Konjunkturprognose: Vorsicht vor zu viel Optimismus

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KommentarKonjunkturprognose: Vorsicht vor zu viel Optimismus

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Die führenden Konjunkturforscher blicken optimistisch in die Zukunft und sagen ein Abklingen der Euro-Krise voraus. Ein Blick auf den ifo-Index zeigt aber, dass diese Prognose mit Vorsicht zu genießen ist.

von Bert Losse

Das neue Gutachten der Forschungsinstitute unterstellt ein Abklingen der Euro-Krise. Eine gewagte These, wie auch der ifo-Index zeigt.

Es ist ein Ritual, das bis 1950 zurückreicht: Zweimal im Jahr erarbeiten deutsche Wirtschaftsforschungsinstitute im Auftrag der Bundesregierung eine "Gemeinschaftsdiagnose", ein prall gefülltes Dossier mit Tabellen und Analysen über die Perspektiven Deutschlands und der Welt. Am vergangenen Donnerstag war es wieder so weit, und die Ökonomen verkündeten optimistisch: "Die Bedingungen für einen kräftigen Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Produktion sind gegeben." Demnach wächst die deutsche Wirtschaft 2013 um 0,8 Prozent. Damit liegen die Institute über den Prognosen von Bundesregierung (0,4 Prozent) und IWF (0,6 Prozent). 2014 soll die Konjunktur dann noch mehr Fahrt aufnehmen, die Institute sagen ein Wachstum von 1,9 Prozent voraus. Die Arbeitslosigkeit werde weiter sinken, die Inflation beherrschbar bleiben.

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Doch es lohnt sich ein Blick ins Kleingedruckte, speziell auf Seite 33 des 84 Seiten starken Gutachtens. Hier beschreiben die Volkswirte, welche vier Annahmen sie ihren Prognosen zugrunde gelegt haben. Dies sind: Rohöl (Brent) kostet 2013 im Schnitt 111 Dollar je Barrel und liegt 2014 maximal einen Dollar darüber. Die Weltwirtschaft wächst 2013 um 3,8 Prozent - und schafft 2014 stolze 5,5 Prozent. Der Wechselkurs des Euro pendelt sich bei rund 1,30 Dollar ein. Und das Entscheidende: Die Forschungsinstitute rechnen damit, dass "die Euro-Krise nicht eskaliert, sondern sich allmählich entspannt".

Hoffen auf 2014 - Die Prognosen der Forschungsinstitute (Angaben in %). (zum Vergrößern bitte anklicken)

Hoffen auf 2014 -

Die Prognosen der Forschungsinstitute (Angaben in %).

(zum Vergrößern bitte anklicken)

Angesichts des Siechtums der Euro-Zone und der Fülle potenzieller Brandherde - Rezession, politischer Durchhänger in Italien, neuer Finanzbedarf in Zypern, Reformstau in Frankreich, drohender Bankrott in Slowenien - ist das eine steile These. Sie verwundert schon deshalb, weil sich die Forscher im Gutachten durchaus kritisch mit der Lage in einzelnen Krisenstaaten auseinandersetzen.

Auch die deutschen Unternehmer trauen der Ruhe im Euro-Raum nicht über den Weg. Der ifo-Geschäftsklimaindex gab im April zum zweiten Mal in Folge nach und sank deutlich von 106,7 auf 104,4 Punkte. Zwar bewerteten die Firmen ihre aktuelle Lage nach wie vor als gut, dennoch herrscht in den Chefetagen mehr Zurückhaltung aufgrund der ungelösten Probleme in Europa.

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Und was erwarten die Forschungsinstitute für die Weltwirtschaft? Die Experten rechnen damit, dass sie 2014 um 5,5 Prozent wächst. Eine Prognose aus der Kategorie Wunschdenken: Einen so hohen Wert hat es in den vergangenen 20 Jahren nicht gegeben. Nichts gegen Optimismus - aber diesen hier sollten wir mit Vorsicht genießen.

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