Konjunkturkommentar: Vorsicht vor dem anti-liberalen Zeitgeist

kolumneKonjunkturkommentar: Vorsicht vor dem anti-liberalen Zeitgeist

Kolumne

Die US-Finanzkrise diskreditiert das Prinzip freier Märkte und lässt den Ruf nach mehr staatlicher Regulierung lauter werden. Beides ist gefährlich.

Die eskalierende Finanzkrise, die wie die Fliegen umkippenden US-Institute und auch die depperte 300-Millionen-Euro-Überweisung der deutschen KfW an die Pleitiers von Lehman Brothers haben die Debatte um eine stärkere Kontrolle der Finanzbranche wieder angeheizt. Und das zu Recht. Ein „weiter so“ darf es nicht geben, an schärferen Eigenkapitalvorschriften etwa führt kein Weg vorbei.

Doch wenn jetzt immer lauter der Ruf nach mehr Staat, mehr Aufsicht und mehr Regulierung erschallt, ist gleichsam Vorsicht geboten. Über das Einfalltor Finanzkrise droht eine neue Staatsgläubigkeit und ein anti-liberaler Zeitgeist um sich zu greifen, der Marktgesetze, Wettbewerb und kapitalistisches Wirtschaften per se gleichsetzt mit gierigem Spekulantentum. Das ist, allen unbestreitbaren Auswüchsen zum Trotz, gefährlich. Wer das nicht glaubt, sollte eine neue Studie lesen, die 52 Forschungsinstitute aus aller Welt am vergangenen Dienstag in Hongkong präsentierten. Die Arbeit trägt den Titel „Economic Freedom of the World“ und untersucht den wirtschaftlichen Freiheitsgrad in 141 Staaten. Es ging um Faktoren wie Staatsquote, Handelsfreiheit, Eigentumsrechte, Geldwertstabilität und staatliche Regulierung, etwa des Finanz- und Arbeitsmarktes. Deutschland liegt in der Gesamtwertung auf Platz 17, zwei Ränge schlechter als im Vorjahr. Gute Noten gibt es für Rechtsstaatlichkeit und Außenhandelsfreiheit. Letzteres ist für den Exportweltmeister wenig überraschend. Mit unserem hoch regulierten und wenig dynamischen Arbeitsmarkt aber landen wir auf Platz 124.

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Spannend sind deshalb vor allem die Schlüsse, die sich aus dieser Studie ziehen lassen. Staaten mit hohem Freiheitsgrad wachsen eindeutig stärker als regulierte Staatswirtschaften und ziehen mehr Investitionen an. Und davon profitiert eben nicht nur eine kleine Elite: Wirtschaftliche Freiheit senkt auch die Einkommensunterschiede. So hat laut Studie in den freieren Ländern das ärmste Zehntel der Bevölkerung ein durchschnittliches Einkommen von 8730 Dollar – in den unfreieren Staaten nur 961 Dollar. Das sollten all jene wissen, die in diesen schwierigen Zeiten im Staat den neuen Heilsbringer sehen.

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