Konjunkturrisiken: Aufschwung adé

Konjunkturrisiken: Aufschwung adé

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WirtschaftsWoche-Redakteur Bert Losse

von Bert Losse

Noch brummt die deutsche Wirtschaft, noch geben sich die Industriekapitäne unbeeindruckt vom weltweiten Börsencrash. Doch die Risiken für die Weltwirtschaft nehmen immer stärker zu – und damit auch für die exportorientierte deutsche Wirtschaft.

Eine Familie, gut genährt, sitzt fröhlich beim Picknick auf der Wiese  - während hinter ihrem Rücken am Horizont eine pechschwarze Unwetterwolke anrollt. So lässt sich bildlich die aktuelle Lage der deutschen Wirtschaft beschreiben. Während die Bänder in vielen Fabriken rund um die Uhr laufen und fast täglich neue Rekordmeldungen über Umsätze und Gewinne öffentlich werden, braut sich ein übles globales Rezessionsgemisch zusammen.

Der aktuelle Börsencrash, die eskalierende Schuldenkrise in Europa, das konjunkturelle und politische Siechtum der USA, die Immobilienblase im noch boomenden China – allerorten wachsen derzeit die Risiken für Wachstum und Wohlstand. Kein Wunder, dass fast alle wichtigen Frühindikatoren mittlerweile nach unten zeigen. Auf Dauer, das hat schon die Finanzkrise gezeigt, gibt es keine Brandmauer zwischen den Finanzmärkten und der Realwirtschaft.

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Daher schlägt auch die europäische Schuldenkrise früher oder später auf die Investitionslust der Unternehmen durch.  Greift etwa die Staatsschuldenkrise auf große Länder wie Italien und Spanien über, wofür derzeit einiges spricht, wäre eine neue Eskalationsstufe erreicht. Der europäische Rettungsschirm reicht nicht aus, auch noch diese beiden Länder aufzufangen.

Indizien deuten Abkühlung an

„Könnten sich die beiden großen Länder nach der Sommerpause nicht mehr selbst am Markt refinanzieren und einigten sich die europäischen Finanzminister zu spät auf Hilfen, müssten die beiden Länder ihre Ausgaben mit einem Schlag an die viel niedrigeren Steuereinnahmen anpassen“, warnt die Commerzbank in einer aktuellen Analyse.

Den Volkswirtschaften würde massiv Kaufkraft entzogen, eine scharfe Rezession wäre die Folge. Außerdem, so befürchten die Commerzbank-Ökonomen, könnten dann die Menschen in Italien und Spanien ihre Banken stürmen, um sich ihre Guthaben auszahlen zu lassen. „Die Grundfesten des Wirtschaftens gerieten ins Wanken, das Bruttoinlandsprodukt im Euroraum würde einbrechen, möglicherweise so stark wie im Winterhalbjahr 2008/2009 nach der Lehman-Pleite“.

Die boomenden Schwellenländer stehen diesmal als Konjunkturretter nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Viele haben im Kampf gegen die wachsende Inflation in den vergangenen Monaten massiv die Leitzinsen erhöht; die Bremseffekte dieser – ökonomisch notwendigen  - Maßnahmen werden nun nach und nach sichtbar. Hinzu kommen unverändert hohe Rohstoffpreise, die die Unternehmen belasten.

Die deutsche Industrie spürt zunehmend Gegenwind von der globalen Konjunkturabkühlung. Die Firmen stellten im Juni 0,9 Prozent weniger her als im Mai, wie das Bundeswirtschaftsministerium heute mitteilte. Der Ausstoß des gesamten Produzierenden Gewerbes - also Industrie, Energie und Bau - sank um 1,1 Prozent. Experten hatten hier ein Plus von 0,1 Prozent erwartet. Das Ministerium betonte aber, überdurchschnittlich viele Brückentage hätten das Ergebnis im Juni merklich gedämpft. Ein dickes Auftragspolster und ein steigendes Neugeschäft sprächen in den nächsten Monaten für ein solides Wachstumstempo. Aber euphorisch klingt das nicht, die Risiken nehmen offenbar zu.

Wenn wir Glück haben, wird aus dem sicher kommenden Abschwung keine scharfe Rezession. In jedem Fall aber sollten wir das Picknick beenden - und wetterfeste Kleidung anziehen.

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