Konjunktur: Fast 900.000 Anträge für Abwrackprämie

Konjunktur: Fast 900.000 Anträge für Abwrackprämie

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Die Deutschen sind im Verschrottungswahn.

Es ist schon fast eine Hysterie: Innerhalb von nur zwei Tagen haben mehr als 400.000 weitere Autokäufer über das neue Online-Verfahren die Abwrackprämie beantragt. Der Fördertopf der Regierung ist aufgebraucht, soll aber aufgestockt werden.

Es sind nur drei Sätze, doch sie haben bereits Tausende Autokäufer zur Weißglut getrieben: „Willkommen auf dem Antragsportal für die Umweltprämie! Leider konnte Ihre Anfrage zum jetzigen Zeitpunkt nicht bearbeitet werden. Bitte versuchen Sie es in ca. drei Minuten erneut.“

Das Interesse an der Abwrackprämie für Altautos ist so gewaltig, dass die am Montag neu eingerichtete Internetseite immer noch nicht reibungslos funktioniert. Viele beklagen eine mangelnde technische Vorbereitung des zuständigen Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa).

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Wer einen Blick auf die aktuellen Antragszahlen wirft, entwickelt aber Verständnis. Die Nachfrage nach der Abwrackprämie ist mit Einführung des Onlineportals geradezu explodiert. Seit Montag seien über 431.000 Anträge per Online-Formular worden, erklärte ein Bafa-Sprecher.

Behörde nimmt weiterhin Anträge entgegen

Zusammen mit den rund 440.000 Anträgen, die in den vergangenen Wochen per Post bei der Bundesbehörde eingegangen waren, liegen nun über 870.000 Anträge und Reservierungen für die Prämie von 2500 Euro vor.

Die Nachfrage nach der Abwrackprämie übersteigt damit das bisher von der Bundesregierung vorgesehene Budget bei weitem. Bisher stehen 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung, das reicht nur für 600.000 Fahrzeuge. Die Bundesregierung versprach allerdings den Topf aufzustocken, voraussichtlich zu den gleichen Bedingungen wie bisher.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm hatte am Montag erklärt: „Es gibt die politische Verständigung an der Spitze der Bundesregierung, dass die Mittelausstattung so erhöht werden soll, dass sie zu den Bedingungen, zu denen sie jetzt gezahlt wird, bis zum Jahresende reicht.“ Es gebe keine Hinweise darauf, „dass es zu Änderungen in den Modalitäten kommt“.

Die Bafa regte an, weiterhin Anträge zu stellen. Man gehe davon aus, dass die Aufstockung der Prämie zeitnah rechtlich umgesetzt werde, sagte der Bafa-Sprecher gegenüber wiwo.de. Er räumte aber ein, dass für die Autokäufer ein Restrisiko bestehen bleibe. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe forderte die Bundesregierung auf, das Versprechen zügig amtlich zu besiegeln. Der Markt brauche „Ruhe und Sicherheit“.

Experten warnen vor unsinniger Verschrottung

Neben dem Computerchaos hat es bei den Internet-Anträgen zur Abwrackprämie auch eine Datenschutzpanne gegeben. Zahlreiche Antragsdaten wurden von den Computern des Bundesamtes in Eschborn versehentlich per E-Mail an andere Antragsteller gesendet, berichteten mehrere Online-Medien gestern unter Berufung auf Leserangaben. Wohnadresse, Fahrzeugtyp des Neuwagens oder auch die Schadstoffklasse seien damit völlig fremden Personen zugänglich geworden.

Unterdessen warnte die Entsorgungsbranche die Bürger, übereilt alte Autos zu verschrotten. Nur um noch die 2500 Euro zu bekommen, würden Fahrzeuge inzwischen „blind“ in die Verschrottung gegeben, „obwohl damit sicherlich noch gute Erlöse erzielt werden können“, sagte der Geschäftsführer der Bundesvereinigung deutscher Stahlrecycling und Entsorgungsunternehmen (BDSV), Ulrich Leuning, der „Saarbrücker Zeitung“. Bei zahleichen Autofahrern sei offenbar „Panik ausgebrochen“. Auch der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse), dem ebenfalls zahlreiche Verschrottungsbetriebe angeschlossen sind, warnte vor Hysterie.

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