Konjunkturprognose von EU und ifo: Mit Europa geht es abwärts

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Konjunkturprognose von EU und ifo: Mit Europa geht es abwärts

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Die Konjunkturaussichten in der EU trüben sich ein.

Die EU und das ifo-Institut sind sich einig: Deutschland kann seine Rolle als Konjunkturlokomotive Europas nicht mehr erfüllen und schlittert der Rezession entgegen. Das sorgt für schlechte Laune in Südeuropa.

Die Aussichten für Europas Wirtschaft verdüstern sich zusehends. Deutschland schlittert nach der Herbstprognose der EU-Kommission in diesem Jahr am Rande der Rezession entlang. In den 18 Euro-Ländern insgesamt wird das Wachstum deutlich schlechter ausfallen als bisher erwartet. Für das laufende Jahr rechnet Brüssel für die Eurozone mit nur noch 0,8 Prozent Plus statt der prognostizierten 1,2 Prozent.

Das liegt auch an der Bundesrepublik. Deutschland kann seine Rolle als Konjunkturlokomotive Europas wohl nicht mehr erfüllen. Die deutsche Wirtschaft wird laut EU-Kommission nach dem negativen Frühlingsquartal auch im dritten Quartal mit null Prozent stagnieren. Sinkt die Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge, sprechen Volkswirte gemeinhin von einer Rezession. Bereits im zweiten Vierteljahr hatten die Krisen rund um den Globus die deutsche Wirtschaft gebremst, die um 0,2 Prozent schrumpfte.

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Auch das ifo-Institut hat seine Konjunkturprognose für 2014 nach unten korrigiert. „Die Konjunkturabteilung des ifo-Instituts rechnet gegenüber der Herbstprognose, in der ein BIP-Wachstum von 1,3 Prozent für dieses Jahr veranschlagt wurde (im Vergleich zum Vorjahr), mit einer weiteren Abschwächung.

Der neueste Mittelwert der Prognose für Deutschland liegt nach vorläufiger Schätzung nochmals ein Stück tiefer, in der Gegend von etwa einem Prozent. Dabei muss man bedenken, dass der Unsicherheitsbereich solcher Prognosen auch zum jetzigen Zeitpunkt noch hoch ist“, sagte der Präsident des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, am Mittwoch in München. Zur Begründung sagte er, der weitere Rückgang des ifo-Geschäftsklimaindexes von Ende Oktober deute auf eine Stagnation zum Jahresende hin.

Konjunkturindikatoren

  • ZEW-Konjunkturerwartungen

    Der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) herausgegebene Index beruht auf der Befragung von 350 Analysten und Finanzmarktexperten. Sie geben dabei ihre Einschätzung über die künftige Wirtschaftsentwicklung ab. Der Index zur mittelfristigen Konjunkturentwicklung ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Erwartungen über die künftige Wirtschaftsentwicklung. Er wird zur Monatsmitte erhoben.

  • ifo-Index

    Der international beachtete Index basiert auf einer Befragung von etwa 7000 Unternehmen aus Bau, Einzelhandel und Industrie. In einem Fragebogen beurteilen sie ihre gegenwärtige Geschäftslage sowie die Erwartungen für die Zukunft. Beide werden im Geschäftsklima zusammengefasst. Der Index ergibt sich aus dem Saldo der Antworten gut und schlecht.

  • Einkaufsmanagerindex

    Wird von der britischen Forschergruppe Markit erhoben. Er beruht für Deutschland auf Umfragen unter Einkaufsmanagern von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Industrieunternehmen. Bestandteile des Index sind Auftragseingänge, Preise und Beschäftigung. Der Index hat einen relativ kurzen Vorlauf gegenüber der Produktion.

  • Geldmenge (M1)

    Umfasst den Bargeldumlauf und die Sichteineinlagen, wie zum Beispiel Sparbücher. Da die in M1 enthaltenen Bestandteile direkt für Transaktionen zur Verfügung stehen, deutet ein Anstieg darauf hin, dass die Kaufbereitschaft der Konsumenten und Unternehmen steigt. Der Indikator hat einen Vorlauf von zwei bis drei Quartalen.

