Konjunktur: Was die Welt mit unserer Wirtschaft macht

Konjunktur: Was die Welt mit unserer Wirtschaft macht

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Joachim Neusser, Geschäftsführer der ProCreda GmbH

Der Eindruck von einer nachhaltig erholten Weltwirtschaft täuscht: Die globalen Verwerfungen 2011 sind in vollem Gange, auch wenn royale, seelige und unterhaltende Momente wieder die jüngste Medienwelt bestimmen und die tatsächlich bedeutsamen Ereignisse in den Hintergrund getreten sind.

Der Schein, unsere Weltwirtschaft habe sich von sämtlichen Ktastrophen erholt, trügt. Auch wenn es partiell wieder aufwärts geht: Die Auswirkungen der Katastrophe in Japan, die Euro-Rettungsschirme und die Revolutionen in Nordafrika auf den Mittelstand und die Weltwirtschaft werden erheblich sein. Daran ändern auch rührige Fernsehmomente wie eine royale Hochzeit oder die Seeligsprechung eines Papstes nicht. Auch, wenn sie kurzfristig unterhalten und ablenken.

Allein diese Erbeben-Tsunami-AKW-Katastrophe in Japan wird die vernetzte Weltwirtschaft schon belasten. Doch da die Bilder sind nahezu verschwunden sind, wähnt man sich in scheinbar wiedererlangter Normalität. Ein üblicher Verdrängungs- und Quotenprozess. Das Wortspiel drängt sich geradezu auf: TV-Sender strahlen zwar erheblich weniger "Fukushima" aus, aber Fukushima aber strahlt unvermindert stark aus. Die direkten Konsequenzen dieser überwältigenden Katastrophe haben sich ganz im Gegenteil noch längst nicht in der globalen Konjunktur verfangen und die mittelständische Industrie Deutschlands wirtschaftet in noch ruhigem Fahrwasser.

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Zu den bekannten direkten Auswirkungen kommen aber auch anzunehmende weitere, mittelbare Effekte, etwa wenn sich die existenten Probleme schleichend bis tokyoter Raum ausbreiten: Wenn weitere Fabriken kontaminiert werden, wenn verstrahlte Nahrung konsumiert wird, sind neben den humanitären auch die ökonomischen Konsequenzen nachhaltig verheerend. Kurios wirken in diesem Zusammenhang jüngste spekulativen „Phantasien", etwa auf japanische Bauunternehmensaktien, die nicht selten als belebender Konjunkturschub dargestellt werden. Vordergründig unbeachtet bleibt, dass diese auf Vernichtung von erheblichen Vermögenswerten im 3-stelligen Milliardenvolumen beruhen. Es wirkt wie blanker Zynismus, wenn ein Konjunkturmotor durch die Vernichtung von Werten begründet wird. Tatsächlich wirkt diese Rechnung nur als Pflaster, heilt aber nicht die Symptome.

Lasche Finanzmarktregularien

Auf die kurzfristige globale Konjunktur werden aber auch andere Effekte drücken. Die international sträflich unterlassenen Regulierungsinitiativen des Finanzsektors, die nach der Krise großspurig versprochen wurden, erzeugen fast zwingend neue Spekulationsballons. Es ist ein tragischer Fehler, dass der Bankensektor nicht gezwungen wurde, sich wieder wesentlich auf dessen eigentliche Aufgabe als Dienstleister für die Produktivität zu konzentrieren, sondern dieser ungestümer denn je ein losgelöstes Eigenleben als Produktivität durch Wetten führen kann. Aus dieser »Produktivität« aber werden weitere Finanzblasen abgeleitet.

Auch der Freiheitsaufbruch in etlichen arabischen Staaten wird immer deutlichere Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben, sollte sie weiterhin unkoordiniert verlaufen (was Revolutionen meist innewohnt). Die Situation in Libyen ist offen, viele weitere arabische Staaten könnten zum explodierenden Pulverfass werden, insbesondere wenn die Kernstaaten Arabiens in die Turbulenzen geraten. Solange aber die Industrienationen am Tropf des schwarzen Goldes hängen, wird jede Unregelmäßigkeit erhebliche Auswirkungen auf das Wirtschaftsgefüge nach sich bringen: Öl als Grundstoff für unzählige Produkte und als Lieferant mannigfacher Energieformen und -gewinnung hat eine extrem große, noch systemrelevante Bedeutung. Dies allein ist schon Grund genug, dass neue Energietechnologien forciert werden müssen, um die deutsche Abhängigkeit von importierten Öl und Uran zu drosseln.

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