Konsumklima: Deutsche Verbraucher beflügeln den Aufschwung

Konsumklima: Deutsche Verbraucher beflügeln den Aufschwung

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GfK-Chef Frank Wübbenhorst

von Mark Fehr

Die Marktforscher der GfK veröffentlichen ihre Konsumprognose für 2011. Kaufen sich die Verbraucher jetzt von der Krise frei und lassen den Handel jubilieren – oder zerstören Inflation sowie Lebensmittelskandale die Hoffnung auf ein Konsumwunder? wiwo.de sprach mit GfK-Chef Klaus Wübbenhorst.

wiwo.de: Professor Wübbenhorst, die Deutschen gelten als sparsam und konsumfaul. Stimmt das? Wübbenhorst: Bislang waren wir tatsächlich nicht dafür bekannt, scharenweise die Kaufhäuser zu stürmen. Doch die deutschen Verbraucher haben sich verändert. Sie sind von Konsum-Muffeln zu Konsum-Optimisten geworden. In Deutschland herrscht die beste Kauflaune unter allen europäischen Industriestaaten. Dagegen fürchten etwa die Franzosen einen Rückgang ihres Lebensstandards. Gute Stimmung bedeutet nicht, dass die Verbraucher automatisch mehr ausgeben. Erleben wir jetzt wirklich einen deutschlandweiten Kaufrausch? Wübbenhorst: Kaufhäuser und Supermärkte werden ihre Parkplätze nicht vergrößern müssen. Doch die deutsche Wirtschaft nimmt eine erstaunliche Sonderrolle in Europa ein. Bei unserem Wirtschaftswachstum von 3,6 Prozent können Frankreich, Großbritannien oder Italien nicht mithalten. Hierzulande sank die Zahl der Arbeitslosen sogar, verglichen mit dem Niveau vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Das bringt die deutschen Verbraucher auf Trab. Gemäß unserer heute veröffentlichten GfK-Prognose dürfte der private Konsum in Deutschland im Jahr 2011 real um 1,5 Prozent zulegen.

Das klingt nicht nach sehr viel. Wübbenhorst: Wir reden hier über eine bedeutende Zahl. Die von uns prognostizierte Wachstumsrate ist dreimal so hoch wie im Vorjahr und entspricht einem Plus von 40 bis 50 Milliarden Euro – bewegt sich also in der Dimension des Jahresumsatzes der Edeka-Märkte. Zudem hat der private Verbrauch einen Anteil von 60 Prozent an der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung. Die Konsumfreude der Deutschen beflügelt daher nicht nur den Aufschwung, sie entwickelt sich zu einer nachhaltigen und verlässlichen Stütze der Binnenkonjunktur. Profitiert der Handel? Wübbenhorst: Lebensmittelhändler und Drogeriemärkte dürften laut GfK-Prognose ihre Umsätze im Jahr 2011 um etwa 1,7 Prozent steigern. Auch für den Non-Food-Sektor wird ein entsprechendes Plus erwartet. Der Umsatzschub ist damit zwar nicht mehr ganz so stark wie im zurückliegenden Jahr, doch die Krisendelle haben der Lebensmitteleinzelhandel sowie der Non-Food-Bereich schon 2010 ausgebügelt.

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Zerstört die Inflation das Konsumwunder? Wübbenhorst: Das Thema wird in diesem Jahr mit Sicherheit rege diskutiert werden. Ein wirklicher Inflationsschub ist jedoch nicht zu erwarten. Allerdings liegt bei den Deutschen die Schwelle der gefühlten Inflation besonders niedrig. Die Verbraucher nehmen den jüngst äußerst steilen Anstieg von Preisen bestimmter Lebensmittel wie Butter oder Tomaten deutlicher wahr als etwa die starken Preissenkungen für Internet- und Telefonanschlüsse. Schrecken die aktuellen Lebensmittelskandale die Konsumenten ab? Wübbenhorst: Als die Dioxin-Verseuchung bekannt wurde, brach der Verkauf konventionell erzeugter Eier um 20 Prozent schlagartig ein. Doch gleichzeitig profitierten Bio-Eier mit einem Plus von immerhin 15 Prozent. Die Umsätze gingen also nicht in voller Höhe verloren. Eine ähnliche Entwicklung gab es auch beim Schweinefleisch, als der Futtermittelskandal ans Licht kam. Warum wächst der Konsum überhaupt noch – wir haben doch eigentlich alles? Wübbenhorst: Verbraucher lassen sich immer aufs Neue von außergewöhnlichen Innovationen begeistern. Die Leute sind bereit, für faszinierende Produkte wie Smartphones oder Tabletcomputer, relative hohe Preise zu zahlen. Auch bei Lebensmitteln beobachten wir eine immer größere Wertschätzung von Qualität, für die viele Verbraucher tiefer in die Tasche greifen. Interessant ist, dass der demographische Faktor dem Konsum in die Hände spielt. Ältere Jahrgänge haben ihr Haus abbezahlt und müssen weniger Geld in die Altersvorsorge stecken. Der wachsende Anteil der über 50-Jährigen hat in der Regel eine niedrigere Sparquote und kann mehr konsumieren.

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