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Konjunktur: Pessimismus in den USA

Konjunktur: Deutschland gehen die Kunden aus

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Ben Bernanke Quelle: REUTERS
US-Fed-Chef Ben Bernanke weiß genau, dass die USA endlich ihre eigenen langfristigen Probleme anpacken müssen Quelle: REUTERS

Pessimismus in den USA

Der Einzelhandel in den USA verbuchte zuletzt den zweiten Umsatzrückgang in Folge und die Erzeugerpreise gaben kräftig nach - ein Anzeichen für eine schwache Nachfrage. Die amerikanischen Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück und auch mit Neueinstellungen.

Hauptgrund für die Zurückhaltung ist die Euro-Krise, sagen die US-Amerikaner und verweisen auf folgende Zahlen: Die Exporte von Waren und Dienstleistungen amerikanischer Unternehmen in die Europäische Union sind im April um 11,1 Prozent auf 22,3 Milliarden Dollar eingebrochen. Die Europäische Union ist der zweitgrößte Markt für die US-Exporteure. Nehmen die Exporte weiter ab, werden auch die US-Unternehmen noch vorsichtiger und kaum mehr Menschen einstellen. Die Arbeitslosenquote in den USA ist zuletzt im Mai wieder leicht auf 8,2 Prozent gestiegen.

GRIECHENLAND

Wirtschaft: Die griechische Wirtschaft steckt in einer dramatischen Rezession. 2011 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 6,8 Prozent. Für 2012 erwartet die EU-Kommission einen Rückgang von 4,7 Prozent. Die griechische Regierung hatte zuletzt einen Rückgang von 2,8 Prozent vorhergesagt.

Das Bild zeigt den griechischen Container-Hafen in Piräus.

Bild: dpa

Den USA droht neues Ungemach

US-Fed-Chef Ben Bernanke weiß nur zu genau, dass die USA endlich ihre eigenen langfristigen Probleme anpacken müssen – Eurokrise hin oder her. Er forderte die amerikanischen Politiker auf, den heimischen Staatshaushalt auf einen nachhaltigen langfristigen Pfad zu bringen. Schon droht die Ratingagentur Fitch den USA mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit. Sollte bis 2013 kein Sparplan vorliegen, würden die USA ihr Toprating „AAA“ verlieren.

Die Notenbank ihrerseits versucht, die Konjunktur mit Geldspritzen anzukurbeln. Sie beschloss am Mittwoch, ihre in diesem Monat auslaufende "Operation Twist" bis Ende des Jahres zu verlängern. Dafür nimmt sie rund 267 Milliarden Dollar in die Hand. Ziel der „Operation Twist“ ist es, durch die Senkung langfristiger Zinsen Verbraucher zu mehr Ausgaben und zur Aufnahme von Krediten zu ermutigen. Anleger und Experten blieben von dem Schritt der Fed aber zunächst unbeeindruckt.

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Wie Deutschland für den Abschwung gerüstet ist

  • Staatshaushalt

    Im internationalen Vergleich steht Deutschland mit seinem Staatshaushalt gut da. Auf Pump finanzierte Konjunkturprogramme lehnt die Bundesregierung ab. Nach dem aktuellen deutschen EU-Stabilitätsprogramm kommt der Gesamtstaat aus Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialkassen schon in zwei Jahren ohne neue Schulden am Finanzmarkt aus. Schon 2011 hatte das Defizit nur noch bei einem Prozent gelegen. Auch strukturell - also unabhängig vom Auf und Ab der Konjunktur - schließt sich die Lücke zwischen den Einnahmen und Ausgaben.
    Damit einher geht, dass der in Jahrzehnten angehäufte Schuldenberg allmählich an Bedeutung verliert: Die Schuldenstandsquote soll von 82 Prozent des BIP 2012 auf 73 Prozent in 2016 zurückgehen. Fazit: Der Staat ist weit davon entfernt, wegen eines moderaten Abschwungs in die Knie zu gehen.



  • Sozialkassen

    Die mit dem Aufschwung der vergangenen Jahre einhergegangene Rekordbeschäftigung hat die Lage der Sozialkassen erheblich entspannt. So erwartet die Bundesagentur für Arbeit (BA) dieses Jahr einen Überschuss von 1,3 Milliarden Euro. Allerdings warnen die Arbeitgeber bereits, bei einer Konjunkturabkühlung könnte die BA schnell wieder auf Zuschüsse des Bundes angewiesen sein. Rosiger schätzt das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel die Aussichten für die BA ein: Es erwartet 2012 einen Überschuss von fast drei Milliarden Euro.
    Alle Sozialkassen zusammen - also Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung - könnten dem IfW zufolge in diesem Jahr auf einen Überschuss von 15 Milliarden Euro kommen. Damit hätten sie zumindest ein kleines Polster für den Abschwung.

  • Unternehmen

    Noch sind die Auftragsbücher der Unternehmen gut gefüllt. Wie schnell die im Aufschwung angelegten Puffer aber schmelzen können, hat die Finanzkrise 2008/09 gezeigt. Auch ihr ging ein jahrelanger Aufschwung voraus, der in die schwerste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit mündete. Und dennoch: Nie hatten so viele Deutsche einen Job wie jetzt. Viele Unternehmen werden selbst bei einem Konjunktureinbruch versuchen, ihre Mitarbeiter zu halten. Denn Fachkräfte sind in Deutschland rar.
    Auch der Bauboom dürfte die Wirtschaft selbst bei einem plötzlichen Konjunktureinbruch noch eine Weile stützen. Im ersten Quartal zog die Bauindustrie 12,5 Prozent mehr Aufträge an Land als ein Jahr zuvor. Bis die abgearbeitet werden können, vergehen Monate und Jahre, und bis dahin kann sich die Wirtschaft schon wieder erholt haben.

