Konjunkturausblick: IWF schießt sich auf Europa ein

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Konjunkturausblick: IWF schießt sich auf Europa ein

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Die Schuldenkrise im Euro-Raum lodert weiter

Der Internationale Währungsfonds kritisiert: Die schwache Wirtschaft im Euro-Raum ziehe die Weltwirtschaft runter. Die EZB solle nun eingreifen.

Die lodernde Schuldenkrise im Euro-Raum lässt beim Internationalen Währungsfonds die Alarmglocken schrillen. Ein Grund dafür ist das drohende Abgleiten Frankreichs in die Rezession, wie der IWF am Dienstag im Weltwirtschaftsausblick betonte. Dem Eurozonen-Schwergewicht sagt der Fonds 2013 eine um 0,1 Prozent schrumpfenden Wirtschaftsleistung voraus: "Dies könnte Fragen aufwerfen hinsichtlich der Fähigkeit der Kernländer, den Randstaaten bei Bedarf zu helfen." Mittelfristig drohe der Euro-Zone eine andauernde Stagnationsphase. Beunruhigt sind auch Börsenprofis in Deutschland, das laut IWF auf Wachstumskurs bleibt. Das ZEW-Barometer für die Entwicklung der Wirtschaft in den nächsten sechs Monaten sackte ab.

"Die Aussichten für die Weltwirtschaft haben sich erneut verbessert, doch bleibt die Erholung in den Industrieländern holprig", lautet der Gesamtfazit des IWF. Kurzfristig bleibe Europa mit den zusätzlichen Unsicherheiten der Zypern-Entwicklung für die Finanzstabilität der Haupt-Risikofaktor. Der Europäischen Zentralbank legt der IWF eine geldpolitische Lockerung nahe, da in etlichen Krisenländern am Rande der Euro-Zone die Zinsen noch zu hoch seien. Ansonsten könnten Staaten wie Deutschland, denen es finanzpolitisch relativ gut gehe, ihre Spielräume nutzen und mehr für das Wachstum tun, empfiehlt der Fonds. Er schraubte seine Wachstumsprognose für Deutschland für das laufende Jahr leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 0,6 Prozent nach oben und rechnet für 2014 mit plus 1,5 Prozent.

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Die vom IWF erwartete Rezession im Euro-Raum von 0,3 Prozent in diesem Jahr spiegelt dem Fonds zufolge nicht nur Schwächen am Rande des Währungsraumes wider. Mit Blick auf Frankreich hieß es, inzwischen habe "eine gewisse Schwäche" auch den Kern der Euro-Zone erreicht. Frankreich macht derzeit die hohe Arbeitslosigkeit zu schaffen, die Wirtschaft steht bereits mit einem Bein in der Rezession.

Wachstum Au Revoir Frankreich senkt Konjunkturprognose

Erneut muss Frankreich seine Wirtschaftszahlen korrigieren. Kein Wachstum, immer weiter steigende Arbeitslosigkeit und ein zu hohes Staatsdefitizit: Frankreich wird zum Problemfall der Euro-Zone.

huGO-BildID: 30500147 French Finance Minister Pierre Moscovici attends a meeting at the French National School of Administration in Strasbourg, April 4, 2013. REUTERS/Jean-Marc Loos (FRANCE - Tags: POLITICS BUSINESS HEADSHOT) Quelle: REUTERS

Frankreich dringt auf Lohnerhöhungen in Deutschland

Die Regierung in Paris hat Reformbedarf eingeräumt und will sich dabei von den vor zehn Jahren in Deutschland eingeleiteten Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010 anregen lassen. Dennoch sieht Industrieminister Arnaud Montebourg zur Überwindung der wirtschaftlicher Ungleichgewichte in Europa primär Deutschland am Zug: Dort müsse es kräftige Lohnerhöhungen geben, forderte der sozialistische Politiker in der "Rheinischen Post". Die deutsche Wirtschaft habe sich über viele Jahre mit Lohnzurückhaltung einen Wettbewerbsvorteil verschafft und heute einen gewaltigen Exportüberschuss gegenüber seinen Partnern. Dieses Ungleichgewicht sei auf Dauer ökonomisch unhaltbar und gefährlich. Frankreich dringe daher darauf, "dass es hier zu einer Angleichung zwischen den Ländern kommt". Das Thema ökonomische Ungleichgewichte dürfte auch bei der Frühjahrstagung des IWF und der Weltbank am Wochenende in Washington zur Sprache kommen.

Laut IWF führt der Weg in Italien und Spanien dieses Jahr noch tiefer in die Rezession. Die Anleger halten Spanien trotz der düsteren Konjunkturaussichten jedoch weiter die Stange: Das Land kam so günstig an frisches Geld wie seit drei Jahren nicht mehr. Die Renditen für Geldmarktpapiere mit einer Laufzeit von sechs Monaten sowie einem Jahr sanken auf 0,53 Prozent beziehungsweise 1,235 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit Frühjahr 2010.

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Anders als Europa sagte der IWF den USA ein solides Wachstum voraus. Japan werde wegen seiner super-expansiven Geld- und Fiskalpolitik deutlich an Wachstumskraft gewinnen. In China bleibe es trotz minimaler Einbußen bei hohen Zuwachsraten. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs von Januar bis März allerdings nur um 7,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit nicht so stark wie erwartet. Diese Schwäche des fünftgrößten Handelspartners von Deutschland bekamen auch die hiesigen Exporteure zu spüren, deren Umsätze im Februar um 1,5 Prozent einbrachen.

Enttäuschende Daten wie diese haben dem Konjunkturoptimismus der Börsianer einen empfindlichen Dämpfer verpasst. Das ZEW-Barometer für die Entwicklung der Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten fiel im April um 12,2 auf 36,3 Punkte, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu seiner Umfrage unter Anlegern und Analysten mitteilte. Dennoch herrsche keine Skepsis vor, betonte ZEW-Präsident Clemens Fuest: "Im Grundsatz bleiben die Finanzmarktexperten positiv gestimmt, aber weniger optimistisch als im Vormonat. Der große Vertrauens-Einbruch, den einige Experten nach der Zypern-Krise befürchtet hatten, sei nicht zu sehen, meint Carsten Brzeski von der Bank ING.

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