Konjunktur: EZB auf Kollisionskurs mit der deutschen Wirtschaft

16. Januar 2013
Während die Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) dem Euro zu künstlicher Stärke verholfen haben, muss die deutsche Wirtschaft der Schuldenkrise in Europa Tribut zollen. 2013 könnte es ein Minuswachstum geben. Quelle: dpaBild vergrößern
Während die Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) dem Euro zu künstlicher Stärke verholfen haben, muss die deutsche Wirtschaft der Schuldenkrise in Europa Tribut zollen. 2013 könnte es ein Minuswachstum geben. Quelle: dpa
von Frank Doll

Die deutsche Wirtschaft beginnt unter der Erholung des Euro zu leiden. 2013 könnte es bereits ein Minuswachstum geben.

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Die Interventionen der Europäischen Zentralbank (EZB) zu Gunsten der Krisenländer haben dem Euro zu einer künstlichen Stärke verholfen. Doch während die europäischen Anleihe- und Aktienmärkte bereits das Ende der Euro-Krise sehen, bricht in Europa die Industrieproduktion weg. Nach dem dritten monatlichen Rückgang (minus 0,3 Prozent) in Folge erreichte die Industrieproduktion in der Eurozone im November 2012 das tiefste Niveau seit April 2010. Erwischt hat es vor allem die  Peripherieländer mit Portugal (minus 3,4 Prozent) und Spanien (minus 2,5 Prozent) an der Spitze.

In der Peripherie mehren sich die Anzeichen, dass sich Arbeitslosigkeit und Armut strukturell verfestigen. Hier zeigt sich die Ohnmacht der EZB am deutlichsten. Hoffnungen auf eine Stabilisierung der europäischen Wirtschaft im ersten Quartal 2013 werden immer schwächer, weil nun auch der deutschen Wirtschaft wegen des stärkeren Euros  und der geringeren Nachfrage aus Südeuropa die Luft auszugehen droht. Für das vierte Quartal 2012 rechnet das Statistische Bundesamt bereits mit einem Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Gleichzeit laufen die Schulden der EU-Krisenländer weiter aus dem Ruder.

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Größter  Problemfall ist Spanien. Obwohl die spanischen Kreditkosten den tiefsten Stand seit zehn Monaten erreicht haben, dürfte das Haushaltsdefizit 2012 zum vierten Mal in Folge neun Prozent überschritten haben. Versprochen hatte der spanische Premierminister Mariano Rajoy ursprünglich eine Finanzierungslücke von maximal 6,3 Prozent. Möglich gemacht hat das die EZB mit ihren Euro-Rettungsprogrammen LTRO und OMT und billigem Geld. Der Internationale Währungsfonds (IWF) schätzt, dass 2013 die Schuldenquote Spaniens 97 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen wird. Von Schuldenabbau also keine Spur. Steigende Verschuldung und fallende Industrieproduktion sind für die europäischen Anleihen- und Aktienmärkte und letztlich für den Euro eine gefährliche Mischung.

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Kommentare | 2Alle Kommentare
  • 19.01.2013, 14:23 UhrMoshe

    Ja, aber Herr Nowotny von der EZB und Herr Rösler (FDP) meinten doch kürzlich dass es bei einem "starken" Euro bleiben soll. No problem, so diese cleveren Leute, und Herr Rösler sogar: Deutschland würde wohl nie einen "schwachen" Euro tolerieren! Diese Art Macho-Talk gefällt vielleicht den Bullen bei Forex London und der Deutschen Bank ua. Ist es möglich das solche Äusserungen irgendein 'Freundschaftsinteresse' fördern möchten. Ansonsten müsste man schliesslich solche Äusserungen als 'unheilige Ignoranz' bezeichnen.

  • 16.01.2013, 13:04 UhrPequod

    So kann nach diesem Artikel die Erklärung der Ratingagen-
    tur Fitch, die die Euro-Krise für beendet erklärt, im
    wahrsten Sinne des Wortes nur dahin interpretiert werden,
    daß die ''EU'' als solche mit ihrem Eurosionssystem pleite
    ist, zumal die EZB, als Hauptverursacher der Insolven-
    verschleppungen mit ELA, LTRO, OMT keine Revision zuläßt
    und damit der Verdacht naheliegt, daß das ''Gesunddrucken'' fehlgeschlagen ist!

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