  • Politik

    Paradoxerweise ist es von Vorteil, dass der jüngste scharfe Konjunktureinbruch nur drei Jahre zurückliegt: Die Erfahrung der handelnden Politiker ist frisch, und sie können auf Konzepte wie die Kurzarbeit zurückgreifen, die sich damals bewährt haben. Allerdings hat mit dem Aufschwung 2010/11 der Reformwille in der Politik nachgelassen. Dabei gäbe es noch immer genug zu tun, um den Standort fitzumachen für den demografischen Wandel und künftige Flauten. So bemängelt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), höhere Beiträge zur Kranken- und Arbeitslosenversicherung hätten die Arbeitskosten 2011 erhöht. Unter den OECD-Ländern wird nur in Belgien der Faktor Arbeit noch stärker belastet.

Unklar ist auch, wie es  mit Steuervergünstigungen und anderen Regierungsprogrammen in den USA weitergeht, die Anfang 2013 auslaufen. Werden diese nicht verlängert, droht eine zusätzliche Belastung des Staatshaushaltes von insgesamt rund 600 Milliarden Dollar Anfang 2013. Im Durchschnitt würden rund 80 Prozent der US-Haushalte mit einem Steueraufschlag von 3700 Dollar rechnen müssen, rechnete der Thinktank Tax Policy Center aus Washington aus. Eine Steuererhöhung würde der heimischen Konjunktur erneut einen dicken Dämpfer verpassen.

4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.06.2012, 09:50 Uhrtesaro

    Siggi40
    Hallo, erstmal Danke für die guten Beiträge.
    Ich geben Ihnen zu 100 % Recht. Nur ewig Gestrige, merken nicht wohin die verfehlte Finanzpolitik führt.
    Ich denke genau so wie Sie und wir werden Recht bekommen, leider.

  • 22.06.2012, 11:53 UhrSiggi40

    Teil II
    Die BRICS zeigen aber, dass es geht. Und unsere künftigen Abnehmer sind die BRICS, die unsere Waren Made in Germany auch mit Rohstoffen bezahlen können. Dass die PIIG(F)S darauf bestehen, dass wir unsere Träume auf 4 Räder weiterhin an sie verschenken, das ist schon klar. Fragt sich nur, ob die stupid Germans sich dies für immer und ewig gefallen lassen, dass sie von ihren Politikern verraten und verkauft werden. Das Vermögen von 2 Generationen hat man bisher schon an die PIIG(F)S verschenkt und unsere Kinder und Enkel bereits in die Schuldenknechtschaft getrieben.
    Nur durch einen Reset im Finanzsystem und einem Trennbankensystem haben die westl. Ind.länder überhaupt noch eine Chance auf eine Genesung. Parallel dazu müssten natürlich neue Geschäftsmodelle angegangen werden, weil die alten fast alle auf Pump aufgebaut sind/waren.
    Die größte Krise der Neuzeit kann man nicht mit ein paar Reförmchen hier und da lösen, da muss die Basis grundlegend verändert werden. Und ein zinsfreies Kreditsystem würde sogar Wohlstand in die hintersten Ecken unseres Planeten bringen.

  • 22.06.2012, 11:51 UhrSiggi40

    Die Weltwirtschaft steht nun da, wo sie bereits 2008 stand, mit dem Unterschied, dass zwischenzeitlich fast alle westl. Ind.länder pleite sind, noch mehr pleite geht nicht mehr.
    2008 wurde die größte Krise der Neuzeit, entstanden durch Leben auf Pump, von der wir gerade mal 5% sehen mit immer neuen Krediten bekämpft und sich genau diese Rezepte als vollkommen wirkungslos zeigten.
    In den letzten 4 Jahren haben die Staaten weltweit ca. 32,5 Bio. $ aufgewendet, natürlich alles auf Pump, um die Bankster zu retten und um einen selbsttragenden Aufschwung auszulösen. Beides ist gründlich in die Hosen gegangen. Sämtliche Konjunkturstrohfeuer sind wirkungslos verpufft, ohne den gewünschten Erfolg und die Bankster sind immer noch so pleite wie anno 2007. Da gibt es nix mehr zu retten. Die Bankster weltweit sitzen immer noch auf über 600 Billionen $ absolut wertloser Papierschnipsel, aus den Bilanzen in Schattenbanken ausgelagert, um sie vor dem sofortigem Kollaps zu bewahren.
    In den letzten 4 Jahren hat sich die Weltverschuldung von ca. 64 Bio auf über 96 Bio. $, also um 50% erhöht. Jetzt sind fast alle westl. Ind.staaten pleite, noch mehr pleite geht nicht mehr. Wegbrechende Steuereinnahmen prallen auf explodierende Ausgaben für Zinsen und Soziales. Was sagt uns das?
    Immer weiter so wie bisher ... führt geradewegs in den Abgrund. Die Probleme der USA und dem UK sind um ein mehrfaches größer, als in der Eurozone. Dort würde schon längst das öffentliche Leben kollabieren, ohne die Druckerpressen der Zentralbanken. Die in Billiglohnländer ausgelagerte Realwirtschaft kann man nicht durch die Finanzbetrugsmafia ersetzen. Das Armageddon kann nicht mehr aufgehalten werden – nur noch hinausgeschoben. Aber wenn schon untergehen – dann sollen alle dran glauben und alle mit untergehen.

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