Konjunktur: Regierung kappt Wachstumsprognose deutlich

Konjunktur: Regierung kappt Wachstumsprognose deutlich

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Produktionsstillstand beim Automobilzulieferer FEP Fahrzeugelektrik Pirna

Die Aussichten werden immer schlechter: Auch die Regierung hat ihre Wachstumsprognose deutlich nach unten korrigiert.

Wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, geht das Bundeswirtschaftsministerium intern von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Deutschland um vier bis 4,5 Prozent aus. Der Einbruch würde damit doppelt so stark ausfallen wie bisher angenommen.

Im Januar hatte das Wirtschaftsministerium noch einen BIP-Rückgang von 2,25 Prozent für 2009 vorausgesagt. Bei der Prognose sei aber ein leichtes Wachstumsplus im vierten Quartal 2009 unterstellt worden. Eine solche Entwicklung sei aber nun sehr unwahrscheinlich, hieß es in dem Bericht. Die Bundesregierung legt ihre neue Konjunkturprognose Ende April vor.

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Angesichts dramatisch schlechter Daten hatten erst gestern Konjunkturexperten düstere Prognosen bekanntgegeben. So erwartet die Commerzbank einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um bis zu sieben Prozent - das wäre der stärkste Rückgang seit dem Bestehen der Bundesrepublik.

Das Gros der Schätzungen liegt derzeit bei minus vier bis fünf Prozent für das laufende Jahr. Viele Experten schließen ein größeres Minus aber nicht aus. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte der „Welt“: „Unsere Modelle signalisieren uns ein Minus zwischen sechs und sieben Prozent.“ Bislang hatte die Bank mit einem Einbruch um drei bis vier Prozent gerechnet. Grund für die drastische Korrektur nach unten: „Die Wirtschaft dürfte gegenüber dem vierten Quartal 2008 nicht wie wir ursprünglich unterstellt haben um 1,5 Prozent, sondern um schätzungsweise 3,5 Prozent geschrumpft sein.“ Dies liege vor allem an den zurückgegangenen Auftragseingängen. „Sie sind von Dezember auf Januar um acht Prozent gefallen. Das ist gewaltig“, erklärte Krämer. Das bedeute weniger Produktion in den Folgemonaten: „Wenn die Auftragseingänge so wegbrechen, strahlt das zumindest auf das zweite Quartal aus.“

Der Volkswirt rechnet deshalb mit einem weiteren Rückgang zwischen April und Juni um einen Prozent. Erst ab Herbst werde die Wirtschaft aufhören zu schrumpfen. „Wir erwarten allerdings nur eine blutleere Aufwärtsbewegung.“

DIW und ifo senken ihre Prognose

Ein Minus von bis zu sieben Prozent sei nicht auszuschließen, meint das Institut für Wirtschaftsforschung Halle. Konjunkturexperte Axel Lindner sagte, derzeit sei vieles denkbar - also sei auch nicht ausgeschlossen, dass die Commerzbank-Vorhersage zuträfe. Das IWH erwartet aber weiterhin ein Minus von 4,8 Prozent für 2009. Auch die Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin und des Münchner ifo-Instituts revidierten ihre Prognosen für 2009 nach unten.

Das DIW rechnet nach dem schlechten Start ins neue Jahr jetzt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um vier bis fünf Prozent, wie Konjunkturforscher Stefan Kooths sagte. Die ifo-Forscher erwarten jetzt ein Minus von mehr als vier Prozent und im Jahresverlauf eine Million Arbeitslose mehr. Derzeit gehe man davon aus, dass das Konjunkturpaket der Bundesregierung im zweiten Quartal Wirkung zeige, sagte ifo-Konjunkturchef Kai Carstensen. Laufe aber auch das zweite Quartal sehr schlecht wäre ein Rückgang der Wirtschaftsleistung um fünf Prozent im laufenden Jahr „das optimistischste“, erklärte er. Falls die Weltwirtschaft in den kommenden Quartalen im bisherigen Tempo abbaue, seien sogar minus sechs Prozent vorstellbar.

Bundesbürger besorgt

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) erwartet nun einen BIP-Rückgang um 4,3 Prozent für 2009. Und trotz steigender Kurzarbeit wird ein Anstieg der Arbeitslosenzahl um 1,1 Millionen vorhergesagt. Die Erfahrung zeige, dass Wirtschaftskrisen, die ihren Ursprung im Bankensektor hätten, besonders zäh seien und lange dauerten, erläuterten die RWI-Experten.

Derweil wächst bei den Bundesbürgern die Sorge um die wirtschaftliche Zukunft: Nur 16 Prozent erwarten einer Umfrage der Allianz und der Universität Hohenheim zufolge in den kommenden zwölf Monaten eine positive Entwicklung in Deutschland. Vor einem Jahr zeigten sich noch 29 Prozent der Befragten optimistisch. 55 Prozent sagten, sie sähen der Zukunft des Landes mit Sorge entgegen.

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