Konjunkturkommentar: Kehrt der Dollar zu alter Stärke zurück?

Konjunkturkommentar: Kehrt der Dollar zu alter Stärke zurück?

Die Kursgewinne des Dollar gegenüber Euro und Yen sind kein Zeichen für eine rasche Erholung der US-Wirtschaft – sondern für eine bevorstehende Rezession in Europa und Japan.

So schnell kann es gehen. Gerade hatten wir uns an einen starken Euro gewöhnt, da geht die Gemeinschaftswährung schon wieder in die Knie. Und das mit einem Tempo, das selbst den Routiniers an den Devisenmärkten die Sprache verschlägt. Nur vier Wochen ist es her, da kratzte der Wechselkurs des Euro noch an der Marke von 1,60 zum Dollar. Jetzt kostet die Gemeinschaftswährung weniger als 1,50 Dollar. Nicht ganz so drastisch, aber trotzdem eindrucksvoll verlief die Kursentwicklung des Dollar zum Yen. Mitte März kostete ein Dollar gerade mal 97 Yen, vergangene Woche waren es schon 109 Yen. Mit einer so schnellen und kräftigen Änderung der Währungsrelationen hatte an den Finanzmärkten niemand gerechnet. Fieberhaft suchen die Experten daher nach Erklärungen für die Volten, die die Märkte schlagen. Eine Theorie lautet, der wieder erstarkte Dollar sei den raschen Reaktionen der amerikanischen Notenbank und der Regierung zu verdanken, die mit Zinssenkungen und Steuererstattungen das Fundament für eine rasche Wiederbelebung der US-Konjunktur gelegt hätten. Da Währungen eine Art Aktie eines Landes darstellten, nehme der Dollar den bevorstehenden Wiederaufstieg der amerikanischen Konjunktur vorweg. Zweifel an dieser Erklärung sind angebracht. Die Zinssenkungen der US-Notenbank haben zwar den Absturz der US-Wirtschaft abgefedert. Doch mit ihrer Niedrigzinspolitik flutet die Fed die Wirtschaft schon wieder mit Liquidität und legt so die Basis für neue Preisblasen. Und die Steuererstattungen der Regierung sind bisher ohne nennenswerte Wirkungen geblieben, weil die Bürger das Geld lieber sparen, als es für Großeinkäufe auf den Kopf zu hauen. Nein, wäre der Dollar tatsächlich die Aktie der USA, müsste er eher sinken als steigen!

Hinter den Wechselkursverschiebungen dürfte daher etwas anderes stecken. Es ist die Einsicht, dass die These von der Abkoppelung Europas von den USA ein Ammenmärchen war und das Rezessionsvirus von den USA auf Europa und Japan übergesprungen ist. Das heißt, dass der nächste Zinsschritt der Europäischen Zentralbank nach unten gehen wird. Das schmälert die Attraktivität des Euro und drückt auf dessen Kurs. Die vermeintliche Stärke des Dollar ist also in Wahrheit eine Schwäche von Euro und Yen.

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