ThemaKonjunktur

alles zum Thema
_

Konjunktur: Nach dem Superjahr droht nun der Einbruch

von Malte Fischer und Tim Rahmann

Um 3,0 Prozent wuchs die Wirtschaft im vergangenen Jahr. Doch nun geht es abwärts. Folgt eine Wachstumsdelle – oder gar der Absturz in die Rezession?

Sie hat die deutsche Wirtschaft überrascht

Der damalige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle präsentierte im Januar 2011 den Jahreswirtschaftsbericht. Darin schrieb sein Ministerium, der Aufschwung werde 2,3 Prozent ausmachen. Der FDP-Politiker sprühte vor Optimismus. Die Daten seien einfach nur „sensationell“: „Unser Land nimmt Kurs auf Vollbeschäftigung“. Zumindest in diesem Punkt lag er richtig, obwohl es sogar noch besser lief als er meinte.

Quelle: Reuters

Steigende Konsumausgaben, höhere Investitionen und brummende Exporte haben der deutschen Wirtschaft 2011 das zweite Boomjahr in Folge beschert. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs um 3,0 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt heute mit. 2010 hatte es ein Plus von 3,7 Prozent gegeben.

Anzeige

Doch die fetten Jahre sind vorbei. Daran gibt es längt keinen Zweifel mehr. Zwar sind die Auftragsbücher der deutsche Autohersteller und Maschinenbauer noch voll. Doch Schuldenkrise, nervöse Finanzmärkte und stotternde Weltkonjunktur gehen am deutschen Wirtschaftswunder nicht spürbar vorbei. So wundert es nicht, dass die deutsche Wirtschaft im vierten Quartal 2011 erstmals seit der Finanzkrise wieder geschrumpft ist. Das Bruttoinlandsprodukt ist laut dem Statistischen Bundesamt von Oktober bis Dezember um etwa 0,25 Prozent zum Vorquartal zurückgegangen.

Weltkonjunktur verliert rasant an Fahrt

„Mit Verspätung hat sich die Finanzkrise auf die deutsche Konjunktur durchgewirkt. Doch anders als in vielen Ländern Europas bleibt die Abschwächung in Deutschland moderat“, sagt Andreas Scheuerle, Analyst der Dekabank.

Hoffnung macht vor allem der Binnenmarkt. Die Kauflaune der Bundesbürger war im vergangenen Jahr ein Hauptgrund für den Boom. Die Frage ist nur: Reicht das, um einen Abschwung der Weltwirtschaft ohne Blessuren zu überstehen?

Denn die Signale, dass die Weltkonjunktur rasant an Fahrt verliert, sind unübersehbar. In Europa befinden sich viele Länder in der Rezession, den Schwellenländern geht die Puste aus, in China droht die Immobilienblase zu platzen, und die USA fallen als Lokomotive für die Weltkonjunktur aus. „Der Aufschwung ist vorbei, 2012 wird kein erfreuliches Jahr“, sagte Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln bereits im Dezember WirtschaftsWoche-Streitgespräch.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.01.2012, 17:09 UhrStephan.Locher

    ...ach ja: und wenn dann die Rendite unter "die marktüblichen" 20% sinkt, muss man um diese wieder aufzufangen seine Mitarbeiter reduzieren. Sollen doch die verbliebenen einfach etwas mehr arbeiten, bißchen weniger Lebensqualität muss ihnen ihr Job doch wert sein. Und wenn man 100 Mio. euro weniger Gewinn macht, rettet man das bestimmt, indem man 500 Mitarbeiter entlässt und so 40 Mio spart (ach ja: und i.d.R. wiederum weniger Umsatz macht, denn der hängt eben oft doch irgendwie mit den Mitarbeitern zusammen in der Dienstleistungsgesellschaft Deutschland;-)...

    Last but not least braucht es als Drohung einen gewissen Mindestbestand an Arbeitslosen ("Verlang nicht zu viel Lohn oder Urlaub, sonst lebste morgen von Hartz IV!") und an "spontanen" Konjunktureinbrüchen ("Zu hohe Personalkosten dämpfen die Konjunktur!"... ja, hat man ja am Wirtschaftswunder gesehen... *Ironiealarm*).

    Wie gesagt: es ist zum K***en.

  • 11.01.2012, 17:02 UhrStephan.Locher

    Jedes Jahr muss noch besser sein, als das vorangegangene, Unternehmen bescheiden sich nicht mehr mit einstelliger Umsatzrendite, nein, zweistellig und am besten ab 20% muss sie sein.
    Ein nachhaltiges, dauerhaftes Wachstum (das sich auch mal im einstelligen Bereich bewegen darf, denn merke: auch eine geringe Steigerung ist eine Steigerung, wer 's nicht glaubt, fahre mal mit dem Fahrrad eine langgezogene Steigung herauf;-) und der breiten Bevölkerung zugute kommt? Kein Interesse, nur der Rekord zählt... alles drunter ist nicht mehr interessant im "DSDS-Superlative-Land" Deutschland. Und was hier gilt, gilt weltweit. Lieber das eigene Land verraten, als eine ein Prozent geringere Marge. Und die Politik agiert kaum besser, vergibt den Druckauftrag neuer Euro-Scheine lieber ins kostengünstige (Nicht-Euro-)Ausland, weil man ein paar Promille mehr einstecken kann... eigene Arbeitsplätze fallen dann zwar weg (und die kosten mehr, als die Aktion gebracht hat, aber egal... rechte Tasche - linke Tasche - nur nicht mitdenken).
    Es ist ehrlich zum K***en.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Alternativen gesucht
Alternativen gesucht

Der Euro wird mit jedem Tag mehr zum Verhängnis für Europa, wirtschaftlich wie politisch. Wann endlich werden...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.