Konjunktur: Kritik an Exportüberschüssen ist verfehlt

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KommentarKonjunktur: Kritik an Exportüberschüssen ist verfehlt

von Malte Fischer

Deutschland steht aufgrund seiner Exportpolitik in der Kritik. Die EU fordert Berlin zum Handeln auf. Höhere Löhne müssten her. Die aber würden auch die Krisenländer im Süden negativ treffen.

Deutschlands Unternehmen sind erfolgreich – und für manche offenbar zu erfolgreich. Anders lässt sich das Germany-Bashing kaum erklären, das wegen der anhaltend hohen deutschen Exportüberschüsse eingesetzt hat. Das US-Finanzministerium wirft Deutschland vor, seine schwache Binnennachfrage und hohe „Exportabhängigkeit“ behinderten den Abbau der Ungleichgewichte in der Euro-Zone. Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman geißelt die „unangemessen hohen Exportüberschüsse“, weil sie „das Wachstum und die Beschäftigung der gesamten Welt bremsen“. Die EU-Kommission erwägt, gegen die Bundesrepublik ein sanktionsbewehrtes Verfahren wegen „makroökonomischer Ungleichgewichte“ einzuleiten, und der Internationale Währungsfonds fordert die Bundesregierung auf, sie solle verbindliche Obergrenzen für den Leistungsbilanzüberschuss festlegen. Als Rezept empfehlen die Mahner deutliche Lohnsteigerungen. Diese sollen die Inlandsnachfrage und die Importe Deutschlands ankurbeln.

Wie berechtigt ist die Kritik an unseren Überschüssen? Tatsache ist, dass kaum ein Land so hohe Positivsalden in seiner Leistungsbilanz ansammelt wie Deutschland. Zur Leistungsbilanz zählen die Handelsbilanz, die Dienstleistungsbilanz, die Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie die Bilanz der Transferzahlungen. In diesem Jahr dürfte sich der Saldo auf knapp 200 Milliarden Euro belaufen, das entspricht mehr als sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

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Prüfung angesetzt EU-Kommission untersucht Deutschlands Exportstärke

Die EU-Kommission nimmt Deutschland wegen des massiven Exportüberschusses genauer unter die Lupe. Die Auswirkungen auf Europa sollen untersucht werden. Das Wirtschaftsministerium bleibt gelassen.

Container-Terminal Quelle: dpa

Historisch gesehen sind hohe Exportüberschüsse nicht ungewöhnlich für Deutschland. Im System fester Wechselkurse nach dem Zweiten Weltkrieg war die D-Mark lange Zeit unterbewertet. Das erleichterte es den Unternehmen, Märkte im Ausland zu erobern. Die hohen Gewinne lockten Unternehmen, Arbeitskräfte und Investitionen in den Exportsektor. So entstanden Abhängigkeiten, die sich auch fortsetzten, als das Festkurssystem Anfang der Siebzigerjahre zusammenbrach und die D-Mark kräftig aufwertete. Heute befindet sich Deutschland als Mitglied der Währungsunion wieder in einem Festkurssystem. Gemessen an der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands, ist der Wechselkurs des Euro zu niedrig. Das verleiht den deutschen Exporteuren Rückenwind.

Dennoch ist die Kritik an den Exportüberschüssen verfehlt.

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