Konjunktur: EZB senkt nochmals den Leitzins

Konjunktur: EZB senkt nochmals den Leitzins

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Euro-Skulptur vor der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf das Rekordteif von einem Prozent gesenkt.

Ökonomen hatten mit dieser Entscheidung des EZB-Rats gerechnet. Den sogenannten Spitzenrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken über Nacht Geld bei der Zentralbank borgen können, senkte die Notenbank um einen halben Prozentpunkt auf 1,75 Prozent. Den Satz für die Übernachteinlage von Geld bei der EZB beließ sie erwartungsgemäß bei 0,25 Prozent. Er steht dort seit Anfang April.

Normalerweise liegen die beiden Zinssätze mit einem Abstand von einem Prozentpunkt über beziehungsweise unter dem Leitzins. Die EZB hatte im vergangenen Jahr schon einmal diesem Zinskorridor verengt um den Geldmarkt zu stützen, dies dann aber wieder rückgängig gemacht. Seit geraumer Zeit ist der Einlagesatz faktisch zum Gradmesser für den Geldmarkt zwischen den Banken geworden.

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EZB-Präsident Jean-Claude Trichet schloss weitere Absenkung des Leitzinses nicht aus. Zwar halte der Rat der EZB das aktuelle Niveau für angemessen, sagte Trichet. Aber er betonte: „Wir haben nicht beschlossen, dass dies der niedrigste Stand ist, den wir niemals unterschreiten könnten.“

Ob es weitere Zinsschritte geben werde, hänge von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Hier sieht die Notenbank laut Trichet „erste zaghafte Anzeichen einer Stabilisierung“. Mit einer wirklichen Erholung der kriselnden Konjunktur im Euro-Raum rechnet die EZB aber nach wie vor erst 2010.

Zusätzliche Maßnahmen gegen die Kreditklemme

Im Kampf gegen die Krise wollen die Zentralbanker mit allen Mitteln eine drohende Kreditklemme in der Euro-Zone verhindern und weiten ihre Unterstützung für die Banken massiv aus. Sie kündigten eine ganze Reihe außergewöhnlicher Maßnahmen an, um den Kreditfluss zu erhalten.

So will die EZB auf Euro lautenden Covered Bonds (Pfandbriefen) ankaufen. Dabei handelt es sich offenbar um eine Art Vorratsbeschluss - der EZB-Rat habe „im Prinzip“ entschieden, sagte Trichet. Details sollen im Juni bekannt gegeben werden. Das Volumen der Käufe könne etwa 60 Milliarden Euro betragen. Außerdem verlängert die Zentralbank die Laufzeiten ihrer Refinanzierungsoperationen mit dem Geschäftsbanken auf zwölf Monate. Bislang können sie sich für maximal ein halbes Jahr Geld bei der EZB borgen.

Darüber hinaus bekommt die Europäische Investitionsbank (EIB) ab Juli Zugang zur Liquidität der Zentralbank. Diese Maßnahmen sollen zusammen dafür sorgen, dass Banken, die seit Monaten unter der Finanzkrise ächzen, auch weiterhin Kredite für Firmen und Haushalte zur Verfügung stellen. Außerdem erhalten über den Ankauf von covered bonds auch viele Firmen direkt Unterstützung. Jüngste Daten zur Kreditvergabe in Europa hatten die Währungshüter offenbar ebenso aufgeschreckt wie die Öffentlichkeit.

Trichet äußerte sich zwar besorgt über die Kreditvergabe der Banken, gleichzeitig aber vorsichtig optimistisch zur weiteren Wirtschaftsentwicklung. Zwar sei das erste Quartal „weniger schmeichelhaft als erwartet“ ausgefallen und die Konjunktur in den nächsten Monaten weiter sehr schwach bleiben. Allerdings sei im kommenden Jahr mit einer Erholung vor allem der Nachfrage zu rechnen, sagte Trichet.

Vor der EZB hatte die britische Notenbank ihren Leitzins bei 0,5 Prozent belassen, ihre laufenden Ankaufprogramme für Anleihen aber auf vorerst 125 Milliarden Pfund ausgeweitet, um auf diese Weise zusätzliches Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Ähnliche Programme führen bereits die US-Notenbank Fed, die Bank von Japan und die Schweizer Nationalbank durch. Die EZB hatte sich wegen ihres vergleichweise defensiven Kurses in der Vergangenheit immer wieder gegen Kritik verteidigen müssen.

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