Konjunkturprognose : Hut ab vor so viel Optimismus!

KommentarKonjunkturprognose : Hut ab vor so viel Optimismus!

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WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer

Es gibt sie also noch, die Optimisten unter den Konjunkturforschern. Sie sitzen in Berlin, beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Deutschland, so lautet ihre frohe Botschaft, werde der Finanzkrise ein Schnippchen schlagen und zum Jahresende mit einem - wenn auch moderaten – Wirtschaftswachstum von 0,3 Prozent glänzen. Potzblitz! Hut ab vor so viel Optimismus! Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer.

„Die Realwirtschaft zeigt sich insgesamt recht robust gegenüber der derzeitigen Krise im Finanzsektor“, tönen die DIW-Forscher. Es gebe daher keine Anzeichen für eine Rezession in Deutschland.

 Wer den in diesen Tagen zur Schau stellt, muss entweder über andere Statistiken verfügen als der Rest der Zunft oder an Realitätsverweigerung leiden. Was wir derzeit erleben ist die Kernschmelze des Finanzsektors.

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Zu behaupten, das habe keine Auswirkung auf die Realwirtschaft, heißt, die Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre zu leugnen, die von einer immer stärkeren Integration der internationalen Finanzmärkte mit der Realwirtschaft geprägt waren. Aber vielleicht hat man das in Berlin ja noch nicht mitbekommen, schließlich wohnt man dort so schön entrückt von den Epizentren ebenjener Finanzwelt.

Deshalb an dieser Stelle ein lautes: Hallo aufwachen, liebe DIW-Forscher!!!

Schaut Euch mal um in der realen Welt außerhalb Berlins (wo die gewerbliche Wirtschaft eh tot ist). Guckt Euch auch mal die Frühindikatoren an, ja, den Ifo-Geschäftsklimaindex zum Beispiel, oder den  Einkaufsmanagerindex. Da werdet ihr entdecken, dass die alle  in den vergangenen Monaten in den Keller gerauscht sind.   Und das mit gutem Grund: Die Auftragseingänge in der deutschen Industrie befinden sich im Steilflug, daran kann auch das leichte Plus im August nichts ändern.

Gleiches gilt für die Produktion. Spätestens bei der Betrachtung der Exporte, die in den vergangenen zehn Monten sieben mal gesunken sind, sollte Euch klar sein, dass sich Deutschland nicht von der rezessiven  Entwicklung in seinen wichtigsten Handelspartnerländern abkoppeln kann.

Zu hoffen, die Schwellenländer in Asien, Nahost und Osteuropa könnten sich von der globalen Talfahrt abkoppeln und würden  weiter so viel Produkte made in Germany nachfragen wie bisher, ist naiv und durch die Erfahrungen in den vergangenen Wochen längst widerlegt.   

Also, liebe DIW-Ökonomen, wacht endlich auf!

Hinzu kommt: Glaubt ihr in  Berlin wirklich, dass der drastische Anstieg des Interbankenzinses für Drei-Monatsgeld (Euribor) in den vergangenen Wochen ohne Auswirkungen auf die Unternehmen der Realwirtschaft bleibt?

Viele kurzfristige Unternehmenskredite, etwa für die Lagerhaltung, sind mit Zinsvereinbarungen verbunden, bei denen der Euribor als Bezugsgröße dient. Dessen Höhenflug verteuert die Kredite für die Unternehmen und wird deren Investitionen bremsen.

All das wird sich mit der üblichen Verzögerung von etwa  sechs Monaten auch am Arbeitsmarkt niederschlagen. Bereits im Winterhalbjahr wird die Zahl der Arbeitslosen daher wieder steigen. Das wird die Konsumbereitschaft der Bundesbürger spürbar dämpfen. Dass die Inflation zugleich etwas zurück geht, ist da nur ein schwacher Trost und wird die Konsumlaune kaum befeuern.

Also, liebe DIW-Ökonomen, wacht endlich aus Eurem wissenschaftlichen Dornröschenschlaf auf, lest ab und an den Wirtschaftsteil der Tageszeitungen und fahrt auch mal nach Frankfurt ins Banken- und Börsenviertel  - vielleicht habt ihr dann ja mal wieder eine Chancen, an den Frühjahrs- und Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute teilzunehmen!         

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