Konjunktur: Ringen um den richtigen Kurs

Konjunktur: Ringen um den richtigen Kurs

von Mark Fehr

Zahlreiche Wirtschaftsforscher verbessern ihre Prognosen. Interessanter als die nackten Zahlen sind jedoch die Trends, mit denen Ökonomen die Konjunktur konfrontiert sehen. Nicht nur Politiker, sondern auch Wissenschaftler streiten über den wirtschaftspolitischen Weg.

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Neuwagen stehen am Donnerstag, 11. Dez. 2008, in München auf Eisenbahnwagen an einem Gueterbahnhof im Norden der Stadt. Konsumgutscheine lehnen Unternehmen zur Wiederbelebung der Konjunktur ab, so eine Ifo-Umfrage.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet laut einer heute veröffentlichten Prognose mehr Wachstum als in seinen vorangegangenen Schätzungen. Im gerade begonnenen Jahr werde Deutschlands Wirtschaft um 2,1 Prozent wachsen, 2010 könnte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,8 Prozent zulegen. Für das zurückliegende Jahr sei mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 4,9 Prozent zu rechnen – im Frühjahr 2009 waren die DIW-Ökonomen noch von einem deutlich stärkeren Rückgang um 6,4 Prozent ausgegangen.

Mit seinen optimistischeren Konjunkturdaten steht das Berliner Institut nicht alleine da. Die Volkswirte der Commerzbank etwa gehen für 2010 von durchschnittlich 2,3 Prozent Wachstum aus, das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) glaubt an einen BIP-Zuwachs von zwei Prozent.

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Schwächelt der deutsche Export?

Gleichzeitig warnen die Experten, der Aufschwung sei weit davon entfernt, sich selbst zu tragen. Besonders das von der Nachfragetheorie des US-Ökonomen John Maynard Keynes geprägte IMK unterstreicht diesen Punkt und fordert von der deutschen Regierung weiter expansive Wirtschaftspolitik. Nach Ansicht des IMK sollte es sogar noch ein drittes staatliches Konjunkturpaket in Höhe von 50 Milliarden Euro geben. Wichtiger als eine Debatte über jede Kommastelle der Konjunkturschätzungen ist eine Auseinandersetzung mit den Erwartungen, die hinter den Prognosen der Volkswirte stehen. Eine Auffassung der DIW-Experten sollte der Exportnation Deutschland besonders zu denken geben: Das Institut sieht vor allem die Inlandsnachfrage als Stütze der wirtschaftlichen Erholung. Deutschland dürfte nicht wie sonst vom Welthandel profitieren, die Ausfuhren würden schwächer wachsen als der globale Handel.

Richtungsstreits in Ökonomie und Politik

Der Grund: Deutsche Exporteure haben sich auf hochwertige Investitionsgüter spezialisiert, für die international derzeit nur wenig Nachfrage bestehe. Erst im kommenden Jahr werde Deutschland wieder proportional zum globalen Handel wachsen. Die heute vom Bundeswirtschaftsminister veröffentlichten Auftragseingänge scheinen diesen Trend zu bestätigen. Im November 2009 sorgten allein die Inlandsbestellungen mit einem Plus von 1,4 Prozent dafür, dass die Industrieaufträge um 0,2 Prozent leicht stiegen. Ausländische Kunden dagegen orderten im Vergleich zum Vormonat ein Prozent weniger Waren in Deutschland.

Nicht nur die Berliner Koalitionsparteien ringen um den wirtschaftspolitischen Kurs. Auch die Forschungsinstitute streiten, ob Steuersenkungen angesichts der schlechten staatlichen Haushaltslage das richtige Mittel sind, um für Wachstum zu sorgen. Das DIW warnt die Regierung vor Widersprüchen: Eine Steuer- und Gesundheitsreform sowie die angestrebte Haushaltskonsolidierung seien nicht gleichzeitig möglich.

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