seit April 2010. Erwischt hat es vor allem die Peripherieländer mit Portugal (minus 3,4 Prozent) und Spanien (minus 2,5 Prozent) an der Spitze.
Bild: ReutersFrankreich
Das Euro-Schwergewicht Frankreich leidet unter zu geringem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit. Paris wird 2012 ein Defizit von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen und es damit nicht - wie verbindlich von der Regierung zugesagt - schaffen, die Maastrichter Grenze von 3 Prozent einzuhalten, teilte die EU-Kommission in ihrem Herbst-Konjunkturgutachten mit.
Bild: dapdSpanien
Defizitsünder Spanien sollte eigentlich 2014 den Grenzwert wieder einhalten - laut Kommission dürfte dies „bei einer unveränderten Politik“ nicht gelingen. Erwartet werden 6 Prozent Defizit im kommenden Jahr und sogar 6,4 Prozent im Jahr 2014. Madrid bekommt bereits Hilfen der Europartner für das marode Banksystem und ist einer der Kandidaten für ein Programm zur Unterstützung des Gesamtstaates.
Bild: dpaGriechenland
Etwas besser sieht es im krisengeschüttelten Griechenland aus, das ebenfalls 2014 seine Neuverschuldung unter Kontrolle bringen muss. Erwartet werden für das übernächste Jahr 4,6 Prozent Defizit. Die Europartner debattieren, Athen mehr Zeit zum Sparen zu geben - einen Beschluss dazu gibt es aber noch nicht.
Bild: dpaZypern
Für Zypern - auch ein Anwärter für ein Hilfsprogramm - werden im übernächsten Jahr 6 Prozent Defizit erwartet.
Bild: dpaDeutschland
Bestens steht hingegen Deutschland da: Im übernächsten Jahr soll es ein Budget ohne neue Schulden geben. Doch die Rolle als Wachstumslokomotive kann die Bundesrepublik nach Meinung der Brüsseler Experten so schnell nicht wieder übernehmen. Für dieses Jahr erwarten die Fachleute ein Wachstum von mageren 0,8 Prozent, für 2013 noch einmal so viel. Das ist fast ein Prozentpunkt weniger als noch in der Frühjahrsprognose genannt. Ein Rückgang zu solidem Wachstum von zwei Prozent wird erst für 2014 erwartet.
Bild: REUTERSDie Zone der Euroländer
Die Eurozone muss auf einen Konjunkturaufschwung bis zum übernächsten Jahr warten. Im laufenden Jahr soll die Wirtschaft um 0,4 Prozent schrumpfen, für das nächste Jahr wird in Brüssel eine de-facto-Stagnation von plus 0,1 Prozent angenommen. Für 2014 sieht die EU-Behörde 1,4 Prozent Wachstum vorher. EU-Währungskommissar Olli Rehn sagte, die Lage an den Finanzmärkten habe sich zwar entspannt. Aber es gebe keinen Anlass zur Selbstzufriedenheit.
Frankreich
Das Euro-Schwergewicht Frankreich leidet unter zu geringem Wachstum und hoher Arbeitslosigkeit. Paris wird 2012 ein Defizit von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen und es damit nicht - wie verbindlich von der Regierung zugesagt - schaffen, die Maastrichter Grenze von 3 Prozent einzuhalten, teilte die EU-Kommission in ihrem Herbst-Konjunkturgutachten mit.
In der Peripherie mehren sich die Anzeichen, dass sich Arbeitslosigkeit und Armut strukturell verfestigen. Hier zeigt sich die Ohnmacht der EZB am deutlichsten. Hoffnungen auf eine Stabilisierung der europäischen Wirtschaft im ersten Quartal 2013 werden immer schwächer, weil nun auch der deutschen Wirtschaft wegen des stärkeren Euros und der geringeren Nachfrage aus Südeuropa die Luft auszugehen droht. Für das vierte Quartal 2012 rechnet das Statistische Bundesamt bereits mit einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Gleichzeit laufen die Schulden der EU-Krisenländer weiter aus dem Ruder.
Größter Problemfall ist Spanien. Obwohl die spanischen Kreditkosten den tiefsten Stand seit zehn Monaten erreicht haben, dürfte das Haushaltsdefizit 2012 zum vierten Mal in Folge neun Prozent überschritten haben. Versprochen hatte der spanische Premierminister Mariano Rajoy ursprünglich eine Finanzierungslücke von maximal 6,3 Prozent. Möglich gemacht hat das die EZB mit ihren Euro-Rettungsprogrammen LTRO und OMT und billigem Geld. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass 2013 die Schuldenquote Spaniens 97 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen wird. Von Schuldenabbau also keine Spur. Steigende Verschuldung und fallende Industrieproduktion sind für die europäischen Anleihen- und Aktienmärkte und letztlich für den Euro eine gefährliche Mischung.















