Konsumverhalten: Trump trübt deutsche Verbraucherlaune

Konsumverhalten: Trump trübt deutsche Verbraucherlaune

, aktualisiert 23. Februar 2017, 15:29 Uhr
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Die Deutschen kaufen statistisch gesehen zwar noch immer gerne und viel ein, allerdings sehen die Marktforscher der Nürnberger GfK eine negative Beeinflussung des Kaufverhaltens durch eine höhere Inflation, sowie den Politikwechsel in den USA.

Quelle:Handelsblatt Online

Das Konsumklima in Deutschland wird derzeit von US-Präsident Donald Trump und dessen protektionistischer Politik negativ beeinflusst. Auch die steigende Inflation dämpft die Konsumlaune der Deutschen.

Berlin/NürnbergSteigende Preise und protektionistische Töne aus den USA belasten einer Umfrage zufolge das Konsumklima in Deutschland. Die Marktforscher der Nürnberger GfK sagen für März eine Eintrübung ihres Stimmungsbarometers um 0,2 auf 10,0 Punkte voraus. Dies ist der erste Rückgang nach drei Anstiegen in Folge. „Der Regierungswechsel in den USA und die zuletzt deutlich gestiegene Inflation haben der überaus guten Konsumstimmung im Februar einen Dämpfer versetzt“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl am Donnerstag zur Befragung unter 2000 Bürgern. Der private Konsum hatte Ende 2016 zusammen mit den Flüchtlingsausgaben und den Bauinvestitionen das Wirtschaftswachstum angekurbelt.

Der neue US-Präsident Donald Trump hat wiederholt angekündigt, die US-Märkte abzuschotten. Viele Ökonomen sehen dies als Risiko für den Welthandel und damit auch für die deutschen Exporteure. Das Münchner Ifo-Institut konnte in seiner jüngsten Umfrage zum Geschäftsklima bei Unternehmen allerdings keinen negativen „Trump-Effekt“ feststellen.

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Die GfK, die jedoch die Menschen in ihrer Erhebung nicht direkt dazu befragt hat, sieht dies aber anders: „Offenbar sorgt die Politik des neuen US-Präsidenten für Verunsicherung und leichte Konjunktursorgen bei den Konsumenten“, sagte Bürkl. Die Pläne der US-Regierung ließen vor allem bei Beschäftigten stark exportorientierter Branchen Zweifel an der Sicherheit des eigenen Jobs aufkommen. Die Neigung, teure Güter wie Autos zu kaufen, ging ebenso zurück wie die Erwartungen an die eigenen Finanzen. Als Stimmungsbremse erwies sich laut GfK auch die Inflation, die zuletzt auf 1,9 Prozent nach oben schnellte. Gestiegene Preise für Öl und Nahrungsmittel sorgen dafür, dass die Bürger weniger Geld für andere Ausgaben in der Tasche haben.


Konsum von Staat und Haushalten schiebt Wirtschaft an

Das Bundesfinanzministerium spricht in seinem Monatsbericht allerdings von weiter günstigen Rahmenbedingungen und sieht die Konjunktur insgesamt „auf solidem Wachstumskurs“. Das Bruttoinlandsprodukt stieg zwischen Oktober und Dezember um 0,4 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt mitteilte und damit vorläufige Daten bestätigte. Während die Inlandsnachfrage für deutlich Schwung sorgte, bremste der Außenhandel das Wachstum. Denn die Importe kletterten mit 3,1 Prozent stärker als die Exporte mit 1,8 Prozent.

Die Verbraucher sorgten mit ihren Ausgaben ebenfalls für Impulse. Der private Konsum erhöhte sich um 0,3 Prozent, während der Staatskonsum – vor allem wegen der Flüchtlingskosten – um 0,8 Prozent zulegte. Die Investitionen am Bau stiegen deutlich um 1,6 Prozent. Die Ausgaben in Maschinen, Anlagen und andere Investitionsgüter hingegen sanken leicht um 0,1 Prozent.

„Ich will nicht nörgeln, aber das Konjunkturbild im Schlussquartal 2016 ist trotz des ansprechenden Wachstums nicht überzeugend“, sagte DekaBank-Analyst Andreas Scheuerle. Hier zeige sich eine Ansammlung von Sondereffekten: „Ein durch Flüchtlingsausgaben hoher Staatskonsum, durch die Niedrigzinsen angeheizte Bauinvestitionen und hohe Lagerinvestitionen – nachhaltiges Wachstum sieht anders aus.“

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, seine Länderkollegen und die Kämmerer aus den Kommunen können sich über den Rückenwind der Konjunktur jedenfalls freuen. Der Überschuss im deutschen Staathaushalt fiel 2016 deutlich größer aus als angenommen und erreichten einen Wiedervereinigungsrekord. Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherung nahmen 23,7 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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