Konjunkturausblick 2012: Euro-Krise entscheidet über Wohl und Wehe der Wirtschaft

Konjunkturausblick 2012: Euro-Krise entscheidet über Wohl und Wehe der Wirtschaft

, aktualisiert 14. Dezember 2011, 16:27 Uhr
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Ein Mitarbeiter von Thyssenkrupp am Hochofen im Stahlwerk Duisburg.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Einige Zeitbomben könnten der deutschen Wirtschaft das neue Jahr kräftig vermiesen. Doch es gibt auch ein paar Hoffnungsschimmer. Die EZB und der deutsche Arbeitsmarkt sollen es richten.

DüsseldorfDas neue Jahr beginnt ziemlich ungemütlich - zumindest aus Konjunktursicht. Anders als zu Beginn des vergangenen Jahres stehen die Vorzeichen für die Entwicklung der deutschen Volkswirtschaft diesmal denkbar schlecht. Der wichtigste Grund dafür lässt sich schnell benennen: Die Angst um den Zusammenhalt des Euro lähmt nicht nur Deutschland und Europa sondern die gesamte Weltwirtschaft.

Alle Prognosen, die nicht von einer Rezession in Deutschland ausgehen, stehen unter dem Vorbehalt, dass sich die Euro-Krise nicht weiter verschärft. Die Gefahr, dass dies passiert, ist dennoch groß. Mehrere Zeitbomben ticken. Jede kleine Nachricht reicht aus, um die Märkte in Schrecken zu versetzen, so lange es keine glaubwürdige Brandmauer um die großen Euro-Länder wie Italien und Spanien gibt. Anlass für negative Nachrichten gibt es viele. Zwei Beispiele: Alle Euro-Staaten müssen dem neuen Rettungsschirm ESM und den angestrebten Vertragsänderungen der EU zustimmen. Ob das in allen 17 Fällen so einfach gelingt, ist zumindest fraglich. Der Rückzug des griechischen Ministerpräsidenten Papandreou hat zudem gezeigt, wie labil die Regierungen in den angeschlagenen Euro-Ländern sind. Stürzt eine von ihnen, herrscht Chaos.

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Neues Ungemach droht auch von den Banken. Die Kreditinstitute müssen nach den neuen Regeln der europäischen Bankenaufsicht (EBA) ab Juni 2012 mehr risikogewichtetes Eigenkapital vorhalten. Einige haben bereits angekündigt, dass sie dieses Ziel durch eine Schrumpfung ihrer Bilanz erreichen wollen. Das bedeutet: Sie vergeben weniger Kredite oder könnten versuchen Staatsanleihen zu verkaufen. Ersteres schadet der Konjunktur - letzteres verschärft die Probleme der Euro-Länder am Anleihemarkt.

Gibt es trotzdem noch Hoffnung? Eine wichtige Rolle in der Krise kommt der Europäischen Zentralbank (EZB) zu. Sie hat den Banken erst vor kurzem kräftig unter die Arme gegriffen, indem sie ihnen nun fast zinslos Kredite zur Verfügung stellt. Die EZB hatte einen Fiskalpakt der Euro-Länder als Vorbedingung für ein stärkeres Eingreifen ihrerseits gemacht. Ob sie sich zu einem stärkeren Eingriff am Anleihemarkt durchringt, ist dennoch ungewiss. Eher könnte der neue EZB-Präsident Draghi nochmal an der Zinsschraube drehen. Nach seinem Amtsantritt hat er bereits zweimal die Zinsen gesenkt. Im kommenden Jahr könnte ein weiterer Zinsschritt folgen.


Institute senken ihre Prognosen

Zu einer natürlichen Stabilisation könnten auch fallende Öl- und Rohstoffpreise beitragen. Trotz der angespannten Wirtschaftslage notiert der Ölpreis noch deutlich über dem Niveau zu Jahresanfang. Das lag am Krieg in Libyen und dem Ausfall der dortigen Förderkapazitäten, an der Unsicherheit durch den arabischen Frühling und am Atomunglück in Fukushima. Dies waren jedoch eher kurzfristige Ereignisse. Auf mittlere Sicht dürfte auch der Ölpreis bei einer sich abschwächenden Weltkonjunktur fallen.

In Deutschland bietet vor allem der robuste Arbeitsmarkt Anlass zur Hoffnung. Obwohl sich das Beschäftigungswachstum verlangsamen wird, gehen die führenden Forschungsinstitute weiter von einer fallenden Arbeitslosigkeit aus. Dies stützt in Zeiten schwacher Exporte den Konsum und die Binnenkonjunktur.

Die Institute haben ihre Wachstumsprognosen für 2012 zuletzt kräftig nach unten revidiert. Sie rechnen mit einem Mini-Wachstum. Eine Rezession halten sie für unwahrscheinlich, sofern sich die Euro-Krise nicht weiter verschärft. Das Münchner ifo-Institut geht für 2012 von einem Wachstum von 0,4 Prozent aus. „Der Aufschwung ist zu Ende“, Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die tiefe Rezession wie 2009 nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers werde sich aber nicht wiederholen. „Wir fahren nicht vor die Wand.“ Das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands werde 2012 nur noch um magere 0,4 (2011: 3,0) Prozent zulegen - weniger als zuletzt noch gehofft. Das Hamburger HWWI-Institut rechnet mit 0,5 Prozent.

Damit kann Deutschland anders als die Euro-Zone, der eine Schrumpfung um 0,2 Prozent vorausgesagt wird, eine Rezession vermeiden. „Der Bau wird uns immer noch tragen“, so Sinn. Die historisch niedrigen Zinsen führten zu hohen Investitionen von Unternehmen. Auch der private Konsum stabilisiere die Lage. Ähnlich argumentieren die HWWI-Forscher.

Als Export-Nation leide Deutschland aber unter den schwächeren weltwirtschaftlichen Perspektiven. Global werde es 2012 nur noch um 3,3 (2011: 3,8) Prozent nach oben gehen. Impulse kämen weiter aus Schwellenländern wie Indien und China, während die USA und die meisten Industrieländer nicht so recht vom Fleck kämen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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