Konsum: Verbraucher halten ihr Geld zusammen

Konsum: Verbraucher halten ihr Geld zusammen

Bild vergrößern

Einkommensverwendung

von Mark Fehr

Bei den Verbrauchern regiert Ungewissheit. Sie sparen - und suchen Schutz vor der Krise in Haus und Garten.

Wer in diesen Wochen Entspannung von Krisenangst und Spardebatten sucht, geht am besten einkaufen. Denn wenn die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika anstößt, muss zu Hause alles bereitstehen für das perfekte Spiel. In Supermärkten steuern begeisterte Verbraucher ihre Einkaufswagen zwischen Bergen von Kartoffelchips hindurch, während emsige Verkäufer Rieseneimer mit Popcorn bis unter die Ladendecke stapeln. Zudem locken Baumärkte mit bequemen Gartenmöbeln – und Elektronikdiscounter unterbieten sich gegenseitig mit preisreduzierten Flachbildfernsehern.

Verwundert reibt sich der Betrachter die Augen: Müssten die privaten Haushalte in Zeiten einer historischen Finanz- und Schuldenkrise nicht sparen? Das tun sie auch. Die Fußball-WM verursacht als weltgrößtes Sportereignis zwar in einigen Branchen eine kleine Sonderkonjunktur. Diese dürfte, auf das Gesamtjahr gesehen, jedoch ein Strohfeuer bleiben. Der private Verbrauch wird 2010 allenfalls vor sich hindümpeln, warnte jüngst das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK. Nach leichtem Wachstum von 0,4 Prozent im Vorjahr sei in diesem Jahr eine Stagnation zu erwarten.

Anzeige

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) prognostiziert für 2010 sogar einen Konsumrückgang um etwa ein halbes Prozent. „Erst im kommenden Jahr dürften wir wieder ein Wachstum des Privatverbrauchs von rund einem Prozent erleben“, schätzt DIW-Konjunkturchef Christian Dreger.

Immer größere Teile ihrer verfügbaren Einkommen legen die Deutschen auf die hohe Kante. In den zurückliegenden zehn Jahren kletterte die Sparquote um mehr als zwei Punkte auf 11,3 Prozent (siehe Grafik). Grund ist ein tiefgreifender Mentalitätswandel. „Ungewissheit ist zum globalen Lebensgefühl geworden“, sagt der Trendforscher Peter Wippermann. Deshalb stecken die Verbraucher nun besonders bei großen Investitionen zurück. Das liegt auch an der Angst vor Altersarmut. „Wegen der unsicheren Zukunft der gesetzlichen Rente halten gerade junge Familien ihr Geld zusammen“, sagt DIW-Ökonom Dreger.

Sparen heißt jedoch nicht, dass überhaupt kein Geld mehr ausgegeben wird. Stattdessen verlagern die Deutschen ihren Konsum dorthin, wo er billig ist: In das Wohnzimmer, auf die Terrasse und in den Garten. Bei Läden und Supermärkten macht sich die Zurückhaltung schon bemerkbar. „Die Umsätze pendeln sich, von Ausreißern abgesehen, etwa auf dem Niveau des Vorjahres ein“, sagt Kai Falk vom Handelsverband Deutschland (HDE). Eins steht fest: So werden die Verbraucher bestimmt keinen nennenswerten Beitrag zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts leisten. Das hat gravierende Folgen für die Volkswirtschaft, denn selbst in der exportorientierten Bundesrepublik stützt sich die Wirtschaftsleistung zu fast 60 Prozent auf den privaten Verbrauch.

Ferienbudget schrumpft

Während der Konsum aus gesamtwirtschaftlicher Sicht stagniert, feiern spezielle Segmente einen Boom. Gefragt ist alles, was das Leben in Heim und Garten verschönert. Die eigenen vier Wände werden zum krisensicheren Rückzugsraum ausstaffiert. Deutsche Gemütlichkeit erlebt eine Renaissance. „Die Konsumenten reagieren auf die Krise, indem sie sich auf ihr Zuhause konzentrieren“, sagt der GfK-Experte Wolfgang Twardawa. Bereits im vergangenen Jahr wuchsen die Umsätze der Baumärkte um zwei Prozent. Triebfeder war die steigende Nachfrage nach Gartenmöbeln, Pflanzen, Staubsaugern oder Kaffeeautomaten. Der Trend zum „Homing“ setzt sich laut Twardawa aktuell fort.

Das merken auch die Gastronomen, obwohl zurzeit König Fußball regiert. Eine Kneipenwirtin in der Düsseldorfer Altstadt sagt: „Höhere Umsätze haben wir wegen der Fußball-WM bis jetzt noch nicht gehabt. Wahrscheinlich schauen zurzeit viele die Spiele lieber zu Hause an.“

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%