Konjunkturkommentar: Der Arbeitsmarkt hinkt hinterher

kolumneKonjunkturkommentar: Der Arbeitsmarkt hinkt hinterher

Kolumne

Noch schaffen die Unternehmen in Deutschland per saldo neue Arbeitsplätze. Doch das dürfte sich bald ändern. Die Bundesregierung ist darauf schlecht vorbereitet.

So angenehm wie in den vergangenen zwei Jahren war der Job von Frank-Jürgen Weise schon lange nicht mehr. Monat für Monat konnte der Chef der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit die frohe Botschaft verkünden, dass es wieder mehr Arbeitsplätze in Deutschland gebe. Seit Anfang 2006 hat die Wirtschaft rund 1,4 Millionen neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen. Rechnet man die Selbstständigen hinzu, entstanden sogar 1,5 Millionen neue Jobs. Tag für Tag schafft die deutsche Wirtschaft 1000 neue Arbeitsplätze, frohlockt auch Jürgen Thumann, Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie. Doch wie passen diese Zahlen zu den aktuellen Meldungen aus den Unternehmen, die immer öfter von Stellenstreichungen berichten? So will die Deutschen Telekom bis 2010 rund 12.000 Arbeitsplätze abbauen, BMW plant in diesem Jahr 7500 Stellen zu streichen, und bei der HypoVereinsbank sollen bis 2011 rund 2500 Mitarbeiter weniger auf der Gehaltsliste stehen.

Der Widerspruch zwischen den guten Zahlen aus Nürnberg und den schlechten Nachrichten aus den Unternehmen erklärt sich dadurch, dass der deutsche Arbeitsmarkt wegen seiner rigiden Strukturen der Konjunktur um rund ein halbes Jahr hinterherhinkt. Wenn es mit der Wirtschaft bergauf geht, dann trauen die Firmen dem Braten zuerst nicht. Wegen des restriktiven Kündigungsschutzes zögern sie, neue Arbeitskräfte einzustellen. Geht die Wirtschaft auf Talfahrt, halten die Firmen ihre Beschäftigung zunächst noch konstant, weil Entlassungen wegen der Kosten für Sozialprogramme und Abfindungen teuer sind. Die günstigen Arbeitsmarktdaten aus Nürnberg gleichen daher einem Blick in den konjunkturellen Rückspiegel. Sie reflektieren die gute Konjunktur, die im Herbst vergangenen Jahres in Deutschland noch herrschte. Wer jedoch in die Zukunft blicken will, sollte sein Augenmerk auf die Stellenpläne der Betriebe für die nächsten Monate richten. Die schwache Weltkonjunktur, der hohe Ölpreis, der teure Euro und die steigenden Lohnkosten zwingen die Firmen, bei den Personalkosten zu sparen. Für die Bundesregierung dürfte es daher bald ein böses Erwachen geben. Denn sie hat ihren Haushaltsplänen steigende, nicht sinkende Beschäftigungszahlen zugrunde gelegt.

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