KommentarKonjunktur: Kollektiver Staatsbankrott droht

19. Oktober 2011
WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWocheBild vergrößern
WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche
von Malte Fischer

Mitten in den Streit um die Schuldenkrise in der Euro-Zone platzt das Herbstgutachten der führenden deutschen Forschungsinstitute. Sie warnen vor einer Euro-Schuldenspirale.

Selten war das Timing für ein Konjunkturgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute so gut wie dieses Mal. Mitten in der Diskussion um einen möglichen Schuldenschnitt Griechenlands und Maßnahmen zur Rekapitalisierung der Banken haben die Wissenschaftler in der vergangenen Woche ihr aktuelles Herbstgutachten veröffentlicht. Dass sie darin für 2012 einen Einbruch der Zuwachsrate des Bruttoinlandsprodukts von 2,9 auf 0,8 Prozent prognostizieren, erscheint angesichts der dramatischen Entwicklung der Euro-Krise fast wie eine Randnotiz.

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Frühindikatoren auf Talfahrt

Doch die schwächelnde Konjunktur könnte die Krise verschärfen. Zwar gehen die Institute in ihrem Basisszenario davon aus, dass der deutschen Wirtschaft in den nächsten Quartalen eine ausgewachsene Rezession erspart bleibt. Allerdings ist das nicht mehr als ein vager Hoffnungswert. Wichtige Frühindikatoren befinden sich auf Talfahrt. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Die Institute fürchten daher, dass „aufgrund der schwierigen Lage einiger wichtiger Handelspartner der Außenhandel nicht mehr zur Expansion beitragen wird“.

Stottert der Konjunkturmotor, schwächt das die finanzielle Leistungskraft Deutschlands und damit unsere Fähigkeit, den Euro-Krisenländern unter die Arme zu greifen. Nicht umsonst warnen die Institute, dass sich die soliden Länder an den immer größer werdenden Haftungssummen verheben könnten. Die Garantiestaaten, so schreiben sie, wären dann „nicht mehr in der Lage, den Problemländern zu helfen“. Mit anderen Worten: Der Währungsunion droht der kollektive Staatsbankrott.

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