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Konjunktur: Warum eigentlich brauchen wir so viele Wirtschaftsforschungsinstitute?

von Malte Fischer

Am Donnerstag war es mal wieder so weit. Die Wirtschaftsforschungsinstitute stellten ihr Frühjahrsgutachten zur Konjunktur der Öffentlichkeit vor. Um sechs Prozent werde die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr schrumpfen, prognostizieren die Ökonomen – eine düstere Vorhersage, die nicht wirklich überraschend kommt.

Die Leiter der fünf Quelle: AP
Die Leiter der fünf Wirtschaftsforschungsinstitute: Joachim Scheide vom IFW Kiel (v.l.), Volker Nitsch vom KOF Zürich, Axel Lindner vom IWH Halle, Roland Döhrn vom RWI Essen und Kai Carstensen vom ifo München Quelle: AP

Seit Wochen prophezeien Banken und internationale Organisationen eine drastische Schrumpfung. Und deshalb dürften Kritiker einmal mehr einwenden, dass es wenig Sinn mache, acht Institute zweimal im Jahr mit Konjunkturgutachten zu beauftragen, die den Steuerzahler viel Geld kosten – und deren Ergebnis meist mit dem Taschenrechner als Mittelwert aus institutsinternen Prognosen errechnet werden kann.

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Tatsächlich leistet sich Deutschland eine Institutsszene, die größer und teurer ist als in anderen Industrieländern. Im Mittelpunkt stehen die sechs großen von Bund und Ländern finanzierten Häuser: das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel, das ifo Institut in München, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen und das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

70 Millionen Euro an Steuergeldern

Wichtigste Finanzierungsquelle sind die Zuschüsse von Bund und Ländern. Neben der staatlichen Grundfinanzierung stellen eingeworbene Mittel für konkrete Forschungsprojekte (Drittmittel) eine wichtige Geldquelle dar. Deren Anteil am Gesamtbudget variiert zwischen 14 Prozent (IWH) und 43 Prozent (ifo); häufig kommen auch diese Mittel von staatlichen Stellen.

Unter Einschluss der Drittmittel kosten die sechs staatlichen Wirtschaftsforschungsinstitute den Steuerzahler jährlich mehr als 70 Millionen Euro. Kein Wunder, dass sich da mancher die Frage stellt, ob wir so viele Institute brauchen. Ginge es nur um Konjunkturforschung – die Antwort hieße wohl: Nein. Doch die Konjunkturanalyse stellt nur eine von vielen Aufgaben der Institute dar. Im Laufe der Jahre haben sich die Think-Tanks auf spezifische Forschungsschwerpunkte konzentriert.

32 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.08.2009, 17:34 UhrAnonymer Benutzer: güntha

    als erstes möchte ich mich bei ihnen für diesen Artikel bedanken! es ist wirklich eine frechheit, wieviele menschen in deutschland das recht haben monopoly auf kosten anderer zu spielen. man kann nur hoffen das irgendwann jemand mitspielt, der das ganze spielbrett zu boden wirft und alle wieder auf anfang gehen müssen!!

  • 29.04.2009, 11:35 UhrAnonymer Benutzer: Peter Neururer

    Genau! Ohne diese Prognosen hätten wir keine Krise! Diese Miesepeter, Muscheltaucher und Vollfriseure aus den Elfenbeintürmen sollten Rasen mähen gehen! Wirtschaft ist die reine Psychologie (nichts anderes) und da muss ein positives Denken rein - wen schert denn schon die Steuerschätzung, wenn die ohnehin nicht auf verlässlichen Zahlen basiert - lassen wir uns doch einfach überraschen! Das funktioniert mit dem Überraschungsei hervorragend - und das ist ein Verkaufsschlager!

  • 28.04.2009, 14:05 UhrAnonymer Benutzer: Analyst

    es ist das deutsche Grundproblem !

    Als Analyst der letzten 40 Jahre bleibt nur die Erkenntnis (die aber keiner hören will)
    daß sich auf der paylist des Steuerzahlers eine unglaubliche Anzahl von "Mitarbeitern" befindet, die ganz einfach jeden Monat ihre Überweisung oder Pension erhalten ohne jemals selbst auch nur einen Pfennig/Cent zum Steueraufkommen beigetragen zu haben.
    Die Politik und der öffentliche Dienst lassen nur noch arbeiten.
    (ausdrücklich nicht Feuerwehr, Polizei und Krankenhauspersonal !!!)
    Der NiCHT-öffentliche Dienst hat - durch die Politik bewusst iniziiert - klammheimlich ein unvorstellbares Ausmaß angenommen.

    Nur 1 beispiel:
    Das "Deutsches Jugendinstitut" in München mit hunderten von "Arbeitsplätzen" besteht mind. schon 40 Jahre
    Was hat es den Kindern an Verbesserung bis heute gebracht ????

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