Konjunkturkommentar: Kein Geld unter der Matratze

kolumneKonjunkturkommentar: Kein Geld unter der Matratze

Kolumne

Die Bundesbürger haben ihr Vertrauen in die Banken nicht verloren - im Gegenteil, sie sparen mehr denn je. Die Motive hierfür sind jenseits der aktuellen Krise zu suchen.

Wer glaubte, die Bundesbürger trauten in Zeiten der Finanzkrise ihren Banken nicht mehr, muss sich eines Besseren belehren lassen: Die Deutschen sparen derzeit so viel wie lange nicht mehr. Das berichten rechtzeitig zum Weltspartag am 30. Oktober die Postbank und der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken in zwei neuen Studien. Danach hat die Sparquote der privaten Haushalte - der Anteil der Ersparnisse am Einkommen - 2008 deutlich zugelegt und wird aller Voraussicht nach erstmals seit 13 Jahren wieder über die Elf-Prozent-Marke klettern. Der seit Jahren anhaltende Aufwärtstrend setzt sich damit fort und macht die Deutschen hinter den Franzosen zu den fleißigsten Sparern Europas. Das sind wichtige Zahlen, denn sie belegen, dass selbst in der aktuellen Vertrauenskrise des Finanzsystems die Bürger nicht in Panik verfallen und ihr Geld unter die Matratze schieben, sondern ihre Einlagen bislang als sicher ansehen. Es ist diesmal also anders als in den Dreißigerjahren, als die Depression aus den USA herüberschwappte und auch hierzulande die Schlangen vor den Schaltern anschwellen ließ.

In der jetzigen Krise scheint nicht Entsparen, sondern Umschichten in sichere Anlagen wie Bundeswertpapiere und Termineinlagen die Strategie. Die deutsche Finanzagentur, die die Schuldenaufnahme des Bundes managt, kann sich derzeit vor Anfragen kaum retten. In der Spitze rufen täglich 40.000 Anleger an.

Anzeige

Die Gründe für den stetigen Anstieg der Sparquote sind in der Zukunft zu suchen: Da ist zum einen die wachsende Sorge der Bürger, im Alter könnte das Geld nicht reichen. Mittlerweile sind in Deutschland rund 11,5 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen, alleine 800.000 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.

Neu hinzu kommt aber auch die Furcht vor einem konjunkturellen Abschwung infolge der Finanzkrise, der das Bedürfnis nach einem finanziellen Sicherheitspolster größer werden lässt. „Vorsichtssparen“, nennen die Experten dies. Der Reflex ist offenbar so stark, dass ihn noch nicht einmal die gestiegene Inflation bremsen kann, die Ersparnisse entwertet.

Hier beißt sich allerdings die Katze in den Schwanz: Wie soll die Konjunktur wieder anspringen, wenn der inländische Konsum durch das Vorsichtssparen der Bürger ausgebremst wird? Immerhin machen die privaten Konsumausgaben rund 57 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts aus. Daran schließt sich die Frage an, was ein Konjunkturpaket bringen kann, das auf Steuererleichterungen für Konsumenten setzt. Die Entlastung dürfte zumindest zu einem Teil in die Sparsäckel wandern – und wäre damit verpufft.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%