Konjunktur: Keynes lässt grüßen – aus Washington!

Konjunktur: Keynes lässt grüßen – aus Washington!

Mit einem staatlichen Konjunkturprogramm und niedrigeren Zinsen wollen Politiker und Notenbanker die US-Wirtschaft wieder flottmachen – ein fragwürdiges Vorhaben.

Wer gedacht hatte, die Zeiten keynesianischer Wirtschaftspolitik seien längst vorbei, wird in diesen Tagen eines Besseren belehrt. Und das ausgerechnet von den USA, dem Land, das sich als Hort marktwirtschaftlicher Prinzipien und staatskritischen Denkens versteht. Weil die größte Volkswirtschaft der Welt ausgerechnet im Jahr der Präsidentschaftswahlen in eine Rezession zu stürzen droht, haben die Politiker in Washington alle Bedenken gegen staatliche Hilfen und höhere Defizite über Bord geworfen. In der vergangenen Woche verabschiedete das US-Abgeordnetenhaus ein Konjunkturprogramm über 146 Milliarden Dollar, das neben einmaligen Steuererstattungen an die Bürger zwischen 300 und 1200 Dollar auch verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten für die Unternehmen vorsieht. Die Regierung hofft, dadurch Konsum und Investitionen anzukurbeln. Mitte vergangener Woche sprang dann auch noch die US-Notenbank Fed in die Bresche und senkte den Leitzins um 50 Basispunkte auf nunmehr 3,0 Prozent, nachdem sie ihn bereits in der Vorwoche um 75 Basispunkte verringert hatte. Ob der superkeynesianische Mix aus expansiver Finanz- und Geldpolitik der US-Wirtschaft tatsächlich wieder auf die Beine hilft, ist jedoch fraglich. Denn die Bürger dürften die Steuerschecks in erster Linie dazu nutzen, ihre Ersparnisse aufzustocken und ihre Schulden zu tilgen, statt mit dem Geld auf Shoppingtour zu gehen. In Zeiten, in denen sinkende Häuserpreise und Aktienkurse ihr Vermögen dahinschmelzen lassen wie Schnee in der Sonne, ist jeder Dollar willkommen, um das Vermögen wieder aufzupäppeln. Mehr Erfolg in puncto Konjunkturstimulierung könnten die Notenbanker mit ihren Zinssenkungen haben. Allerdings laufen sie Gefahr, dadurch noch mehr Liquidität in die Wirtschaft zu pumpen und so die Basis für neue Spekulationsblasen sowie höhere Inflationsraten zu legen. Die Amerikaner haben in den vergangenen Jahren weit über ihre Verhältnisse gelebt, indem sie ihre Sparquote Richtung null Prozent zurückgefahren und auf Pump eingekauft haben. Diese Exzesse müssen jetzt korrigiert werden. Steuerschecks und niedrigere Zinsen sind da wenig hilfreich. Sie zögern die notwendige Anpassung nur hinaus, anstatt sie zu beschleunigen.

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