Konjunkturkommentar: Aus der Traum vom ewigen Aufschwung

kolumneKonjunkturkommentar: Aus der Traum vom ewigen Aufschwung

Kolumne

Der Rückgang der Frühindikatoren zeigt: Deutschland steuert auf einen Abschwung zu. Der dürfte länger anhalten als erwartet – und auch die Kanzlerin in Bedrängnis bringen.

Ein paar Monate durfte Angela Merkel träumen. Davon, dass der üble Höhenflug der Öl‧preise, der starke Euro, die steigenden Zinsen und die abflauende Weltkonjunktur der deutschen Wirtschaft nichts anhaben können. Doch jetzt hat es sich ausgeträumt. Der Einbruch des ifo-Geschäftsklimaindex im Juni auf den tiefsten Stand seit Dezember 2005 hat die Regierung auf den harten Boden der Realitäten zurückgeholt. Die Stimmung in den deutschen Unternehmen ist angesichts der Belastungsfaktoren regelrecht weggeknickt.

Das zeigt, dass die deutsche Wirtschaft nicht immun ist gegen den weltwirtschaftlichen Schwächevirus. Zwar haben sich die Unternehmen in den vergangenen Jahren durch Rationalisierungsprogramme fit gemacht. Dank ihres Exportsortiments reüssieren sie zudem besonders auf den Märkten der nachfragestarken Schwellenländer. Doch das reicht nicht, um die schwindende Nachfrage auf den wichtigsten Absatzmärkten in Europa und Nordamerika wettzumachen.

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In großen Handelspartnerländern wie den USA, Italien, Großbritannien und Spanien befindet sich die Wirtschaft kurz vor oder bereits in der Rezession, in Frankreich verschärft sich der Abschwung dramatisch. Die weltweite Schwäche wird auch die deutsche Wirtschaft mit in die Tiefe reißen. Denn die Binnennachfrage ist wegen der Lethargie der Verbraucher nicht in der Lage, den Bremsimpulsen aus dem Ausland ein adäquates Gegengewicht entgegenzusetzen. Das Münchner ifo Institut erwartet daher, dass sich das Wachstum von 2,4 Prozent in diesem Jahr auf nur noch ein Prozent 2009 reduzieren wird. Deutschland dürfte damit wieder hinter den Euro-Raum (1,5 Prozent) zurückfallen, prognostizieren die ifo-Ökonomen.

Die Kanzlerin muss sich also darauf einstellen, den Bundestagswahlkampf 2009 mitten in einem formidablen Abschwung führen zu müssen. Weil die Arbeitslosenzahlen dann wieder steigen, könnten die Popularitätswerte der Kanzlerin wie Schnee in der Sonne schmelzen. Und es wird sich zeigen, welch verhängnisvoller Fehler es war, der SPD bei ihrem Rückbau der Agenda 2010 zu folgen und nichts zu unternehmen, um die Wirtschaft durch Reformen resistenter gegen den nächsten Abschwung zu machen.

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