Konjunkturprognose: Bundesregierung erwartet 2016 mehr Wachstum

Konjunkturprognose: Bundesregierung erwartet 2016 mehr Wachstum

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Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat am Freitag die aktualisierte Konjunkturprognose der Bundesregierung vorgestellt.

Die Bunderegierung korrigiert ihre Konjunkturprognose für das aktuelle Jahr leicht nach oben. Für 2017 erwartet sie hingegen schwächeres Wachstum.

Die Bundesregierung geht trotz eines schwierigen außenwirtschaftlichem Umfelds weiter von einem robusten Wachstum der deutschen Wirtschaft aus. Für das laufende Jahr hob sie das erwartete Wachstum leicht von 1,7 auf 1,8 Prozent an. Für das nächste Jahr korrigierte sie ihre Projektion von 1,5 auf 1,4 Prozent leicht nach unten. Das geht aus der Herbstprognose hervor, die Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) am Freitag in Berlin vorstellte. „Es ist bemerkenswert, wie robust die deutsche Wirtschaft wächst“, sagte Gabriel.

Die schwarz-rote Koalition liegt mit ihrer Konjunkturprojektion etwa auf Linie mit den führenden Wirtschaftsinstituten. Diese hatten ihre bisherige Schätzung für 2016 Ende September von 1,6 Prozent auf 1,9 Prozent angehoben. Für 2017 erwarten auch sie einen Zuwachs um 1,4 Prozent. Der Rückgang des Wachstums in 2017 liegt nach Gabriels Worten an den vielen Feiertagen.

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Auch der Arbeitsmarkt entwickle sich trotz des schwachen außenwirtschaftlichen Wachstums und des Flüchtlingszuzugs weiterhin erfreulich, sagte der SPD-Chef. Im Jahr 2018 werden demnach 44,3 Millionen Menschen erwerbstätig sein, noch einmal an die 1,3 Millionen mehr als noch im Jahr 2015 und ein neues Rekordniveau. Dabei nähmen die prekären Arbeitsverhältnisse weiter ab, sagte Gabriel. Die Arbeitslosigkeit werde bis 2018 auf 2,63 Millionen sinken - etwa 160.000 Arbeitslose weniger als im Jahr 2015. Die Arbeitslosenquote liege damit unter sechs Prozent. Vor dem Hintergrund der Zuwanderung sei dies keineswegs selbstverständlich.

Konjunktur Produktion der deutschen Industrie legt kräftig zu

Die Produktion im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands hat im August deutlich zugelegt. Ausschlaggebend für das gute Ergebnis war insbesondere die Industrieproduktion.

Der Schriftzug «Made in Germany» auf der Rückseite eines Satellitenempfängers Quelle: dpa

„Die deutsche Wirtschaft behauptet sich damit in einem vor allem außenwirtschaftlich sehr schwierigen Umfeld.“ Die Weltwirtschaft laufe nach wie vor nicht rund. Hinzu kämen die Folgen der Brexit-Entscheidung, die in weiten Bereichen noch nicht absehbar seien. „Kurzfristig sind die konjunkturellen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft aber begrenzt.“ Er beobachte mit Sorge, dass weltweit Handelshemmnisse eher auf- als abgebaut würden. Für die Exportnation Deutschland seien aber offenen Märkte und Gesellschaften wichtig, machte Gabriel deutlich.

Zum Handelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA sagte der Minister, er glaube, dass es in diesem Jahr zu keinem Abschluss mehr komme. Wenn man TTIP haben wolle, müsse man nach den US-Wahlen einen neuen Anlauf nehmen. Die Globalisierung brauche Regeln, das sei mit Kanada gelungen, mit den USA noch nicht, fügte er hinzu.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Zu den Problemen der Deutschen Bank sagte Gabriel, dass die Bundesregierung Interesse habe, dass die Deutschen Bank wieder ein international erfolgreiches Geldinstitut wird, ist doch klar. Über staatliche Eingriffe, um der Bank wieder auf die Beine zu helfen, wollte er aber nicht spekulieren.

Steigende Beschäftigung und gute Lohnentwicklung sorgten bei stabilen Preisen dafür, dass die günstige wirtschaftliche Entwicklung auch bei den Bürgern ankomme, sagte Gabriel. Und die wirtschaftliche Stärke helfe, die großen Herausforderungen zu meistern, vor denen Deutschland stehe - sei es, Europa eine neue Wachstumsperspektive zu geben, die Auswirkungen des Brexits zu bewältigen oder Flüchtlinge aus Krisenregionen aufzunehmen, zu integrieren und gleichzeitig die Gesellschaft zusammenzuhalten.

Konjunkturprognose Fünf Wirtschaftsinstitute, eine Gemeinschaftsdiagnose

Aus vier mach fünf: Normalerweise wählt das Wirtschaftsministerium vier der fünf großen Wirtschaftsinstitute für die gemeinsame Konjunkturprognose aus. Jetzt sind alle Institute dabei. Für sie lohnt sich das finanziell.

Alle fünf großen Wirtschaftsinstitute sind bei der Gemeinschaftsdiagnose dabei. Quelle: dpa

Der Bundesregierung zufolge werden die deutschen Exportmöglichkeiten gebremst, da der Welthandel deutlich verhaltener expandiert als noch vor der weltweiten Finanzkrise. Für das laufende Jahr wird mit einem moderaten Zuwachs der Exporte von Waren und Dienstleistungen in Höhe von preisbereinigt 2,3 Prozent und im Jahr 2017 in Höhe von 2,1 Prozent gerechnet. Für 2018 geht sie angesichts „etwas verbesserter weltwirtschaftlicher Perspektiven“ von 3,9 Prozent aus. Weiter hieß es: „Die Importe von Waren und Dienstleistungen werden aufgrund der starken Inlandsnachfrage in den Jahren 2016 bis 2018 etwas kräftiger zunehmen als die Exporte.“

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