Konjunktur: Warum internationale Vergleiche von Wachstumsraten mit Vorsicht zu genießen sind

Konjunktur: Warum internationale Vergleiche von Wachstumsraten mit Vorsicht zu genießen sind

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US-Finanzminister Timothy Geithner: Die US-Wirtschaft legte im dritten Quartal 2009 3,5 Prozent zu

von Malte Fischer

Im Vergleich mit den Wachstumszahlen aus den USA sind die deutschen Zahlen geradezu moderat. Doch der Vergleich mit dem Ausland hinkt.

Freitag, der 13., war in diesem Monat ein Glückstag für die Konjunkturauguren. Denn die Wachstumszahl für das dritte Quartal, die das Statistische Bundesamt an diesem Tag veröffentlichte, stimmt zuversichtlich. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland legte um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu.

Ist das im internationalen Vergleich viel oder wenig? Mit den Wachstumszahlen aus den USA, so scheint es, kann Deutschland trotz der positiven Signale nicht mithalten. Nach Angaben des Bureau of Economic Analysis legte die US-Wirtschaft im dritten Quartal um satte 3,5 Prozent zu

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US-Statistiker setzen auf Annualisierung

Doch ein genauer Blick auf die Daten zeigt, dass dieser Vergleich hinkt. Die überraschend große Differenz der Wachstumsraten beruht vor allem darauf, dass die US-Statistiker die Zuwachsrate des BIPs auf das Jahr hochrechnen (annualisieren). Bei diesem in den USA üblichen Verfahren wird die aktuelle Wachstumsrate für die nächsten vier Quartale fortgeschrieben. Das Ergebnis gibt an, wie stark das BIP im Vorjahresvergleich wächst, wenn sich die Quartalsrate tatsächlich nicht ändern sollte. Wendete man diese Methode auf das deutsche BIP-Plus von 0,7 Prozent an, ergäbe sich eine "annualisierte" Rate von 2,9 Prozent. Der Abstand zu den USA wäre also geringer.

Dass das Statistische Bundesamt keine annualisierten Raten berechnet, hat gute Gründe. Die Annualisierung führt dazu, dass Fehler potenziert werden. Spätere Revisionen der Daten fallen deshalb häufig groß aus.

Neben der Annualisierung gibt es weitere methodische Unterschiede bei der Wachstumsermittlung in einzelnen Ländern. Auch bei der Bereinigung um jahreszeitliche Einflüsse gehen die Statistiker zum Teil getrennte Wege. So wendet das Statistische Bundesamt in erster Linie ein vom US Census Bureau entwickeltes Verfahren an; die Kollegen in Italien, Spanien und Portugal setzen dagegen auf ein von der spanischen Zentralbank entwickeltes Konzept.

Zudem passen die Statistiker die Saisonbereinigung an die Eigenheiten jeder Zeitreihe an. So erfordern die Einzelhandelsumsätze wegen der Sonderkonjunktur zu Weihnachten andere Bereinigungsfaktoren als die Industrieproduktion. Die auf die USA zugeschnittene Version des Census-Verfahrens ist in ihrem Urzustand wegen der anders gelagerten Feier- und Ferientage für Deutschland kaum geeignet.

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