     

  • Baltic Dry Index (BDI)

    Der BDI ist ein Preisindex für die Verschiffungskosten wichtiger Rohstoffe wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Getreide auf Standardrouten. Er wird durch das Angebot an frei stehendem Schiffsladeraum und die Hafenkapazitäten beeinflusst. Da Rohstoffe als Vorprodukte am Anfang der Wertschöpfungskette stehen, ist der BDI ein guter Frühindikator für die Weltkonjunktur.

  • GfK-Konsumklimaindex

    Der Index des Nürnberger Marktforschungsinstituts GfK prognostiziert die Veränderung der monatlichen privaten Konsumausgaben. Hierfür werden 2000 repräsentativ ausgewählte Personen nach ihren Einkommens- und Konjunkturerwartungen befragt.  

     

Konjunkturschwäche Deutschlands

Die Konjunkturschwäche Deutschlands sorgt in Südeuropa für verstärkt schlechte Stimmung. Die Forderungen aus Frankreich, Italien & Co. an die Bundesregierung werden lauter, endlich mehr Geld locker zu machen. Allerdings prallen sie an Bundeskanzlerin Angela Merkel ab.

Sie sieht die Lage längst nicht so düster wie viele Volkswirte und EU-Regierungschefs. „Der private Konsum bleibt bislang eine verlässliche Wachstumsstütze“, sagte Merkel am Dienstag beim Arbeitgebertag in Berlin. Die Kaufkraft steige, da die Löhne zulegten und die Inflation sinke. „Das ist erst einmal ein guter Ausgangsbefund.“

Ziel der Bundesregierung sei es, für mehr Investitionen zu sorgen. Allerdings dürften diese nicht auf Pump erfolgen, da im kommenden Jahr ein schuldenfreier Haushalt erreicht werden soll. „Das ist eigentlich angesichts der demografischen Herausforderungen nichts anderes als das Mindestmaß an vernünftigem Verhalten“, sagte Merkel.

Zudem müssten die Rahmenbedingungen verbessert werden. Die Große Koalition tue dies etwa mit dem Verzicht auf Steuererhöhungen. Sie werde zudem versuchen, privates Kapital für die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur anzulocken.

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Schwaches Wirtschaftswachstum in den Krisenländern

Anders als in Deutschland wächst in vielen Krisenländern die Wirtschaft – aber deutlich schwächer als erhofft. Die EU-Kommission revidierte ihre Prognose für viele Staaten und auch für den Euro-Raum insgesamt stark nach unten.

2015 werden die Euro-Staaten demnach statt um 1,7 nur noch um 1,1 Prozent zulegen. Der für Jobs und Wachstum zuständige Vizepräsident der EU-Kommission Jyrki Katainen sagte: „Die Wirtschaftslage und die Lage am Arbeitsmarkt verbessern sich einfach nicht schnell genug.“

Der Aufschwung, der im vergangenen Jahr begonnen habe, bleibe anfällig und die Dynamik in vielen Staaten schwach. Als Risiken für die Konjunktur nennt die EU-Kommission die Krisen auf der Welt, die Spannungen an den Finanzmärkten und fehlende Strukturreformen. Die EU-Kommission warnt auch vor einer dauerhaft extrem niedrigen Inflation.

Um den Aufschwung anzukurbeln, will die EU-Kommission noch vor Weihnachten ein 300 Milliarden Euro schweres Investitionspaket vorstellen. Wie es finanziert werden soll, ist allerdings noch unklar.

Mehrere Staaten bekommen ihre staatlichen Defizite nicht in den Griff. So wird in Frankreich bis 2016 die Neuverschuldung bei unveränderter Politik auf 4,7 Prozent der Wirtschaftsleistung steigen, berichtet die EU-Kommission.

Die französische Regierung erwartet nach eigenen Angaben vom Oktober für das übernächste Jahr hingegen einen wesentlich niedrigeren Wert von 3,8 Prozent. Paris will erst 2017 - und damit zwei Jahre später als den Euro-Partnern zugesichert - die nach dem Maastricht-Vertrag erlaubte Defizitgrenze von 3 Prozent einhalten. Spanien wird laut Prognose bis 2016 ebenfalls das Ziel deutlich verfehlen.

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