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Kommentar Konsumklima: Letztes Aufbäumen der Konsumenten

von Malte Fischer

Deutschlands Wirtschaft schrumpft, doch die Laune der Konsumenten steigt. Die Daten, die das Statistische Bundesamt und die Gesellschaft für Konsumforschung heute veröffentlicht haben, könnten auf den ersten Blick kaum widersprüchlicher sein. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer.

WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche
WirtschaftsWoche-Redakteur Malte Fischer Quelle: Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Während die Beamten aus Wiesbaden einen Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozent meldeten, kam von der GfK die Nachricht, dass der Indikator für das Konsumklima von November auf Dezember von 1,9 auf 2,2 Punkte gestiegen ist.

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Ausschlaggebend für die bessere Konsumlaune war, dass sich die Einkommensaussichten und die Anschaffungsneigung der Bundesbürger verbesserten. Die GfK führt das vor allem auf die gesunkenen Energiepreise zurück. Weil die Bürger weniger Geld an der Tankstelle und beim Befüllen ihres Heizöltanks auf den Tisch legen müssen, bleibt mehr für den Einkaufsbummel übrig. Hinzu kommt, dass in vielen Branchen die Tariflöhne deutlich gestiegen sind. Das hat dazu geführt, dass der private Konsum im dritten Quartal um 0,3 Prozent gestiegen ist und  einer der wenigen Lichtblicke bei den Wachstumszahlen war.

Doch es wäre verfehlt daraus den Schluss zu ziehen, der Konsum könne die deutsche Wirtschaft vor dem Absturz retten. Was wir in den Daten zum Bruttoinlandsprodukt und dem GfK-Index sehen, ist das letzte Aufbäumen der Konsumenten vor dem Kollaps. In den nächsten Monaten wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt drastisch verschlechtern. Die Zahl der Beschäftigten wird sinken und die Zahl der Arbeitslosen kräftig steigen. Experten rechnen mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit um bis zu 500000 Personen.

Dafür spricht, dass der Arbeitsmarkt mit einer Verzögerung von rund einem halben Jahr auf die allgemeine Konjunktur reagiert. Das ist auch Grund dafür, dass der Konsum in Deutschland erfahrungsgemäß die letzte Bastion ist, die im Abschwung fällt beziehungsweise im Aufschwung sich wieder erholt. Typischerweise gehen Auf- beziehungsweise Abschwünge in Deutschland von den Exporten aus, dann folgen die Investitionen und zuletzt der Konsum.

Die Ausfuhren (minus 0,4 Prozent) und die  Ausrüstungsinvestitionen (minus 0,5) Prozent sind im dritten Quartal bereits geschrumpft. In den nächsten Monaten wird sich ihre Talfahrt angesichts der wegbrechenden Absatzmärkte noch beschleunigen. Die jüngste Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zeigt, dass die Unternehmen daher per saldo planen, die Zahl der Beschäftigten in den nächsten Monaten zu verringern. Spätestens wenn die Bundesagentur für Arbeit  Monat für Monat wieder steigende Arbeitslosenzahlen meldet, wird auch die Konsumlaune der Bürger in den Keller rutschen – und mit ihr die Verbraucherausgaben.

6 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.11.2008, 22:27 UhrHägar Schmidt

    Liebe Freunde der leichten Unterhaltung,

    als Unternehmensberater, der ununterbrochen mit verschiedenen Kunden zu tun hat, muss ich sagen: irgendwie stinkt mir die Sache. Probleme haben:
    a) banken
    b) immobilienhändler
    c) gewisse Automobilhersteller und manche ihrer Zulieferer

    Keine Probleme haben:
    d-z) alle anderen

    Natürlich bekommt bosch kalte Füße und Damiler hat sie schon immer gehabt. Was Automobilhersteller in den letzten Jahren getrieben haben, gleicht sehr dem, was auch die banken getan haben: Gewinn- und Absatzfinanzierung auf Pump. Da wurden Leasingverträge für 70,000 EUR teure Schlitten für untere, 3-stellige Monatsraten verschleudert, und der Restwert wurde subventioniert. So hat man den ganzen Markt für Geschäftskunden von Japanern und anderen Ausländern fernhalten können.

    Ähnliches bei Future (banken) und immobilien-Dummsinn (banken + gewisse Fonds).

    Jetzt werden schlicht virtuelle Gewinne als Verluste abgeschrieben. bedeutet das eine Weltkrise? Nein. Werden wir alle sterben? Ja.

    Aber nicht alle in den nächsten 2 Jahren :-)

  • 26.11.2008, 12:15 UhrSpalter

    Den sogenannten 'Jammerlappen' hat schon immer das Heer der 'Positivdenker' gegenüber gestanden. Und das wird es kommen wie jedes Jahr: Vor Weihnachten wird prpagiert, der bürger fühle ein Jucken und Zucken im Portemonaie, der Händler steht völlig erregt in Erwartung des positiven Weihnachtsgeschäftes hinter der Theke. Und spätestens am 02. Januar des Folgejahres verkünden die selben Propheten, der Verbraucher habe sich dann doch sehr zurück gehalten und die Händler hätten nicht nur ein sehr schlechtes Geschäft gehabt, sondern dieses auch noch in Folge über Jahre.
    Zum Jubeln besteht absolut kein Anlass, was man sehen wird, wenn nächstes Jahr die Automobilbranche voll zusammen kracht. Und sparen ist angesagt, allein schon im Hinblick darauf, dass man morgen schon zu denen gehören kann, die vor den Toren des Arbeits- oder Sozialamtes stehen. Und gespartes Geld nimmt im Quadrat ab, wenn man allein davon leben muss.
    Und eine Lebenserfahrung zeigt immer wieder, dass 'Positivdenker`plötzlich zu den grössten 'Jammerlappen' gehören, wenn es sie dann (endlich) mal selbst erwischt.

  • 26.11.2008, 10:27 UhrRami

    Was mir bei dieser Wirtschaftskrise am unangenehmsten auffällt, ist die Tatsache, dass alle Medien mit Negativschlagzeilen von sogenannten Experten nur so um sich werfen. Sicherlich gibt es derzeit einen Abschwung und eine Krise, aber diese wird durch die Medien deutlich verschärft, weil diese teilweise doch sehr unqualifizierten und übertrieben negativen Kommentare die Konsumenten natürlich in höchstem Maße verunsichern. Wenn man mit Unternehmern außerhalb der Automobilbranche spricht, erhält man den Eindruck, dass die Krise bei Weitem nicht so dramatisch ist, wie sie dargestellt wird. Aber wir sind am besten Weg, uns viel tiefer in die Krise zu reden und vor allem zu schreiben, als es notwedig wäre. So etwas eine klassische "selffullfilling prophecy".

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