Konjunkturflaute: Angst vor der Deflation

KommentarKonjunkturflaute: Angst vor der Deflation

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Der Absturz des Ifo-Weltwirtschaftsklimas im vierten Quartal zeigt: Die Wirtschaft befindet sich in einer globalen Rezession. Kein Land kann sich dem Abwärtssog entziehen. Der Einbruch lässt auch die Inflationsraten sinken. Schon bald dürften daher wieder Ängste vor einer Deflation aufkommen.

Der Kollaps des heute vom Münchner Ifo-Institut veröffentlichten Indikators für das Weltwirtschaftsklima von 73,4 auf 60 Punkte im vierten Quartal dürfte auch den letzten Zweifler überzeugen: Die Wirtschaft befindet sich in einer globalen Rezession. Die vom Ifo-Institut rund um den Globus befragten Experten schätzen nicht nur die aktuelle Lage schlechter ein als im Vorquartal. Auch die Erwartungen für die nächsten Monate gehen zurück. Ein schnelles Ende der Malaise ist somit nicht in Sicht.  Ifo zufolge betrifft die Klimaabkühlung nicht nur die großen Wirtschaftszentren Nordamerika, Westeuropa und Asien, sondern auch Russland, Osteuropa, Lateinamerika und Australien.

Die globale Nachfrageschwäche hat die Rohstoffpreise auf Talfahrt geschickt. Entsprechend bilden sich die Teuerungsraten rasant zurück. In den USA sind die Verbraucherpreise im Oktober um einen Prozent gegenüber dem Vormonat gesunken – so stark wie seit 60 Jahren nicht mehr. Die Inflationsrate im Vorjahresvergleich purzelte von 4,9 auf 3,7 Prozent. In Deutschland sank die Inflationsrate im Oktober auf 2,4 Prozent, in Euroland auf 3,2 Prozent.

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In den nächsten Monaten werden die Teuerungsraten weiter zurückgehen. Mitte nächsten Jahren wird die Teuerung in Deutschland wohl unter einen Prozent fallen, in den USA dürfte sie nur wenig höher liegen. Manche Ökonomen halten es sogar für möglich, dass das Verbraucherpreisniveau unter das Vorjahresniveau fällt. Die Ängste vor einer Deflation – einem dauerhaften Rückgang des Preisniveaus wie in der großen Depression in den 1930er Jahren – dürften dann wieder erwachen. 

Auch wenn ein temporärer Rückgang des Preisniveaus nicht auszuschließen ist - eine Deflationshysterie wäre verfehlt und gefährlich. Denn es ist in erster Linie das Auf und Ab des Ölpreises, welche die extremem Schwankungen der Teuerungsrate verursachen. Erinnern wir uns: Vor rund einem halben Jahr grassierte weltweit noch die Angst vor Inflation. Viele Zentralbanken, darunter auch die EZB, haben darauf mit steigenden Leitzinsen reagiert. Jetzt geht es in die andere Richtung. Der Kollaps des Ölpreises lässt die Inflationsraten genauso schnell wieder sinken, wie sie zuvor gestiegen  sind.

Selbst wenn die Teuerungsrate in den nächsten Monaten daher ein negatives Vorzeichen tragen sollte, dürfen die Zentralbanker den Kopf nicht verlieren. Schon einmal, nach dem Platzen der Dotcom-Blase Anfang dieses Jahrzehnts, grassierte im Zuge der rezessiven Entwicklungen die Angst vor Deflation an den Finanzmärkten. Damals schleusten die Währungshüter der US-Notenbank und der EZB die Zinsen hastig nach unten. Selbst als die Wirtschaft sich wieder erholte, hielten sie die Leitzinsen noch lange auf niedrigem Niveau, um den vermeintlichen Deflationsgefahren zu begegnen. Mit fatalen Folgen: Die zu lange betriebene Niedrigzinspolitik legte das Fundament für die weltweite Immobilienblase, deren Platzen die Weltwirtschaft jetzt in die Rezession stürzt.

Die Notenbanken sollten daher aus ihren Fehlern lernen. Sie dürfen einen durch sinkende Rohstoffpreise ausgelösten temporären Rückgang des Verbraucherpreisniveaus nicht mit einem dauerhaften Abrutschen der Verbraucherpreise verwechseln. Der nämlich ist angesichts der reichlichen Liquidität, die die Notenbanken in den vergangenen Monaten in die Wirtschaft gepumpt haben, nicht zu erwarten. Sobald sich die Weltwirtschaft wieder erholt, müssen die Währungshüter daher die Liquiditäts-Milliarden wieder einsammeln. Wenn nicht, droht uns schon bald die nächste Blase – mit verheerenden Folgen.

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