Konjunkturkommentar: Die Lage nicht eskalieren lassen

kolumneKonjunkturkommentar: Die Lage nicht eskalieren lassen

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

Kolumne

In der deutschen Metall- und Elektroindustrie bahnt sich ein beinharter Tarifkampf an. Das ist in konjunkturellen Krisenszeiten doppelt gefährlich.

Der Fahrplan steht: An diesem Montag tagt in Frankfurt der Vorstand der IG Metall, um seine traditionelle „Forderungsempfehlung“ an die Gewerkschaftsbezirke bekannt zu geben. Am 23. September dann will die Gewerkschaft endgültig beschließen, wie viel mehr Lohn sie in der Tarifrunde für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie herausholen will. Wohin die Reise geht, ist klar: Laut IG-Metall-Boss Berthold Huber wird die Forderung über jenen 6,5 Prozent liegen, die sich die Metaller 2007 auf die Fahnen schrieben. Intern ist von sieben bis acht Prozent die Rede.

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Das lässt für die Tarifrunde nichts Gutes erahnen. Weil die IG Metall einen Verzicht auf die vierwöchige Friedenspflicht durchsetzte, könnte es schon Anfang November zu ersten Arbeitsniederlegungen kommen. Angesichts der drohenden Rezession und den mauen Wachstumsaussichten 2009 sind Arbeitskämpfe und explodierende Arbeitskosten aber so ziemlich das Letzte, was die Unternehmen gebrauchen können.

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Das Problem für die IG Metall ist die Erwartungshaltung ihrer Mitglieder: Andere Gewerkschaften haben 2008 bereits satte Zuwächse erstritten. In der Chemieindustrie gab es 4,4 Prozent, im öffentlichen Dienst brachte ein über zwei Jahre laufendes Tarifpaket den Beschäftigten einen Verdienstzuwachs von rund acht Prozent. Daher steht die IG Metall unter Zugzwang und kann sich schon aus organisationspolitischen Gründen kein moderates Auftreten leisten. Schließlich ist es ihr erklärtes Ziel, 2008 nach Jahren des Siechtums endlich wieder schwarze Mitgliederzahlen zu schreiben. Dass sich die Manager vieler Konzerne 2008 erneut die Gehälter kräftig erhöhten, macht die Verhandlungen auch nicht gerade einfacher.

Es ist keine Frage, dass den Arbeitnehmern der Metallindustrie ein ordentlicher Anteil am Erfolg ihrer Unternehmen gebührt, deren Geschäfte insgesamt (noch) gut laufen. Richtig ist aber auch, dass Metaller nirgendwo in der Welt so gut bezahlt werden wie in Deutschland – und dass ihre Löhne in den vergangenen Jahren deutlich stärker stiegen als in anderen Branchen. Es wäre daher kein Zeichen von Schwäche, wenn Huber und seine Truppe die Lage nicht eskalieren lassen. Es wäre ein Akt wirtschaftspolitischer Weisheit.

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