Konjunktur: Wirtschaft rechnet mit langer Rezession und Stellenabbau

Konjunktur: Wirtschaft rechnet mit langer Rezession und Stellenabbau

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Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung

Deutschland droht ein harter Winter mit schrumpfender Wirtschaft und steigender Arbeitslosigkeit. Die Stimmung in den Chefetagen der Unternehmen war im November angesichts einer drohenden schweren Rezession so schlecht wie seit fast 16 Jahren nicht mehr, teilte das Ifo-Institut heute mit. Mehr als ein Drittel aller Unternehmen will im kommenden Jahr Stellen abbauen.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex brach von 90,2 auf 85,8 Punkte ein und sank damit den sechsten Monat in Folge. Schlechter war die Stimmung zuletzt zu Beginn des Rezessionsjahres 1993. Die Aussichten für das nächste halbe Jahr wurden von den 7000 befragten Managern sogar so schlecht beurteilt wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Auch die Lage wurde ungünstiger bewertet. „Insgesamt hat sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und wird nun auch den Arbeitsmarkt erfassen“, sagte der Präsident des Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo), Hans-Werner Sinn, heute. Die Arbeitslosenzahl werde „ziemlich stark“ hochgehen.

Nach einer Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) wollen fast 35 Prozent der Betriebe im kommenden Jahr Stellen abbauen. Einen so hohen Wert hat es seit der Jahrtausendwende nicht mehr gegeben. „Das Signal ist ganz eindeutig auf Rezession gestellt“, sagte IW-Direktor Michael Hüther zu Reuters. Über den Export bekomme Deutschland die Folgen der schwachen Weltwirtschaft zu spüren. „Das schlägt durch auf Produktion, Investition und Beschäftigung - es ist keine Branche ausgenommen.“ Nur knapp jedes fünfte der 1800 befragten Unternehmen wolle seine Mitarbeiterzahl aufstocken.

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Die Bundesagentur für Arbeit (BA) erwartet 2009 im Jahresschnitt mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl um 130.000. Das sei weniger als in früheren Konjunkturkrisen, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise der „Bild“-Zeitung (Montagausgabe). Die vom Ifo-Institut befragten Firmenchefs befürchten allerdings, dass der Abschwung diesmal stärker ausfällt als in den letzten Rezessionsjahren 1993 und 2003. Sie bewerteten die Aussichten für die kommenden sechs Monate so schlecht wie noch nie seit der Wiedervereinigung. „Der Winter wird sehr frostig“, sagte Ifo-Experte Klaus Abberger zu Reuters.

Industrie stellt sich auf Abschwung ein

Auf einen starken und langen Abschwung stellt sich vor allem die Industrie ein. „Sie kämpft mit einer sinkenden Nachfrage aus dem In- und Ausland“, sagte Abberger. „Die Unternehmen wollen ihre Produktion drosseln und ihre Stammbelegschaft reduzieren.“ Den Exportweltmeister trifft die Wirtschaftsflaute bei wichtigen Handelspartnern wie den Euro-Ländern und den USA besonders stark.

Die deutsche Vorzeigebranche, die Autoindustrie, meldete bereits massive Absatzeinbrüche. Hersteller wie Daimler und BMW kündigten deshalb verlängerte Werksferien an. Auch der Einzelhandel sieht in den kommenden Monaten keine Trendwende. „Es ist nicht zu erwarten, dass die Bürger in diesem Umfeld ihre Kaufzurückhaltung aufgeben“, sagte Abberger. Der Branchenverband HDE hat 2009 fast schon abgeschrieben. „Wenn wir nächstes Jahr eine nominale Stagnation hätten, wäre das schon ein Erfolg“, sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser.

Im Großhandel, im Bauhauptgewerbe und bei den Dienstleistern trübte sich das Geschäftsklima ebenfalls merklich ein, obwohl die Bundesregierung mit einem milliardenschweren Konjunkturpaket gegen die Rezession gegenzusteuern versucht. „Man sollte von der Politik nicht zu viel verlangen. Sie wird diesen Abschwung nicht aufhalten können“, sagte Abberger. Es gehe lediglich darum, die „schlimmsten Einschläge zu verhindern“. Ökonomen sagen eine tiefe und lange währende Rezession voraus. „Die Rezession dauert auf jedem Fall das ganze Jahr 2009“, sagte Peter Meister von der BHF Bank. Die Wirtschaftsleistung werde im kommenden Jahr um etwa zwei Prozent schrumpfen. Das bislang das größte Minus seit Gründung der Bundesrepublik gab es 1985 mit 0,9 Prozent. Die Commerzbank rechnet mit einem Rückgang um etwa 1,2 Prozent. „Obwohl die deutsche Wirtschaft strukturell stark aufgestellt ist, ist sie in den weltweiten Rezessionsstrudel geraten“, sagte Chefvolkswirt Jörg Krämer. Das Bruttoinlandsprodukt werde am Jahresende das dritte Quartal in Folge schrumpfen.

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