Konjunkturkommentar: Deutschland - Europas neuer Superstar?

kolumneKonjunkturkommentar: Deutschland - Europas neuer Superstar?

Kolumne

Die Finanzkrise tobt, Amerika und einige Länder in Europa sind auf Rezessionskurs. Nur Deutschland scheint wie ein Fels in der Brandung zu stehen. Wie lange noch?

Es ist schon faszinierend. Da brechen um uns herum die Finanzmärkte ein, und im Kielwasser der US-Wirtschaft segeln auch auf dem alten Kontinent Länder wie Großbritannien, Italien und Spanien auf Rezessionskurs. Nur Deutschland, vor wenigen Jahren noch als „kranker Mann Europas“ gescholten, scheint von all dem weitgehend unberührt zu bleiben. Der Export läuft noch gut, die Industrieproduktion steigt, die Firmen schaffen Jobs, und die Experten korrigieren ihre Wachstumsprognose für das erste Quartal auf 0,5 bis 0,8 Prozent nach oben. Der ifo-Index, wichtigster Frühindikator für die deutsche Konjunktur, ist im März zum dritten Mal in Folge gestiegen, traditionell ein Zeichen für eine konjunkturelle Trendwende nach oben. Auch bei den vielbeachteten Einkaufsmanagerindizes führt Deutschland ein Eigenleben. Während die Indizes etwa für Italien und Spanien im Keller sind, klettert der Länderindex für Deutschland munter weiter nach oben.

Deutschland, Europas neuer Supermann? Auch wenn so viel konjunkturelle Widerstandskraft unserem Selbstbewusstsein nach all den Jahren der wirtschaftlichen Stagnation gut tut, sollten wir uns vor Euphorie hüten. Sicher, die Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren restrukturiert, die mehrjährige Lohnzurückhaltung hat ihnen geholfen, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Außerdem liefern wir die richtigen Produkte in die richtigen Länder. Der Anteil der Wachstumsregionen Osteuropa und Asien an den deutschen Exporten liegt mit 26 Prozent deutlich höher als in anderen Ländern des Euro-Raums. Und unsere Maschinen, Anlagen und Autos sind in den stark wachsenden Schwellenländern sehr begehrt. Zudem hat sich in Deutschland in den vergangenen Jahren keine Immobilienblase gebildet, die nun platzen könnte. Das alles hat uns bisher eine Sonderkonjunktur beschert.

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Doch wenn nach den USA jetzt auch große EU-Staaten ins Trudeln geraten, werden wir das bald zu spüren bekommen. Immerhin gehen mehr als die Hälfte unserer Exporte nach Europa. Dann wird sich zeigen, dass unsere Binnennachfrage zu schwach ist, um dem Gegenwind der Weltwirtschaft Paroli bieten zu können – und dass uns die Schuhe eines Supermanns doch noch einige Nummern zu groß sind.

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