Konjunktur: Wir müssen raus aus der Hängematte

kolumneKonjunktur: Wir müssen raus aus der Hängematte

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Die deutsche Wirtschaft darf sich nicht weiter auf Gewinnen der Vergangenheit ausruhen.

Kolumne

Deutschlands Wachstum liegt im europäischen Vergleich auf hohem Niveau, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, der Einfluss groß. Aber das Ende ist absehbar. Wenn wir nicht schnell handeln, drohen heftige Konjunkturgewitter.

Die aktuell noch gute Lage Deutschlands fußt in erheblichem Maße auf Errungenschaften der Vergangenheit. Sie ist zurückzuführen auf die Hartz-Reformen und die damit verbundenen Initiativen von Arbeitergebern und Gewerkschaften. Im Nachgang der Krise von 2008 hat die Bundesregierung mit mutigen Schritten - wie beim Kurzarbeitergeld, aber auch bei den Entscheidungen im Zusammenhang mit der Bankenkrise - dazu beigetragen, dass sich die deutsche Wirtschaft rasch erholt hat.

Aber das alles sind Folgen von bereits vergangenen Entscheidungen und Entwicklungen. Darüber hinaus wird die aktuelle Situation von Faktoren positiv beeinflusst, die außerhalb von Deutschlands Einfluss liegen. Wie etwa der Ölpreis, die Geldpolitik der EZB und damit verbunden der schwache Euro.

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Das spricht für eine anziehende Konjunktur

  • Niedriger Euro - billiges Öl

    Der Einbruch des Ölpreises und der niedrige Euro wirken wie ein Konjunkturpaket für die Wirtschaft. Vor allem günstiges Tanken und Heizen lässt den Verbrauchern Spielraum für zusätzliche Ausgaben. Die Stimmung der Konsumenten ist nach Berechnungen der GfK-Marktforscher derzeit so gut wie seit mehr als 13 Jahren nicht mehr. Viele Unternehmen werden auf der Kostenseite entlastet. Ihnen spielt zudem der billige Euro in die Karten, der die Exporte nach Übersee günstiger macht. Dies dürfte sich nach Ansicht von Experten künftig auch stärker in den Außenhandelszahlen niederschlagen.

    Quelle: Reuters

  • Guter Arbeitsmarkt

    2015 dürfte es wieder einen Beschäftigungs-Rekord geben. Zudem sank die Zahl der Arbeitslosen im vorigen Monat auf 2,93 Millionen - dies ist die geringste Arbeitslosigkeit in einem März seit 1991. "Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist sehr, sehr gering", sagt Frank-Jürgen Weise, Chef der Bundesagentur für Arbeit. Die Jobsicherheit schiebt - zusammen mit niedrigen Zinsen und höheren Löhnen - den Konsum der Deutschen an.

  • Krisenländer holen auf

    Nach Jahren der Rezession geht es in vielen ehemaligen Krisenstaaten wieder spürbar bergauf - allen voran in Irland und Spanien. Auch Portugal und Griechenland kommen besser in Schwung. Davon könnte Deutschland als Exportnation profitieren.

Doch nicht alle Nachrichten sind positiv. Im Gegenteil: Wenn man sich die aktuelle Nachrichtenlage betrachtet bekommt man immer öfter ein ungutes Gefühl bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung Deutschlands in den nächsten Jahren.

Eine Nachricht der letzten Tage war, dass die Zahl der Geburten in Deutschland weiter gesunken ist. Nach einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO und des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitute (HWWI) werden in Deutschland im Vergleich zu allen anderen Ländern in der Welt die wenigsten Kinder geboren.

Das könnte die Konjunkturerholung bremsen

  • Krisen in Griechenland und Russland

    Die Schuldenprobleme Griechenlands und der Konflikt zwischen Russland und dem Westen bleiben Unsicherheitsfaktoren für die deutsche Konjunktur. Denn ein Eskalieren der Griechenland-Krise mit einem Ausstieg aus dem Euro dürfte für Turbulenzen an den Finanzmärkten sorgen und Investoren verschrecken. Zudem brechen die deutschen Exporte nach Russland wegen der westlichen Sanktionen immer stärker ein. Die Warenausfuhren sanken im Januar um rund 35 Prozent - einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Oktober 2009.

  • Wichtige Absatzmärkte USA und China schwächeln

    In den beiden größten Volkswirtschaften läuft es derzeit nicht so rund wie von vielen erhofft. "Seit Jahresbeginn haben viele US-Konjunkturdaten enttäuscht", sagt Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Dafür seien vor allem der strenge Winter verantwortlich und Streiks bei Hafenarbeitern an der Westküste. Dies habe die Baubranche gebremst und die Industrie belastet. Die Commerzbank geht zwar davon aus, dass die US-Konjunktur im Frühjahr wieder in Schwung kommt, senkte aber ihre Wachstumsprognose für die USA auf 2,8 von 3,2 Prozent.

     

    Zudem kühlt sich die chinesische Wirtschaft zunehmend ab. Von Reuters befragte Experten gehen davon aus, dass sie zwischen Januar und März binnen Jahresfrist um sieben Prozent gewachsen ist - dies wäre so wenig wie seit rund sechs Jahren nicht mehr.

  • Investitionsschwäche

    Trotz der extrem niedrigen Zinsen kommen die Investitionen der Unternehmen kaum in Gang. Viele Firmen halten sich wohl auch wegen der vielen geopolitischen Risiken und internationalen Konflikten mit Ausgaben eher zurück. "Die Investitionen dürften - angesichts eingetrübter Absatzperspektiven auf den Exportmärkten und weiter hoher globaler Konjunkturrisiken - nur vergleichsweise moderat zulegen", sagt der Konjunkturchef des Berliner DIW-Instituts, Ferdinand Fichtner.

Demnach wurde in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt 8,3 Kinder je 1000 Einwohner in Deutschland geboren. Das liegt selbst unter dem Niveau von Japan, wo in diesem Zeitraum 8,4 Kinder pro 1000 Einwohner geboren wurden. In den anderen großen EU-Ländern liegt die Zahl der Geburten dagegen zum Teil deutlich höher.

Diese ungünstige Entwicklung in Deutschland könnte sich langfristig zu einem spürbaren Standortnachteil entwickeln, denn die Zahl der Erwerbsfähigen von 20 bis 65 Jahren dürfte sich bis 2030 von aktuell 61 Prozent auf dann 54 Prozent reduzieren. Ohne eine aktive Einwanderungspolitik steuert die deutsche Wirtschaft diesen Schätzungen nach auf einen erheblichen Arbeitskräftemangel zu.

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