Konjunktur: Im toten Punkt der Konjunkturkurve

Konjunktur: Im toten Punkt der Konjunkturkurve

von Mark Fehr

Die Krise kommt beim Verbraucher an, während der Export trotz neuer Dynamik noch unter Normalniveau liegt. Die Hoffnung ruht jetzt auf den Weltmärkten.

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Container-Terminal im Hafen von Duisburg

Das Tempo der konjunkturellen Erholung lässt nach. Wie das Statistische Bundesamt heute meldete, war in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres im Vergleich zum Vorquartal kein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu verzeichnen.

Im Schlussquartal 2009 hat die deutsche Wirtschaft also lediglich dieselbe Leistung erzielt, wie im dritten Vierteljahr. Der Grund: Der Konsument, zuvor noch tapfere Stütze in der Krise, fällt jetzt als Rettungsanker aus. Der Arbeitsmarkt, als konjunktureller Spätindikator lange in erstaunlich robuster Verfassung, wird die Rezessionsfolgen bald zu spüren bekommen.

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Egal, ob der Stellenkahlschlag früher oder später, stärker oder schwächer ausfällt: Allein schon aus Angst vor einem möglichen Jobverlust treten nun bereits Haushalte vorsorglich auf die Konsumbremse, deren Hauptverdiener ihren Arbeitsplatz noch gar nicht verloren haben.

Ängstliche Konsumenten

Die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat den deutschen Verbraucher daher auch schon als Wachstumsmotor abgemeldet – Jobangst frisst Kauflust. Die GfK prognostiziert für 2010 eine Stagnation beim Konsum der privaten Haushalte – immerhin sei aber auch kein Einbruch zu erwarten.

Die Konjunktur befindet sich momentan also an einem toten Punkt: Die Verbraucher sind die längste Zeit rezessionsresistent gewesen. Und jetzt, wo es sie erstmals so richtig erwischt, hat der schon früh von der Krise getroffene Export trotzt deutlicher Erholung noch nicht seine gewohnte Schlagkraft zurück.

In dieser Situation ruht die Hoffnung darauf, dass die Ausfuhrwirtschaft schneller in Fahrt kommt. Diese Erwartung ist nicht ganz unberechtigt, obwohl mittlerweile offiziell ist, dass der Ex-Exportchampion Deutschland seinen ersten Platz in der Rangliste der größten Lieferländer an die Volksrepublik China verloren hat.

Hoffnung auf den Export als Konjunkturmotor

Trotzdem lief es im Dezember 2010 mit einem Plus von drei Prozent gegenüber dem Vormonat positiv für die deutsche Exportindustrie. Mit Gesamtausfuhren von 1.121,3 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr liegt die kleine Bundesrepublik alles andere als unendlich weit hinter dem chinesischen Riesenreich, das 2010 Waren für 1.201,7 Milliarden Dollar lieferte.

Bankenvolkswirte bescheinigen dem Export daher eine tragende Rolle für die deutsche Konjunktur. „Der Trend im Außenhandel zeigt weiter klar nach oben“, heißt es etwa bei der Commerzbank. Der Außenhandelsverband BGA rechnet für 2010 wieder mit einem Umsatzplus von bis zu zehn Prozent. Allerdings werde es mindestens zwei Jahre dauern, bis das Niveau vor dem schweren Einbruch wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder erreicht sei.

Auch die Bundesregierung geht davon aus, dass der Export als Konjunkturstütze einspringt. Rainer Brüderles (FDP) Wirtschaftsministerium prognostiziert für dieses Jahr ein BIP-Wachstum von nur 1,4 Prozent, während die Ausfuhren um mehr als fünf Prozent zulegen dürften.

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