Konjunktur: Geht der weltweite Abschwung an Deutschland vorbei?

Konjunktur: Geht der weltweite Abschwung an Deutschland vorbei?

Glückliches Deutschland: Trotz weltweiter Rezessionsängste bleibt der deutsche Arbeitsmarkt stark. Im Juni fiel die Zahl der Arbeitslosen erneut um 123.000 auf 3,16 Millionen. wiwo.de fragte den Wirtschaftswissenschaftler Gustav Horn, ob der weltweite Abschwung an Deutschland vorbeigeht.

Gustav Horn: "Nein, der weltweite Abschwung geht auch an Deutschland nicht vorbei. Wir sehen derzeit in Deutschland nur eine etwas stärkere Aufwärtsentwicklung als in anderen Ländern. Aber alle anderen Indikatoren zeigen nach unten, sodass wir auch in Deutschland eine deutliche Abschwächung der Konjunktur sehen werden.

Die Arbeitsmarktzahlen sind immer ein Blick zurück. Sie repräsentieren, was vor einiger Zeit der Fall war. Vor allem im ersten Quartal dieses Jahres hatten wir noch gute Wachstumsraten. Das sagt aber nichts darüber aus, wie der Aufschwung weitergeht. Und da habe ich Befürchtungen.

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Professor Gustav Horn ist Leiter des Institutes für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der staatsunabhängigen, gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Mehrere Faktoren werden der deutschen Wirtschaft zu schaffen machen. Die Euroaufwertung belastet die Konjunktur sehr stark, die Inflation ebenfalls. Zum dritten verschlechtert die Finanzmarktkrise die Investitionsbedingungen in Deutschland.

Das alles zusammen macht einen Abschwung wahrscheinlich. Und das ist eine Entwicklung, die die jetzt schon einsetzt. Wir werden schon in diesem Quartal negative Wachstumsraten sehen, aber das sind noch Sondereffekte, weil das erste Quartal sehr stark war.

Im nächsten Quartal wird die Konjunktur bereits deutlich schlechter. Wir rechnen in diesem Jahr noch  mit einem BIP-Wachstum von 1,8 Prozent im Jahresschnitt. Im nächsten Jahr sind es dann nur mehr 0,9 Prozent.

Eine Leitzinserhöhung [wie sie die Europäische Zentralbank möglicherweise am Donnerstag beschließt, Anm. der Redaktion] wäre der falsche Weg. Denn die Inflation hat ihren Ursprung nicht in der Eurozone, sondern in den hohen Rohstoff- und Nahrungsmittelpreisen. Die einzigen, die mit einer Leitzinserhöhung getroffen werden, sind die europäische Mittelständler. Die größeren Unternehmen haben noch so viel Geld auf der Kante, dass sie damit noch eine Zeitlang durchkommen."

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