Konjunktur: Große Sorgen um den Absturz der Weltwirtschaft

Konjunktur: Große Sorgen um den Absturz der Weltwirtschaft

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Mächtig unter Druck. Kanzlerin Merkel (links) soll den Euro retten. Hier trifft sie dem Italienischen Premierminister Mario Monti

von Malte Fischer und Silke Wettach

Die Euro-Krise bedroht zunehmend die globale Konjunktur. Die Notenbanken drucken daher noch mehr Geld – mit gefährlichen Folgen.

Eigentlich ist Mervyn King ein kühl kalkulierender Ökonom. Doch Ende vorvergangener Woche, kurz vor der Wahl in Griechenland, gingen die Emotionen mit dem Chef der britischen Notenbank durch. In einer Rede vor den Bankern der Londoner City geißelte King die Untätigkeit der Regierungen auf dem europäischen Kontinent in der Euro-Krise und malte ein apokalyptisches Bild an die Wand. „Wegen der Krise hängt diese große schwarze Wolke der Unsicherheit über uns, und zwar nicht nur über der Währungsunion, sondern auch über unserer Wirtschaft, ja über der gesamten Weltwirtschaft“, echauffierte sich King.

Die schwarze Wolke, die Englands oberster Währungshüter über sich wähnte, hat sich auch nach der Griechenland-Wahl nicht verzogen. Mitte vergangener Woche entspannte sich die Lage auf den Aktien- und Anleihemärkten zwar, nachdem sich die Parteien in Griechenland auf die Bildung einer durch die Konservativen geführten Koalition geeinigt hatten.

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Doch die Akteure an den Finanzmärkten bleiben skeptisch, zumal die neue griechische Regierung nun zwei Jahre mehr Zeit verlangt, um ihr Defizit auf unter drei Prozent zu drücken. Das würde die Hilfen für Athen um 16 bis 20 Milliarden Euro verteuern. „Der Sieg der Pro-Euro-Parteien in Griechenland ändert nichts an den grundsätzlichen Problemen der Euro-Zone“, heißt es in einem Marktkommentar der britischen Bank HSBC. Ähnlich sehen es die Ökonomen der Deutschen Bank. Griechenland könnte noch dieses Jahr den Euro verlassen, sagt Georg Schuh, Chef-Anlagestratege der Vermögensverwaltungssparte DB Advisors. „Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario“, so Schuh.

Großer Druck

Spekulation um einen Griechen-Austritt, die Bankenkrise in Spanien, Hilfspakete für Zypern und demnächst möglicherweise auch für Italien – die Euro-Zone kommt aus den Negativschlagzeilen nicht heraus. Für die Weltwirtschaft ist der alte Kontinent längst zum Risiko Nummer eins geworden. Sollte die Euro-Gemeinschaft zerbrechen, so fürchten Ökonomen, könnte der Schock für das globale Wirtschaftsgefüge heftiger ausfallen als bei der Lehman-Pleite 2008.

Diagramm: Europa im Abwärtsstrudel Quelle: EU-Kommission

Diagramm: Europa im Abwärtsstrudel (zum Vergrößern bitte klicken)

Bild: EU-Kommission

Entsprechend groß ist der Druck auf die Europäer, den Schwelbrand zu löschen, bevor er sich zu einem globalen Flächenbrand ausweitet. Die Mahnungen gelten vor allem Deutschland. Immer heftiger bedrängen Regierungschefs, Banker und Währungshüter Bundeskanzlerin Angela Merkel, ihren Widerstand gegen die Vergemeinschaftung von Schulden aufzugeben. Deutschland, so der Tenor, müsse einer Banken- und Fiskalunion, Euro-Bonds oder wenigstens einem Schuldentilgungsfonds zustimmen. Erst wenn das größte Land Europas sein Portemonnaie öffne und für die Schulden der anderen Länder geradestehe, werde die Krise abebben.

Doch die Bundeskanzlerin zeigt sich bisher standhaft. Sie weiß, dass die Mehrheit der Bundesbürger nicht bereit ist, für die Schulden verantwortungsloser Regierungen anderer Länder zu haften. Zumal der Bonitätstransfer diese Länder dazu verleiten wird, noch mehr Schulden anzuhäufen. Weil von der Politik daher keine schnellen Lösungen zu erwarten sind, wächst der Druck auf die Zentralbanken, den Absturz der Weltwirtschaft mit der Notenpresse zu verhindern.

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