Konjunkturkrise: Nobelpreisträger Krugman kritisiert die deutsche Krisenpolitik

Konjunkturkrise: Nobelpreisträger Krugman kritisiert die deutsche Krisenpolitik

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So sehe ich es: Nobelpreisträger Paul Krugman während der traditionellen Vorlesung in Stockholm

Kurz vor der Verleihung des Nobelpreises mischt sich Paul Krugman noch in die deutsche Konjunktur-Debatte ein. Sein knappes Urteil liegt auf der Linie der meisten EU-Partner: Merkel und Steinbrück tun zu wenig gegen die Krise.

Der US-Ökonom Paul Krugman (55) hatte heute in Stockholm seinen großen Tag: er nahm den „Nobel-Gedächtnispreis“ für Wirtschaftswissenschaften in Empfang.

Zuvor aber tat der Professor aus Princeton, was er seit Jahren tut: Er kritisierte die Politik – im Internet. Der langjährige Kritiker des US-Präsidenten George W. Bush und prominente Blogger für die „New York Times“ hat sich diesmal aber ein anderes Ziel ausgesucht: die Politik der deutschen Bundesregierung.

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Krugmans kurze, aber heftige Abrechnung mit der Politik Merkels, die heute morgen online ging, trägt den Titel „Das deutsche Problem“. „In einer Zeit, in der eine Ausgabenpolitik verzweifelt benötigt wird“, schreibt Krugman, „scheinen die führenden Politiker der größten europäischen Wirtschaftsnation ihren Kopf in den Sand zu stecken.“

Dabei gäbe es gerade in Europa ein gewaltiges Bedürfnis nach koordinierter Politik. Der Grund: Die Fiskalpolitik jedes europäischen Landes hätte in erster Linie Auswirkungen auf seine Nachbarn, schreibt Krugman. So würden höhere Ausgaben und größere Nachfrage in Europa allen gegenseitig zu Gute kommen. Aber, so Krugman: „Die Deutschen machen nicht mit.“ Nichts also mit Koordination.

Aus dem Ivy-League-Ökonomen Krugman ist längst eine streitbare, öffentliche Stimme geworden.

Krugmans profilierte Kritik, die er seit Jahren im Blog „Das Gewissen eines Liberalen“ aufschreibt, ist nicht nur Sendungs-, sondern nicht zuletzt einem ordentlichen Selbstbewusstsein geschuldet.

So bekannte er in Stockholm ohne Umschweife, er habe „eigentlich schon seit einigen Jahren ziemlich sicher“ mit dem Wirtschafts-Nobelpreis gerechnet. Mit seinen revolutionären wie realitätsnahen Untersuchungen zur Theorie des Außenhandels und zur Wirtschaftsgeografie galt er tatsächlich seit Jahren als Anwärter auf die Auszeichnung.

Die machen ihn nun wohlhabend. Bei der feierlichen Zeremonie bekam Krugman aus der Hand von Schwedens König Carl XVI. Gustaf neben dem Diplom auch die Dotierung über zehn Millionen Kronen, knapp 950.000 Euro, überreicht.

Aus der Kritik spricht dann auch der alte Theoretiker, der heute ausgezeichnet wurde. Den nirgendwo sonst – das ist wohl der Hintergrund er Krugmanschen Polemik – sind die Staaten enger durch gegenseitigen Waren- und Dienstleistungsaustausch verbunden als in Europa. Krugman kündigte online an, seine Kritik zu vertiefen – „wenn dafür wieder Zeit ist“. Man darf gespannt sein.

Bei seinen Stockholmer Auftritten in den Tagen vor der Nobelpreis-Zeremonie hatte sich Krugman bereits in die Debatte um US-Autohilfen eingemischt. Er sprach sich dabei für Hilfen an die akut bedrohte amerikanische Autoindustrie aus. Ob dies die Konzerne aber auf Dauer vor dem endgültigen Aus retten könne, sei zweifelhaft.

Aus dem Ivy-League-Ökonomen ist längst eine streitbare, öffentliche Stimme geworden. Auch dafür, so meinten viele Kommentatoren, ist er ausgezeichnet worden.

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