Konjunktur: Weltwirtschaft wächst, Boom-Länder werden zum Problem

Konjunktur: Weltwirtschaft wächst, Boom-Länder werden zum Problem

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Wanderarbeiter auf einer Baustelle in Peking.

Die Schwellenländer wie China und Indien haben die weltweite Finanzkrise unbeschadet überstanden. Doch nun drohen sie immer stärker zum Opfer ihrer eigenen Erfolgs zu werden, warnt die Weltbank.

Die Weltkonjunktur nimmt nach Einschätzung der Weltbank im kommenden Jahr neue Fahrt auf, doch droht der Boom der Schwellenländer zum ernsten Problem zu werden. Nach 3,2 Prozent in diesem Jahr sei 2012 und im Jahr darauf global sogar mit jeweils 3,6 Prozent Wachstum zu rechnen, heißt es im jüngsten Bericht der Organisation zu den weltweiten Wirtschaftsaussichten, der am Dienstagabend in Washington vorgelegt wurde. Mit Blick auf Boom-Regionen wie Fernost oder Lateinamerika bekräftigte die Weltbank jedoch ihre seit einiger Zeit geäußerte Warnung vor Überhitzung.

Risiken sieht die Organisation überdies vor allem durch einen neuen Ölpreisschock, sollte sich die Lage im Nahen Osten und in Nordafrika verschlimmern. Auch könnten neue Fehlernten die Preise für Nahrungsmittel weiter in die Höhe treiben - mit verheerenden Folgen für die Armen. Beim globalen Wachstum preschen die Schwellen- und Entwicklungsländer weiter voran: Die Weltbank prognostiziert für sie ein jährliches Plus von 6,3 Prozent bis 2013, nachdem sie 2010 satt um 7,3 Prozent zugelegt hatten. Für die reichen Länder rechnet die Entwicklungshilfeorganisation derweil mit vergleichsweise mageren 2,2 Prozent in diesem Jahr, dafür 2012 und 2013 schon wieder mit um die 2,6 Prozent.

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Revolutionen in Nordafrika ohne Auswirkungen

Die Euro-Zone sieht die Weltbank bei lediglich 1,7 bis 1,9 Prozent Wachstum zwischen diesem Jahr und 2013. Auf den Industrienationen lasteten hohe Arbeitslosigkeit, enorme Schulden und aus dem Lot geratene Staatsfinanzen. „In vielen aufstrebenden Nationen bewegt sich die Wirtschaft jenseits ihrer Kapazitäten und riskiert Überhitzung“, sagte Weltbank-Ökonom Hans Timmer. Das starke Wachstum habe zu einer Reihe neuer globaler Herausforderungen geführt, darunter höhere Rohstoffpreise und steigende Inflation. Nicht auszuschließen sei die Rückkehr destabilisierender Kapitalströme, wenn das Zinsniveau steige.

Die Folgen der Natur- und Atomkatastrophe in Japan sowie der politischen Umwälzungen im Nahen Osten und Nordafrika stufte die Weltbank indes als gering ein. In beiden Fällen sei vor allem die nationale Konjunktur betroffen. Für Ägypten und Tunesien erwartet die Weltbank schon 2013 ein Wachstum von beinahe fünf Prozent. „Die Finanzkrise ist für die meisten Entwicklungsländer vorbei“, sagte der Hauptautor des Berichts, Andrew Burns. Diese Staaten müssten sich nun darum kümmern, ihre in den Turbulenzen geschmolzenen Finanzreserven wieder aufzubauen.

Den langfristigen Ausblick für aufsteigende Nationen bewertete er positiv. Diese Länder hätten in den vergangenen zehn Jahren ein starkes Wachstum an den Tag gelegt. „Es gibt jeden Grund anzunehmen, dass sie dies fortsetzen.“ Aber: „Auf mittlere Sicht hängen ihre Aussichten von Sozial-, Regulierungs- und Infrastrukturreformen ab und wie sie beitragen, Produktivität und nachhaltiges Wachstum zu fördern“, sagte Burns. Für Ostasien und die Pazifikregion erwartet die Weltbank bis 2013 ein Wachstum oberhalb von 8 Prozent, für Lateinamerika mehr als 4 Prozent. Südasien, darunter Indien, sieht die Organisation in diesem Zeitraum bei zwischen 7,5 und knapp 8 Prozent.

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